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Zoo Hannover Heftige Kritik an Jagaus Plänen für Zoo-Führung in Hannover
Hannover Aus der Stadt Zoo Hannover Heftige Kritik an Jagaus Plänen für Zoo-Führung in Hannover
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21:47 28.01.2011
Europaweite Attraktion: Die Polarlandschaft Yukon Bay zieht Besucher an und gilt als Erfolg von Zoo-Chef Klaus-Michael Machens. Quelle: Martin Steiner (Archiv)

Die Entscheidung von Regionspräsident Hauke Jagau (SPD), den Vertrag von Zoo-Chef Klaus-Michael Machens nicht verlängern zu wollen, hat am Freitag heftige Reaktionen ausgelöst. Fast durchgehend hagelte es Kritik. Etliche Prominente und Funktionsträger verwiesen auf die Erfolge des umtriebigen Zoo-Managers, der den Tierpark seit 16 Jahren leitet und europaweite Attraktionen wie den Dschungelpalast und zuletzt Yukon-Bay geschaffen hat. Jagau allerdings erneuerte im HAZ-Interview sein Argument, Machens sei zu alt, um die dringend notwendige Sanierung der bisher nicht erneuerten Zoo-Areale komplett durchzuführen. „Wir reden über Zeiträume von fünf bis zehn Jahren“, sagt Jagau: „Es ist einzig und allein eine Frage des Alters von Herrn Machens, die aus meiner Sicht einen Wechsel erfordert.“ Machens wird im November 65 Jahre alt.
Am Abend sollte eine gemeinsame Presseerklärung von Zoo und Region offenbar die Wogen glätten. Betont wurde die Einigkeit sowohl über die Erfolge als auch darüber, dass der Zoo nach den hohen Millioneninvestitionen der vergangenen Jahre nun eine Fortentwicklung benötige, bei der ohne große Finanzspritzen die bisher vernachlässigten Bereiche modernisiert werden sollten. Dafür solle Machens noch den Masterplan entwickeln. Wegen der Umsetzung dieses Plans aber sei in den Gesellschaftergremien „zeitnah über die Staffelübergabe zu entscheiden“, heißt es in dem Papier.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) spricht von einer „gravierenden Fehlentscheidung“. Machens habe den Zoo „von einem städtischen Amt zu einer Erlebniswelt und zu einem deutschlandweit bekannten Besuchermagneten gemacht“. Der Minister bittet Jagau, seine Entscheidung zu überdenken. Er schlägt vor, den Vertrag um zwei Jahre zu verlängern. Dann könnte Jagau gemeinsam mit Machens nach einem geeigneten Nachfolger suchen. Auch Landesumweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) zeigte sich am Freitag „absolut überrascht“ von der Entscheidung des Regionspräsidenten. „Das Konzept des Zoos ist hervorragend, davon habe ich mich wie Millionen von Besuchern überzeugen können“, sagt Sander: „Die Vorwürfe, die Herrn Machens im Bezug auf das Konzept gemacht werden, sind für mich unbegreiflich.“

Ähnlich äußerten sich auf HAZ-Anfrage Hannovers Marketingchef Hans-Christian Nolte, Dehoga-Hauptgeschäftsführer Rainer Balke, Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer und der Vorsitzende von Haus- und Grundeigentum, Rainer Beckmann. Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung Hannover, Volker Schmidt, bezeichnete die angekündigte Nichtverlängerung des Vertrags als „Supergau für das Image von Stadt und Region“. Jagau habe mit seiner Entscheidung einen kaum wieder gutzumachenden Schaden verursacht, meinte Schmidt: „Das ist eine Ohrfeige für all diejenigen, die sich für den Standort Hannover zerreißen.“ Der Zoo sei unter Machens’ Führung zu einem der wichtigsten Aushängeschilder der Region geworden und habe sogar dem Tierpark Hagenbeck den Rang abgelaufen. Die Innovationen und Rekorde gingen eindeutig „auf das überragende fachliche und ökonomische Geschick von Herrn Machens zurück“, sagte Schmidt.

Oberbürgermeister Stephan Weil wollte sich am Freitag nicht zu dem Vorgang äußern. „Das ist Angelegenheit der Region“ sagte er. Der Zoo sei eine tolle Einrichtung und er trage die Handschrift von Machens, meinte sein Sprecher Andreas Möser. Für den Oberbürgermeister wird sich Montagabend hinsichtlich dieses Themas noch eine besondere Situation ergeben: Wie das Rathaus bestätigt, ist Weil bereits seit Längerem als Laudator für den Branchenpreis „Gastropodium Award“ vorgesehen, den Machens für die Konzeption der Zoo-Gastronomie auf dem Gastronomiefest „Festival der Sinne“ vor rund 2000 Gästen im Kuppelsaal überreicht bekommen wird. Der Oberbürgermeister muss dabei das Kunststück vollbringen, lobende Worte auf Machens zu halten, ohne Parteifreund und Regionspräsident Jagau damit in den Rücken zu fallen.

Interviews mit Regionspräsident Hauke Jagau und Zoo-Chef Klaus-Michael Machens finden Sie am Sonnabend in der Zeitungsausgabe der HAZ - oder alternativ im E-Paper.

Mathias Klein, Felix Harbart Stefanie Kaune und Bernd Haase

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