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AfD feiert zweistellige Prozentzahlen

Kommunalwahl AfD feiert zweistellige Prozentzahlen

Es war ein kurioses Wochenende für die AfD in der Region Hannover. Zuerst fand man kein Wahllokal für eine Party, dann kam die Prominenz in Gestalt von Frauke Petry und wurde empfindlich gestört. Am Ende fühlte sich die AfD als Sieger.

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Die AfD feiert das Ergebnis der Kommunalwahlen in der Region Hannover. 

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Früh am Sonntag abend kam die Polizei. Hannovers AfD-Chef Jörn König hatte gebeten, dass Beamte im Laufe des Wahlabends ein Auge auf das Lokal in Anderten haben sollten. Landesvorsitzender Paul Hampel erklärte drei freundlichen Uniformierten, es könne ja immer passieren, dass irgendjemand den Ort der Party "durchsteche". Zu den Linken, Autonomen, Krawallmachern oder sonstwem, der der Alternative für Deutschland an die Wäsche will.

Es kam dann niemand. Statt dessen warteten etwa 20 Sympathisanten, bürgerliche Männer zwischen 40 und 60 in deutlicher Überzahl,  bei deutscher Küche auf die ersten Ergebnisse. Schnitzel, Currypommes. Geduldig und unaufgeregt, und wenn nicht alle Ruhe gespielt war, bedeutete das wohl, dass sich König und Hampel eines Erfolges recht sicher waren. Der deutete sich früh an, man trat ja zum ersten Mal bei einer Kommunalwahl an, konnte nichts verlieren und alles, was man zuvor hörte, war erfreulich im Sinne der Partei. Anwesend war übrigens auch der Deutschrusse Viktor Kasper. Er fiel auf einem Gründungsparteitag der AfD bundesweit dadurch auf, dass er eine riesige Deutschlandfahne schwenkte. Damals fanden das noch nicht alle in der AfD interessant.

Die Ergebnisse stabilisierten sich, je mehr Wahllokale ausgezählt waren. Man hörte von zehn, elf Prozent in der Region, aber von zur Schau gestelltem Jubel, wie man ihn von Fernsehbildern kennt, keine Spur. Irgendwann sagte Hampel, mit allem über zehn Prozent sei er zufrieden. Da hatte der frühere Journalist sich in lässiger Pose und professionellem Lächeln bereits vor Fotografen gestellt. Um halb neun waren fast alle Tische leer im Restaurant, auf der Terasse saßen noch ein Dutzend Leute, Hampel gab einem russischen Fernsehsender ein  Interview auf Englisch. Noch immer konnten die wenigen versammelten Anhänger auf ihren Handys von Ergebnissen über zehn Prozent in der Region Hannover lesen. Trotzdem: Keine Musik, keine Nationalhymne, nur ein paar Gespräche am Tisch. Eine Party jedenfalls war es nicht. Dann wird es doch lauter an einem Funktionärstisch, 18 Prozent in Ronnenberg! Ooohh! Irgendwo sollen Wahlzettel eingesteckt worden sein, meldet ein Wahlbeobachter der AfD.  Hampels weibliche Begleitung sagt: "DDR 2.0."

Dass nicht mehr Mitglieder nach Anderten gekommen waren, lag auch an der Inszenierung der Partei, so genannte Wahlbeobachter auszusenden. Sie sollten beim Auszählen der Stimmen aufpassen, man kann auch sagen: den Helfern auf die Finger schauen. 160 Leute waren da nach AfD-Angaben unterwegs. In welchen Wahlräumen dies passierte, wollte König nicht preisgeben, um die Parteifreunde zu schützen, wie er sagte. Auch die Stadt erfuhr nichts. Die Wahlbeobachter wollten sich beim Beobachten nicht beobachten lassen. Fakt ist: Jörn König konnte im Freizeitheim Vahrenwald ungestört seine neun Stimmen abgeben. Klar, dass er alle der AfD gab, so machen es ja auch die Etablierten. Später ging eine Frau im verhüllenden Niqab am Freizeitheim vorbei, nur ein Schlitz ließ die Augen frei. König war da gerade weg. Es sind sehr unterschiedliche Welten und Völker in diesem Vahrenwald. 

Der Wahlsonntag der AfD begann eigentlich bereits am Freitag. Vorsitzender König war auf der Suche nach einem Lokal, zwei Zusagen hatte er, dann kamen zwei Absagen. Eine Vereinskneipe und ein griechisches Restaurant wollten plötzlich doch nicht mehr. Ausgerechnet beim Griechen Tische zu bestellen, das war allerdings eine putzige Idee. Ohne Griechenland und das ganze umstrittene EU-Rettungspaket für bankrotte Länder hatte es die AfD womöglich nie zu ihrer gegenwärtigen Bedeutung gebracht. Aber der Euro interessiert heute weniger, es geht mehr um Flüchtlinge und eine Proteststimmung, die die Partei für manche Wähler interessant macht. Mitunter sehr rechte Töne halfen dabei. Jetzt also warf ein Grieche die deutsch-hannoversche AfD raus. Für Leute mt Verständnis für Ironie hatte das was.

Aber natürlich, die AfD fühlte sich mit gutem Grund als Sieger. Im neuen Stadtrat von Hannover wird deshalb in ein paar Wochen auch Jörn König sitzen. Das Ergebnis für seine Partei führte er auch auf die bundespolitische Stimmung zurück, aber auch darauf, dass etablierte Parteien die Interessen der Leute aus dem Blick verloren hätten. Dass die Parteiprominente Frauke Petry am Sonnabend bei einer AfD-Kundgebung kurzzeitig niedergepfiffen wurde war mit Blick auf die Ergebnisse kein Thema mehr. König sagte, diese Veranstaltung sei ein "relativer Erfolg" gewesen.

Von Gunnar Menkens

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