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Zweifel an Gutachten für Boehringer

Tierimpfstoffzentrum Zweifel an Gutachten für Boehringer

Die Kirchröder „Bürgerinitiative gegen Massentierversuche“ hat Gutachten angezweifelt, mit denen der Pharmakonzern Boehringer die Unbedenklichkeit seines geplanten Impfstoffzentrums belegen will.

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Das Baugelände für das geplante Tierimpfstoffzentrum der Firma Boehringer Ingelheim in Kirchrode.

Quelle: Frank Wilde (Archiv)

Aktivisten bemängeln, dass der TÜV Nord bei seiner Geruchsprognose nicht die höchste zulässige Zahl von Tieren zugrunde legte, die das Unternehmen in Ställen unterbringen dürfe. Nachdem der Gutachter diese Kritik in einem Schreiben als „sachlich richtig“ eingestuft hatte, halten Ansiedlungsgegner das Gutachten des Überwachungsvereins für wertlos. Dort zieht man jedoch völlig andere Schlüsse.

Der TÜV hat im Auftrag von Boehringer und in Absprache mit der Stadt Hannover untersucht, welche Geruchs- und Ammoniakbelastung vom Forschungszentrum ausgeht. Gutachter Thomas Liebich bezog seine Daten aus einer Projektskizze, die das Ingelheimer Unternehmen lieferte. Danach will der Konzern in zwei Versuchsställen Impfstoffe an 500 Schweinen und 60 Rindern testen. Dies entspricht knapp den zwischen Stadt und Boehringer vereinbarten 200 sogenannten Großvieheinheiten – ein Umrechnungsschlüssel für das zulässige Gewicht aller dort gehaltenen Tiere.

Nach einer Berechnung der Bürgerinitiative wären aber statt einiger hundert Tiere ebenso mehr als 6000 Ferkel erlaubt, die entsprechend mehr Gerüche produzieren als einige hundert Tiere. Klaus Neudahm, Vorsitzender der Bürgerinitiative, spricht deshalb von einem „geschönten und deshalb wertlosen Gutachten“. Für TÜV-Gutachter Liebich dagegen ist die Zahl der in Versuchsställen lebenden Tiere nicht der entscheidende Aspekt. „Die Anlage muss in jedem Fall so gebaut werden, dass die Nachbarschaft nicht relevant mit Gerüchen belästigt wird, egal, wie viele Tiere gehalten werden.“

Dafür hat die Stadt eine Grenze gesetzt, die sich an der Richtlinie für Geruchsimmissionen orientiert. An höchstens zwei Prozent aller Stunden eines Jahres dürfen Gerüche aus dem Forschungszentrum bei Nachbarn ankommen. Dietrich Kröncke, Mitglied der Initiative, sagt es so: „An ein paar Tagen im Jahr darf es hier stinken.“ Liebich weist zudem darauf hin, dass letztlich das Gewerbeaufsichtsamt den Betrieb des Forschungszentrums genehmigen muss und auf Grundlage der von Boehringer genannten „maximal geplanten Tierzahl“ entscheidet.

Die Bürgerinitiative kritisierte, dass nicht die Stadt Hannover unabhängige Sachverständige veranlasste, sondern der Konzern Geruchsgutachten wie auch eine Studie zur Sicherheit der Anlage in Auftrag gab und bezahlte. „Beides hätte nur die Stadt machen dürfen“, sagte Neudahm. Sinn sei gewesen, Öffentlichkeit und Politiker zu beruhigen. Boehringer habe der Bürgerinitiative zudem Daten nicht zugänglich gemacht, die der TÜV bekommen habe. Im Genehmigungsverfahren hat die Region Hannover bis Anfang Januar 2010 Zeit, den Flächennutzungsplan der Stadt zu genehmigen. Mit Argumenten auch des TÜV-Gutachtens wurden viele Bedenken von Kirchröder Bürgern zurückgewiesen.

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