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Wurde der Kronzeuge wirklich tagelang eingesperrt?

Zweifel an Dealer-Geschichte wachsen Wurde der Kronzeuge wirklich tagelang eingesperrt?

Die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen im Prozess gegen den 33-Jährigen Dogukan B. wachsen. Der Dealer glänzte im Landgericht Hannover durch Abwesenheit.

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Quelle: dpa

Hannover. Der Anklagevorwurf der Staatsanwaltschaft, der 33-jährige Dogukan B. habe einen Dealer tagelang in einem Keller eingesperrt und geschlagen, um ihn zum Begleichen von Drogenschulden zu bewegen, gerät gehörig ins Wanken. Der Dealer, der sich den Ermittlern als Kronzeuge angedient hatte, glänzte am Mittwoch am Landgericht durch Abwesenheit. Wie die 2. Große Strafkammer herausfand, befindet sich der Mann derzeit in einer Göttinger Therapieeinrichtung. Auch kamen einige Ungereimtheiten auf den Tisch, die die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen verstärken. Möglicherweise hat er sich die Schauergeschichte über seine Entführung nur ausgedacht, um für seine Beteiligung an kriminellen Drogengeschäften eine mildere Strafe zu erwirken.

Laut Staatsanwaltschaft verkaufte Dogukan B. zwischen Juni 2014 und Oktober 2015 in 90 Fällen Marihuana. Außerdem soll der 33-jährige Vahrenwalder einen Dealer zwei Tage bei Wasser und Brot in einem verdreckten Kellerraum eingesperrt haben, um ihn zum Begleichen von 2900 Euro Schulden zu bewegen. Ebenfalls auf der Anklagebank sitzt der 33-jährige Ali B., in dessen Ledeburger Wohnung 5,7 Kilo Marihuana gefunden wurden.

Dogukan B.s Verteidiger Manfred Koch erklärte gestern, der Kronzeuge habe einem Freund gebeichtet, die Erpressungsgeschichte aus dem Keller sei ein Produkt seiner blühenden Fantasie gewesen. Seiner Freundin habe der Zeuge erzählt, an der Entführung seien sechs Albaner beteiligt gewesen, der Polizei berichtete er von einem einzigen. Nach Angaben des Hauptbelastungszeugen war dieser Mann 1,85 Meter groß - tatsächlich messe der namentlich bekannte Albaner, so Koch, nur 1,70 Meter. Der als Geschäftsmann tätige Mann sei seinerseits nie wegen der vorgeblichen Entführung angeklagt worden.

Ali B.s Verteidiger Dirk Schoenian wies darauf hin, dass sich der Dealer der Polizei erst ein halbes Jahr nach seiner behaupteten Gefangenschaft als Kronzeuge aufgedrängt habe - die Tortur bei Vernehmungen in den ersten Wochen nach der vermeintlichen Freiheitsberaubung aber mit keiner Silbe erwähnt habe. Eine Polizeibeamtin, die gestern als Zeugin auftrat, verstärkte den Eindruck, dass die diesbezüglichen Ermittlungen im Jahr 2015 nicht übermäßig tiefgründig ausgefallen waren.

Für Dogukan B. geht es um viel. Entfällt der Anklagepunkt der Freiheitsberaubung mit schwerer räuberischer Erpressung, bleibt der Drogenhandel. Hier hat der langjährige Kioskbesitzer bereits ein Teilgeständnis abgelegt, hofft nun auf eine Bewährungsstrafe. Der Vorsitzende Richter Martin Grote deutete an, dass sich die Kammer durchaus vorstellen könne, den Entführungsvorwurf fallen zu lassen; der Staatsanwalt allerdings beharrt darauf, den Kronzeugen zu vernehmen. Ob dieser aber gerichtsöffentlich zugeben wird, sich seine Entführung nur ausgedacht zu haben - und damit eine Anklage wegen Vortäuschens einer Straftat riskiert -, darf man bezweifeln.

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