Aktivisten bemängeln, dass der TÜV Nord bei seiner Geruchsprognose nicht die höchste zulässige Zahl von Tieren zugrunde legte, die das Unternehmen in Ställen unterbringen dürfe. Nachdem der Gutachter diese Kritik in einem Schreiben als „sachlich richtig“ eingestuft hatte, halten Ansiedlungsgegner das Gutachten des Überwachungsvereins für wertlos. Dort zieht man jedoch völlig andere Schlüsse.
Der TÜV hat im Auftrag von Boehringer und in Absprache mit der Stadt Hannover untersucht, welche Geruchs- und Ammoniakbelastung vom Forschungszentrum ausgeht. Gutachter Thomas Liebich bezog seine Daten aus einer Projektskizze, die das Ingelheimer Unternehmen lieferte. Danach will der Konzern in zwei Versuchsställen Impfstoffe an 500 Schweinen und 60 Rindern testen. Dies entspricht knapp den zwischen Stadt und Boehringer vereinbarten 200 sogenannten Großvieheinheiten – ein Umrechnungsschlüssel für das zulässige Gewicht aller dort gehaltenen Tiere.
Nach einer Berechnung der Bürgerinitiative wären aber statt einiger hundert Tiere ebenso mehr als 6000 Ferkel erlaubt, die entsprechend mehr Gerüche produzieren als einige hundert Tiere. Klaus Neudahm, Vorsitzender der Bürgerinitiative, spricht deshalb von einem „geschönten und deshalb wertlosen Gutachten“. Für TÜV-Gutachter Liebich dagegen ist die Zahl der in Versuchsställen lebenden Tiere nicht der entscheidende Aspekt. „Die Anlage muss in jedem Fall so gebaut werden, dass die Nachbarschaft nicht relevant mit Gerüchen belästigt wird, egal, wie viele Tiere gehalten werden.“
Dafür hat die Stadt eine Grenze gesetzt, die sich an der Richtlinie für Geruchsimmissionen orientiert. An höchstens zwei Prozent aller Stunden eines Jahres dürfen Gerüche aus dem Forschungszentrum bei Nachbarn ankommen. Dietrich Kröncke, Mitglied der Initiative, sagt es so: „An ein paar Tagen im Jahr darf es hier stinken.“ Liebich weist zudem darauf hin, dass letztlich das Gewerbeaufsichtsamt den Betrieb des Forschungszentrums genehmigen muss und auf Grundlage der von Boehringer genannten „maximal geplanten Tierzahl“ entscheidet.
Die Bürgerinitiative kritisierte, dass nicht die Stadt Hannover unabhängige Sachverständige veranlasste, sondern der Konzern Geruchsgutachten wie auch eine Studie zur Sicherheit der Anlage in Auftrag gab und bezahlte. „Beides hätte nur die Stadt machen dürfen“, sagte Neudahm. Sinn sei gewesen, Öffentlichkeit und Politiker zu beruhigen. Boehringer habe der Bürgerinitiative zudem Daten nicht zugänglich gemacht, die der TÜV bekommen habe. Im Genehmigungsverfahren hat die Region Hannover bis Anfang Januar 2010 Zeit, den Flächennutzungsplan der Stadt zu genehmigen. Mit Argumenten auch des TÜV-Gutachtens wurden viele Bedenken von Kirchröder Bürgern zurückgewiesen.
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Kommentare
Die falschen Gutachten der Fa. Boehringer Michael Obentraut – 16.11.09
Der TÜV Nord kann nur Gutachten liefern auf der Basis,die man ihm vorgibt. Wenn die Ausgangsdaten nicht
stimmen kann das Ergebnis nicht stimmen und das
Gutachten ist dann wertlos.
Die Ausgangsdaten wurden von der Fa. Boehringer
geliefert und können nicht nachgeprüft werden. Da die
Fa. Boehringer Auftraggeber ist und Daten nicht herausgibt
darf auch der TÜV diese nicht herausgeben.
Nach den Regeln des Verfahrens ist es alleinige Aufgabe
der Stadtverwaltung Hannover unabhängige Gutachten zur
Belästigung und gesundheitlichen Gefährdung der Anwohner
durch das geplante Tierseuchenzentrum einzuholen.
Das hat sie bisher nicht getan
Maßgabe für ein Gutachten ist die maximal zulässige Tierzahl
nach dem Bebauungsplan Nr. 1708 und die vorgegebenen
Art der Versuchstiere- hier Jungschweine ( Ferkel ) á 25 kg-
sowie die Umrechnungstabellen der Technischen Anleitung zur
Reinhaltung der Luft. Nach dieser ist die Tiermasse von 200
Großvieheinheiten aus dem Bebauungsplan für den zu
erwartenden Gestank umzurechnen.
Danach sind gem. Bebauungsplan über 6 000 Schweine zulässig
- unabhängig davon, womit die Fa. Boehringer zur Zeit die
Tierseuchenställe belegen will- das kann sie später wieder ändern,
wenn sie erst einmal die Zulassung hat. Die Fa. Boehringer hat
sich daher auch geweigert, die zulässige Anzahl der Versuchstiere
zu begrenzen, wie das im Bezirksrat gefordert wurde.
Sie hat statt dessen durch eigene ( Partei-) Gutachten
versucht, die Stadt zu beeinflussen und ist von 4.000
Schweinen auf 1.100 und nun -für ihr eigenes Gutachten-
auf 500 Schweine heruntergegangen und hat somit dem TÜV
falsche Vorgaben gemacht.
Selbst damit werden die zulässigen Immissionen überschritten,
wie das unabhängige Gutachten vom 21.09.09 des öffentlich
bestellten und vereidigten Sachverständigen Dr. Krause beweist.
Das alles betrifft aber nur den Gestank und somit nur die unzumutbare
Belästigung der Anwohner. Bei der mangelhaften biologischen
Sicherheit der geplanten Anlage wird es richtig gefährlich
-für ganz Hannover- und nicht nur für die Anwohner in Kirchrode.