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Aus der Stadt Üstra: Bis 2023 nur noch Elektro-Busse in der Innenstadt
Hannover Aus der Stadt Üstra: Bis 2023 nur noch Elektro-Busse in der Innenstadt
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16:10 05.07.2018
Sie haben das „Roll out“ vorbereitet: Üstra-Vorstandschef Volkhard Klöppner, Projektleiter Frank Ahrndt und Ulf-Birger Franz, Wirtschaftsdezernent und Üstra-Aufsichtsratschef. Quelle: Meding
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Hannover

Jetzt wird es konkret: Die Üstra hat ihre Planung für die Umstellung ihres gesamten Innenstadt-Busverkehrs auf Elektroantrieb fertiggestellt. Bis 2023 soll kein Linienbus mehr mit Dieselmotor innerhalb der Umweltzone fahren. Weil auch Regiobus mitziehen will, könnte Hannover die erste bundesdeutsche Großstadt werden, in der der öffentliche Nahverkehr ausschließlich mit Strom fährt. „Wir haben intensiv gerechnet – ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir das schaffen“, sagt Üstra Vorstandschef Volkhard Klöppner. Fast 60 Millionen Euro kostet das Projekt. Wegen der guten Fördersituation geht die Üstra davon aus, dass sie das Projekt nur 30 Millionen Euro kostet – und weil sie ohnehin Busse bestellen müsste, reduziere sich der Mehrbetrag auf knapp 200 000 Euro. Dafür spare man umgerechnete Schadstoffwerte von 2500 Pkw ein, das Projekt sei langfristig wirtschaftlich und bürgerfreundlich, sagt der Aufsichtsratschef, Regionswirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz: „Wer jemals an einer Bushaltestelle gewohnt hat, der weiß, wie sehr Dieselantriebe stinken.“

Üstra-Strategie seit 2012

Das Unternehmen hatte schon 2012 einen Grundsatzbeschluss gefällt, nur noch Hybrid- oder Elektrobusse anzuschaffen – bundesweit war sie damals Vorreiter. „Dass die Üstra so früh begonnen hat, verschafft ihr jetzt einen Wettbewerbsvorteil bei der Umsetzung des ambitionierten Projekts“, sagt Franz. Seit 2016 rollen drei reine Strombusse des Herstellers Solaris im Dauerbetrieb auf der Ringlinie 100/200 . Die Üstra hat die Technik für Busse und Ladestationen gemeinsam mit den Herstellern entwickelt und dabei Erfahrungen gesammelt. „Deshalb wissen wir jetzt, wie es funktioniert – und können durchstarten“, sagt Üstra-Chef Klöppner.

Geplant ist, zwei Schnelladestationen auf den Betriebshöfen Vahrenwald und Mittelfeld zu errichten und zusätzlich sieben weitere an Endhaltestellen, etwa am Aegi, an der Haltenhoffstraße, am Altenbekener Damm oder in Ahlem. Dort werden die Busse in etwa sieben Minuten mit 450 Kilowatt Leistung so schnell aufgeladen, dass sie mindestens eine Strecke fahren können. „An der bestehenden Station am August-Holweg-Platz funktioniert das bereits so gut, dass die Busse die normale Ringlinienstrecke von 16 Kilometern zweimal fahren könnten“, sagt Projektleiter Frank Ahrndt. Der E-Busverkehr laufe nach den ersten Erprobungsmonaten inzwischen „100-prozentig“, es gebe keine Beeinträchtigung. Die längste Einzelstrecke fährt der 134er zwischen Peiner Straße (Döhren) und Nordring (Vahrenheide), es sind 34 Kilometer.

Enger Zeitplan für Hannover

Der Zeitplan der Üstra sieht vor, dass bis 2021 die Ladeinfrastruktur weitgehend steht und auf den Linien 100/200, 120, 121 und 128/134 bereits elektrisch gefahren wird. Weil aber zusätzlich zu den drei vorhandenen E-Bussen 48 weitere bestellt werden müssen und die Nachfrage groß ist, wird es bis 2023 dauern, bis alle Strecken komplett umgestellt sind. Mit der Regiobus gibt es eine Kooperation, sie will ebenfalls in der Innenstadt vollelektrisch fahren und das gleiche System nutzen wie die Üstra. Bei der Üstra hat der Aufsichtsrat schon zugestimmt, jetzt werden Drucksachen für die politischen Gremien vorbereitet.

Allerdings sind noch viele Abstimmungen nötig. Der Ökostrom für alle Ladestationen kommt von den Fahrdrähten der Stadtbahnen, dafür müssen überall Trafohäuschen gebaut werden. „An fast allen Stationen funktioniert das unterirdisch“, sagt Üstra-Projektleiter Frank Ahrndt. Die Stadt muss aber den Bauprojekten zustimmen. Zudem werden Förderanträge gestellt – beim Bund über den milliardenschweren Dieselfonds zum Bus-Kauf, beim Land zum Bau der Ladestationen. Es gebe Unwägbarkeiten, ob das Fördergeld wirklich so fließen werde wie erhofft, sagt Aufsichtsrat Franz: „Viele Städte stellen derzeit Anträge – entweder stockt der Bund das Budget auf oder die Förderhöhe sinkt.“ Bei der Beschaffung von Bussen allerdings ist Üstra-Chef Klöppner zuversichtlich. „Wir kennen das von den Hybrid-Bussen: Sobald die Nachfrage steigt, drängen mehr Anbieter in den Markt und die Preise sinken tendenziell.“

51 Busse, neun Stationen

Insgesamt benötigt die Üstra 51 Strombusse für das Projekt, drei hat sie bereits. Derzeit kosten die Solaris-Busse mit Ladetechnik von Firma Schunk 600 000 Euro pro Stück – die Preise sollen aber sinken.

Die Beschaffung der Busse ist das eine – zusätzlich muss aber eine Ladeinfrastruktur geschaffen werden, mit denen die Strombusse an den Endhaltepunkten in Hochgeschwindigkeit aufgeladen werden können. Geplant ist, zwei Grundladestationen auf den Betriebshöfen Vahrenwald und Mittelfeld zu errichten, die auch nachts dafür sorgen, dass die Spannung in den Busakkus nicht sinkt. Zusätzlich soll es sieben Schnellladestationen an Straßen geben. Dort werden die Busse in etwa sieben Minuten mit 450 Kilowatt Leistung so schnell aufgeladen, dass sie mindestens eine Strecke fahren können

Von Conrad von Meding

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