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Interview

aha will ab 2013 Mülltonnen im Umland einführen

Von Mathias Klein

Der Zweckverband Abfallwirtschaft (aha) hält die Mülltonne für das bessere System und will sie zunächst auf freiwilliger Basis im Umland von Hannover einführen. aha-Geschäftsführerin Kornelia Hülter spricht sich im HAZ-Interview klar für Tonnen im Umland aus – und stellt sich auf Diskussionen mit Regionspolitikern ein.
„Das Heben und Werfen der Säcke ist für die Mitarbeiter gesundheitsgefährdend“, sagt Verbandsgeschäftsführerin Kornelia Hülter.

„Das Heben und Werfen der Säcke ist für die Mitarbeiter gesundheitsgefährdend“, sagt Verbandsgeschäftsführerin Kornelia Hülter.

© Rainer Surrey

Es ist ein überraschender Vorstoß des Zweckverbandes Abfallwirtschaft (aha): Auch die Bürger im Umland sollen ihren Müll künftig in Tonnen entsorgen dürfen. Wie Verbandsgeschäftsführerin Kornelia Hülter im Gespräch mit der HAZ ankündigt, sollen Restmüll- und Biotonnen zunächst auf freiwilliger Basis angeboten werden. Hülter begründete diese Entscheidung mit der hohen gesundheitlichen Belastung der Müllwerker, die die bis zu zehn Kilo schweren Säcke anheben und auf die Müllwagen werfen müssen. Bisher hatte sich aha aus der Diskussion um Mülltonnen und Säcke weitgehend herausgehalten.

Die Verbandschefin rechnet mit langen Diskussionen der Regionspolitiker über ihren Vorschlag. Sie wolle die Bürger dennoch bitten, die Tonne auszuprobieren. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Tonne das bessere System ist“, sagte sie. Hülter widersprach zudem Äußerungen aus der Politik, nach denen Tonnen im Umland pauschal abgelehnt würden.Durch die Papiertonne hätten viele Bürger Vorteile des Systems bereits kennengelernt. Sie betonte zudem, dass niemand gezwungen werde, seinen Rest- oder Biomüll in Tonnen zu entsorgen. „Jeder, der will, kann die Säcke behalten.“

Der hohe logistische Aufwand schreckt die Zweckverbandschefin nicht ab. Das Angebot der freiwilligen Tonnennutzung stellt jedoch große Herausfordungen an das Unternehmen: Die Strecken der beiden Abfuhren müssten stets neu geplant werden, wenn sich nach und nach mehr Bürger für die Tonne entschieden.

Zeitgleich mit dem freiwilligen Angebot soll es eine Änderung der Gebührensatzung geben, um die beiden unterschiedlichen Beitragssysteme für die Tonnen- und die Sackabfuhr vergleichbar zu machen.

In der vergangenen Woche hatte sich bereits der Personalrat von aha für die komplette Umstellung der Müllabfuhr von Säcken auf Tonnen eingesetzt. „Für die Mitarbeiter ist es eine starke gesundheitliche Belastung“, sagte Personalratschef Michael Ludwig. Viele Müllwerker litten bereits unter Rücken- und Skeletterkrankungen.

Den Vorstoß des Personalrats hatten die Müllexperten von SPD und CDU bereits zurückgewiesen. Wilhelm Behne (SPD) hatte an die Adresse der Müllwerker gesagt, es sei alles eine „Frage der Handhabung“. Er beobachte oft Mitarbeiter, die zwei oder drei Säcke auf einmal nähmen, um früher mit ihrer Tour fertig zu sein.

Erst vor zwei Monaten hatten Regionspolitiker den Vorstoß von aha heftig kritisiert. Der Abfallwirtschaftsbetrieb und die Regionsverwaltung hatten angekündigt, in Laatzen die Mülltonne einzuführen – testweise und freiwillig. Der Laatzener Bürgermeister Thomas Prinz hatte um diesen Modellversuch gebeten. Er hatte sich seit Langem, wie auch viele seiner Bürger, an herumliegenden Abfall aus aufgerissenen Tüten gestört. CDU-Fraktionschef Eberhard Wicke sagte dazu, die Tonne werde den Leuten „auf kaltem Weg übergestülpt“.

Die Restmüllsäcke hat der damalige Landkreis Hannover bei der Gebietsreform 1974 flächendeckend eingeführt. Bei der Gründung des Abfallwirtschaftsbetriebes aha im Jahr 2003 beharrten die ehemaligen Kreispolitiker auf den Säcken.

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