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Aus der Stadt Zu wenige Krippenplätze: Zwillinge sollen getrennt werden
Hannover Aus der Stadt Zu wenige Krippenplätze: Zwillinge sollen getrennt werden
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00:37 26.03.2018
Der Familienfrieden von Henrik Delgehausen und Amelie Kühn (Bild hinten) mit den Zwillingen Theo und Frieda und dem älteren Bruder Oskar (Bild vorne, von links nach rechts) ist wegen der Krippenplatznot zurzeit massiv gestört. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

 Jedes Kind in Niedersachsen zwischen einem und drei Jahren hat Rechtsanspruch auf Betreuung – zumindest theoretisch. Doch in der Praxis ist der Kampf um die Plätze für die Eltern oft frustrierend. So muss eine hannoversche Familie mit einjährigen Zwillingen seit einem Monat ohne Betreuung auskommen. Ein Verwaltungsrechtler ist der Meinung: Hier verletzt die Stadt ihre Pflicht. 

Henrik Delgehausen und Amelie Kühn leben in Döhren, beide sind berufstätig. Die Krippenplätze für ihre Kinder in einer Großtagespflege haben sie verloren, weil diese plötzlich schließen musste. Der Versuch der Stadt, kurzfristig eine neue Betreuung zu vermitteln, gipfelt bislang in einem Angebot von zwei Plätzen für die Zwillinge. Das Problem: Sie sind in zwei verschiedenen Tagespflegestellen. Die Zwillinge waren bislang nie getrennt. 

Die Familie zählt damit zu den Leidtragenden einer Entwicklung, die vielen hannoverschen Eltern Sorgen bereitet. Laut Kindertagesstättenbericht 2017 wurden 54,5 Prozent der Kinder in einer Krippe betreut. Gleichzeitig gab es ein Bevölkerungshoch in dieser Altersklasse – sodass Plätzt rar sind.

Im Fall der Zwillinge ist die Stadt überzeugt, damit den Rechtsanspruch zu erfüllen. Der hannoversche Verwaltungsrechtler Eckhard David sieht das anders. Laut einem Urteil des Oberlandesgerichts Braunschweig dürften Kommunen „ein paar Tage“ für die Beschaffung einer Betreuung benötigen, nicht aber Wochen oder Monate.

David hält es zudem für nicht zumutbar, Zwillinge in zwei Einrichtungen unterzubringen. Das sei nicht nur mit doppeltem Aufwand verbunden. Die tägliche Übergabe von Zwillingen in verschiedene Fremdbetreuungen könne sich äußerst schwierig gestalten. Der Rechtsanspruch für Krippenkinder stehe aber unter dem Oberbegriff des Kindeswohls und diene dazu, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicherzustellen. Im Fall der hannoverschen Familie kommt erschwerend hinzu, dass der Vater morgens auch den älteren Sohn in eine Döhrener Kita bringt. Er müsste drei Einrichtungen ansteuern, bevor er zur Arbeit geht.

Stadtsprecherin Konstanze Kalmus betont, dass „gemeinsam nach einer familiengerechten Lösung“ gesucht werde. Es sei „leider nicht immer möglich, allen Wünschen, die Eltern an einen Betreuungsplatz stellen, nachzukommen“. Der Rechtsanspruch bedeute auch „keinen rechtlichen Anspruch auf einen Platz in einer Wunsch-Kita“. 

Die Eltern halten dagegen, dass die Angebote der Stadt für sie unrealistisch sind. So wurden sie mit Adressen von Tagesmüttern versorgt, die keine Kinder mehr betreuten oder erst ab August Platz haben. Obwohl Amelie Kühn in Früh- und Nachtschichten arbeitet, wurden ihr Betreuungsplätze auf dem Weg zur Arbeit angeboten. „Da hätte ich Öffnungszeiten ab 5.45 Uhr gebraucht“, sagt sie sarkastisch. Eine von der Stadt angebotene Kinderfrau, die die Zwillinge zu Hause betreut, würde die Eltern 350 Euro mehr kosten. Das sei finanziell nicht tragbar. Die Eltern haben auf der Suche nach einem Krippenplatz nach eigenen Angaben mittlerweile 25 Einrichtungen kontaktiert. Bislang ohne Erfolg. 

Von Jutta Rinas

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