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Aus der Stadt "Der Stadt wurde das Gesicht weggeschnitten"
Hannover Aus der Stadt "Der Stadt wurde das Gesicht weggeschnitten"
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16:58 04.12.2017
Die zerstörten Continental-Werke im Jahr 1945. Quelle: Repro: Heidorn
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Hannover

Es blieb dunkel an jenem Tag, auch als die Sonne längst aufgegangen war: „Der Rauch hing so dicht über der Stadt, dass es auch mittags nicht richtig hell wurde“, erinnerte sich Jürgen Wichmann noch Jahre nach der Schreckensnacht. Als zehnjähriger Junge hatte er miterlebt, wie das alte Hannover in der Nacht zum 9. Oktober 1943 praktisch ausradiert wurde. 

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Ein digitales Dossier zu Bombenräumungen in Hannover.

Jürgen Wichmann sah damals, wie am Thielenplatz herabstürzende Giebel zwischen auf die Straße stürzten. „Vorm Henriettenstift waren fliehende Menschen in abgerissene Stromleitungen der Straßenbahn gerannt – ein schrecklicher Anblick“, berichtete er Jahrzehnte nach der Zerstörung Hannovers.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann in Hannover die Zeit des Wiederaufbaus der weitgehend zerstörten Stadt. Der HAZ-Fotograf Wilhelm Hauschild (1902-1983) hat die Zeit festgehalten. HAZ.de zeigt die beeindruckendsten Bilder aus dem umfangreichen Archiv des Fotografen.

In dem Inferno vom 9. Oktober 1943 starben 1245 Menschen. Allein in dieser Nacht warfen 430 Flugzeuge rund 3000 Spreng- und 230 000 Stabbrandbomben über der Stadt ab. Dieser Luftangriff war der schwerste, der Hannover im Zweiten Weltkrieg traf. Während des gesamten Luftkrieges fanden in Hannover bei etwa 125 Luftangriffen 6782 Menschen den Tod, darunter mehr als 1000 ausländische Zivilisten oder Kriegsgefangene.

Wie viele Bomben genau über Hannover niedergingen und wie viele davon noch als Blindgänger im Erdboden liegen, weiß niemand. Teils trafen die Bomben ihre Ziele fast zufällig: „Offenbar wurden die Alliierten erst im Laufe der Zeit treffsicher“, urteilte der Historiker Klaus Mlynek. In Hannover bombardierten die Amerikaner tagsüber Industrieanlagen wie die Conti – ganze Straßenzüge um das Betriebsgelände wurden schwer verwüstet. Die Briten flogen nachts Angriffe auf die gesamte Stadt. Bei ihren Flächenbombardements ging es den Alliierten nicht nur um die Zerstörung von Rüstungsanlagen, sondern auch um die Demoralisierung der Zivilbevölkerung; daher konnte jedes Viertel getroffen werden.

Hannovers verlorene Orte: Viele Bauwerke in Hannover haben die Zeit nicht überdauert. Einige wurden während des Krieges zerstört, andere existieren aus anderen Gründen nicht mehr – und sind für immer verloren.

Wichtige Rüstungsbetriebe wie die Akkumulatorenfabrik in Stöcken blieben fast unzerstört. Dafür wurden von 147 000 Wohnungen in Hannover fast 74 000 zerstört. „Keinem Ort dieser Bedeutung“, urteilte der Historiker Jörg Friedrich, „hat der Krieg solchermaßen das Gesicht weggeschnitten.“

Stadt will nach Bomben suchen

Bombenfunde sollen nicht allein dem Zufall überlassen bleiben – daher will die Stadt Hannover künftig systematisch nach Blindgängern forschen. Die CDU fordert die Landesregierung auf, Hannover damit nicht alleinzulassen. „Auch das Land ist in der Pflicht, sich an der Sondierung zu beteiligen“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Toepffer. Das sei schon deshalb nötig, um Bundesmittel beantragen zu können.

Tatsächlich stellt der Bund in den kommenden Jahren 60 Millionen Euro zur Verfügung – aber nicht für die Suche nach Blindgängern, sondern für deren Beseitigung. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Landtags-CDU hervor.

Hannover will für die Blindgänger-Suche knapp 7 Millionen Euro bereitstellen. Jährlich bis zu vier Entschärfungen sind geplant. Wird eine Bombe auf einem privaten Grundstück entdeckt, muss der Eigentümer nur dann die Kosten für die Beseitigung tragen, wenn er mehr als eine halbe Million Euro auf dem Konto hat (die Immobilie wird herausgerechnet). asl

Alle Informationen zur Bombenräumung am 7. Mai 2017 in Hannover

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