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Zoo Hannover Das Ringen um die Zukunft des Zoos Hannover
Hannover Aus der Stadt Zoo Hannover Das Ringen um die Zukunft des Zoos Hannover
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21:26 09.02.2011
Zoo-Chef Klaus-Michael Machens. Quelle: Michael Thomas

Am Dienstag nun schuf Jagau auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung Fakten: Fürs Erste soll Machens einen zweiten Geschäftsführer an die Seite bekommen. Die Frage, was das zu bedeuten hat, blieb dabei aber unbeantwortet.

Ausgeguckt für den Job hat Jagau den kaufmännischen Abteilungsleiter des Zoos, Frank Werner. Darüber aber, wie lange Werner als Geschäftsführer fungieren soll und was genau seine Aufgaben sein könnten, herrscht weiter Rätselraten. Jagau äußert sich dazu nicht, die Politiker tappen noch im Dunkeln.

Daran aber, so scheint es, sind sie selbst mit schuld: Glaubt man Teilnehmern der Sitzung, hatten die Mitglieder des Aufsichtsrats am Dienstag zu beiden Punkten kaum Fragen. Das wiederum wirft für viele Beobachter die Frage auf, wie ernst die Aufsichtsräte ihre Kontrollfunktion eigentlich nehmen. Genauso wenig nämlich wollte das Gremium offenbar wissen, welche Funktion genau der sogenannte Präsidialausschuss bekommen soll, den Jagau als weiteres Gremium einführen will. Der Ausschuss würde wohl aus Mitgliedern des Aufsichtsrates bestehen – was er tun soll, ist bisher unklar. Jagau selbst will seine Vorstellungen bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 21. Februar unterbreiten. Selbst wohlmeinende Beobachter gehen nicht davon aus, dass der Aufsichtsrat ihn mit besonders kritischen Fragen traktieren wird.

Frank Werner jedenfalls gilt im Zoo als Mann der Zahlen. Mitte der neunziger Jahre habe er in dem Unternehmen eine mitunter etwas konfuse Buchhaltung auf Vordermann gebracht und professionelle Strukturen eingeführt, heißt es. Im Zoo gilt Werner weder als besonderer Freund noch als expliziter Gegner von Machens. In einer Zeit, in der die Regionspolitik genaueren Einblick ins Zahlenwerk des Zoos fordert, scheint es naheliegend, dass die Wahl des Kogeschäftsführers auf Werner fiel. Zuletzt hatte die SPD-Fraktion die Anfrage gestellt, wo eigentlich die Millionen geblieben seien, die Machens aus der Wirtschaft für seine Polarlandschaft „Yukon Bay“ eintreiben wollte.

Neben der Interpretation, die Inthronisierung eines neuen Geschäftsführers sei gleichbedeutend mit der Entmachtung von Machens, gibt die Personalie Werner eine weitere Deutung her: Das große Getöse um die Ablösung des Zoochefs habe „so manches Thema hochgespült“, das viel zu lange liege geblieben sei, heißt es. So habe der Zoo neben Machens jahrelang niemanden gehabt, der zeichnungsberechtigt gewesen wäre – obwohl der Gesellschaftervertrag des Zoos ausdrücklich die Möglichkeit eines zweiten Geschäftsführers einräumt. So war auch nicht geregelt, wer Machens im Ernstfall hätte vertreten können.

Mit seiner Umtriebigkeit habe Machens den Aufsichtsrat so beeindruckt, dass dieser sich nie Gedanken über sinnvolle Strukturen gemacht habe, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Dass Machens an einem Kochef kein Interesse hatte, überrascht die, die ihn kennen, nicht. Gerade deshalb, sagen sie, wäre es die Aufgabe des Aufsichtsrates gewesen, die personelle Aufstellung des Zoos zu überdenken. Die Kontrolleure aber verließen sich auf Machens und Jagau und nickten deren Vorstellungen im Wesentlichen ab. Chefkontrolleur Jagau, heißt es nun aus seinem Umfeld, wolle jetzt Versäumtes nachholen.

Schon 2005 Streit um den Vertrag

Schon die Verhandlungen um den jetzt auslaufenden Vertrag von Klaus-Michael Machens waren nicht von Eintracht geprägt und unter Anteilnahme der interessierten Öffentlichkeit geführt worden. Ende 2005 hatte der Zoochef von sich aus gekündigt, weil er ein höheres Jahresgrundgehalt und Zulagen bei den Pensionsansprüchen erreichen wollte. Damals setzten sich unter anderem die Mitarbeiter für ihn ein, während der amtierende Regionspräsident Michael Arndt (SPD) sowie SPD, CDU und Grünen zwar grundsätzlich an ihm festhalten wollen, seine finanziellen Vorstellungen aber überzogen fanden.

Die Zuständigkeit für die Vertragsverlängerung indes lag zu dieser Zeit allein in den Händen des Aufsichtsrats mit der SPD-Politikerin Gabriele Wichert als Vorsitzender. Das Gremium handelte mit Machens einen Kompromiss aus, der ihm ein Jahresgehalt von 140.000 Euro sicherte. Damit liegt er unter den Geschäftsführern der Tochtergesellschaften der Region im Mittelfeld.

Im Stillen schäumte die Politik über die Art, wie der Aufsichtsrat die Angelegenheit eingestielt hatte. Das war einer der Gründe dafür, dass 2006 der Gesellschaftervertrag für den Zoo unter anderem dahingehend geändert wurde, dass nicht mehr der Aufsichtsrat das entscheidende Wort bei der Geschäftsführerwahl spricht. Das tut nun die Gesellschafterversammlung, in der die Spitzenpolitiker der Region indirekt das Sagen haben.

Felix Harbart und Bernd Haase

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