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Aus der Stadt Keine Zwei-Klassen-Unterbringung
Hannover Aus der Stadt Keine Zwei-Klassen-Unterbringung
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00:15 14.02.2014
Von Andreas Schinkel
Die Paul-Dohrmann-Schule im Burgweg soll zur Notunterkunft für bis zu 150 Obdachlose werden. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Einerseits sehen die Parteien ein, dass sich die Stadt vorbereiten muss auf mögliche Zuwanderer aus Südosteuropa, die in Hannover keine Bleibe finden. Andererseits befürchten die Ratspolitiker, dass am Burgweg eine Massenunterkunft für wohnungslose Roma-Familien entstehen könnte. Denn ein paar Schritte von der Förderschule entfernt stehen bereits Wohncontainer, in denen Zuwanderer einquartiert sind. „Die Bedingungen für Obdachlose dürfen nicht schlechter sein als die für Flüchtlinge“, sagt Grünen-Sozialpolitikerin Kathrin Langensiepen. Eine „Zwei-Klassen-Unterbringung“ müsse vermieden werden.

Die Forderung der Grünen hat weitreichende Konsequenzen. Denn für die Unterbringung von Flüchtlingen, die aus Ländern außerhalb der EU kommen und in Deutschland Asyl beantragen, hat der Rat kürzlich neue Standards beschlossen. So dürfen nur bis zu 50 Flüchtlinge unter einem Dach leben. „Massenunterkünften“ erteile man damit eine Absage, hieß es zur Begründung. Für zugewanderte Roma-Familien, die in Hannover keine Bleibe finden, gilt die neue Vorschrift nicht. Denn sie sind keine Flüchtlinge, sondern EU-Bürger, die volle Freizügigkeit genießen. Insofern verstößt die Stadt auch nicht gegen ihre eigenen Standards, wenn sie die ehemalige Paul-Dohrmann-Schule im Burgweg komplett belegt. Würde man aber für obdachlose Südosteuropäer denselben Maßstab bei der Unterbringung anlegen wie für Flüchtlinge, wären die Kapazitäten in der ehemaligen Förderschule auf 50 Plätze begrenzt.

Das gesamte Konzept der Obdachlosenunterkunft sei „mit der heißen Nadel gestrickt“, sagt CDU-Fraktionschef Jens Seidel. Letztlich befänden sich Förderschule und Wohncontainer am Burgweg in einer Randlage. „Wir brauchen einen  integrativen Standort“, sagt Seidel.

Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) müsse in einen Dialog mit den Bürgern treten, um über die Frage der Unterbringung zu diskutieren. „Der Stadtteil Burg ist gebeutelt“, sagt auch FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Als Notunterkunft sei ein Klassenzimmer aber immer noch besser als eine Turnhalle. Damit spielt Engelke auf die Sporthalle in der Wörthstraße an, in der 27 Mitglieder von Roma-Familien untergebracht waren. Nach Informationen der HAZ steht die Halle jetzt leer, denn ein Teil der Südosteuropäer fand mithilfe der Stadt neue Wohnungen. Ein anderer Teil der Roma ist in die Containersiedlung an der Alten Peiner Heerstraße gezogen.

Die Unterbringung in der Turnhalle hatte im vergangenen Jahr Aufsehen erregt. Ärzte der Caritas schlugen Alarm, weil sie das Domizil in schlechter Erinnerung hatten. 2012 quartierte die Stadt schon einmal obdachlose Zuwanderer in der Sporthalle ein. Nach einiger Zeit waren die hygienischen Zustände katastrophal, Hepatitis brach aus, sodass die Gesundheitsbehörde die Halle schloss.

„Eine Turnhalle ist kein Baustein für eine konzeptuelle Unterbringung“, sagt Caritas-Chef Andreas Schubert. Er hofft, dass die Stadt die Roma in ihren neuen Wohnungen nicht allein lässt. „Das neue Umfeld erfordert Begleitung“, sagt Schubert.

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