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Aus der Stadt So hat ein Wettbüro am Steintor die Stadt ausgetrickst
Hannover Aus der Stadt So hat ein Wettbüro am Steintor die Stadt ausgetrickst
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20:55 16.01.2019
Es scheint, als sei das ganze Haus an der Kurt-Schumacher-Straße ein Sportwetten-Standort. In Wahrheit befindet sich das Wettbüro oben, und unten ist nur eine kleine Annahmestelle – das ist legal. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Immer öfter erlässt die Stadt Baurechtsperren gegen die Ansiedlung von Wettbüros, um Handel und Nachbarschaft zu schützen. Am Steintor hat der Anbieter Tipico es jetzt geschafft, die Stadt mit legalen Methoden auszutricksen. Im Bauausschuss des Rates entspann sich eine Debatte darüber, wie so etwas künftig vermieden werden kann.

Das Verbot, meist erlassen als sogenannte Veränderungssperre, bezieht sich nur auf Erdgeschosse von Gebäuden. Würde die Stadt großflächig oder für alle Geschosse Verbote erteilen, könnte sie mit dem Recht auf Gewerbefreiheit kollidieren, sagte Sonderplaner Andreas Zunft im Ausschuss. Tipico hat jetzt einen Kniff angewandt: Das Wettbüro wurde im Obergeschoss des Gebäudes Ecke Kurt-Schumacher-Straße/Nordmannpassage eingerichtet – aber im Erdgeschoss eine Wettannahme eingerichtet, wie sie als Lotto-Toto-Kiosk sogar in Wohngebieten erlaubt wäre. „Dadurch aber, dass es der gleiche Betreiber ist, sieht alles so aus, als wenn dort eine Riesenspielhölle wäre“, sagt Zunft: „Das ist aber nicht so.“ Formal halte sich Tipico an die Auflagen der Stadt.

„Das verschandelt das ganze Gebäude“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke und regte an, zu prüfen, ob die großflächige Beklebung auf beiden Etagen nicht zumindest gegen die Werbesatzung der Stadt verstoße. „Das ist genau diese Veränderung, die wir dort nicht wollen“, sagt Grünen-Baupolitiker Daniel Gardemin. Auch SPD-Fraktionsvize bezeichnete die Ästethik als „nicht zufriedenstellend“.

Zunft kündigte an, dass es in Kürze eine Kontrolle der Anlagen geben solle. Und Stadtbaurat Uwe Bodemann berichtete, dass die Stadt genau beobachte, ob sich aus solch einer Kombination von Annahmestellen und Wettbüros ein neuer Trend entwickele – und dabei auch andere Städte nach Erfahrungen fragen wolle. Fakt sei aber, dass die Nutzung als Wettbüro im Obergeschoss „nicht so belastend für die Handelslage“ in der Nachbarschaft sei.

Mit dem Glücksspiel-Staatsvertrag, der seit 2012 Mindestabstände für Spielhallen festlegt, hat das alles übrigens nichts zu tun – Wettbüros sind davon nicht erfasst.

Von Conrad von Meding

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