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Essen & Trinken So schmeckt es in Kuhlmann’s Restaurant in der Wedemark
Hannover Essen & Trinken So schmeckt es in Kuhlmann’s Restaurant in der Wedemark
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00:16 22.01.2019
Detlef Thiemann Quelle: Heidrich
Hannover

Gibt ja diese unsäglichen Gäste: Blättern eine Ewigkeit in der Menükarte und können sich nicht entscheiden. Und wenn sie am Ende bestellt haben, beschleicht sie plötzlich das Gefühl, eine andere Speise wäre die bessere Wahl gewesen. Furchtbare Menschen. Wir gehören nämlich dazu. Manchmal zumindest. Eine wirklich schöne Idee ist deswegen das Dreierlei vom Husumer Rind (19 Euro), das es bei Kuhlmann’s Restaurant in Bissendorf in der Wedemark gibt. Das Gericht nimmt manch Unentschlossenem jeglichen Wind aus den Segeln: Tafelspitzsülze, Roastbeef und ein kleines Filetsteak auf Röstbrot gehören ebenso zu dem Hauptgang wie auch Gurkensalat, Grüne Soße und Röstkartoffeln, die sich nur in der Dicke und nicht in der Knusprigkeit von Chips unterscheiden. Bemerkenswert ist auch der Geschmack des guten Fleischs.

Klassisch-solide: Ein Besuch bei bei Kuhlmann’s Restaurant in der Wedemark.

Spätestens jetzt sind wir Fans des Lokals! Bei den Vorspeisen waren wir das noch nicht. Noch nicht voll und ganz jedenfalls. Eine Stunde zuvor löffeln wir eine klare Kalbsbrühe (6 Euro), die scheinbar ohne künstliche Helferlein bereitet wurde, ihr fehlt aber etwas Würze und Finesse. Beides darf ja durchaus eine klare Brühe haben, die mit Wasser angesetzt wird und nicht erst (nach Art der Kraftbrühe) ihre Substanz durch das Anrösten von Knochen und Gemüse bekommt. Die Maultascheneinlage ist Fertigware. Geschmacklich gut ist die feurige Kürbis-Chilicreme-Suppe (6,50 Euro). Allerdings ist die Flüssigkeit, die höchstwahrscheinlich aus Hokkaido-Kürbissen hergestellt wurde, ein wenig körnig und dicklich. Das Strecken mit Brühe und Aufmixen mit kalter Butter hätte dem Gericht eine schöne Samtigkeit verliehen.

Schmackhafter Vorspeisenteller

Hiernach geht der Pfeil aber stetig nach oben. Beim Vorspeisenteller (12,50 Euro) mit kleiner Tortilla, Vitello tonnato oder marinierten Süßkartoffeln etwa. Vom Service wäre zwar eine kurze Info nett gewesen, was sich für Spezereien auf dem Teller befinden (auch das Tässchen mit Kürbis-Chilicreme-Suppe war angesichts unserer Vorspeisen ein Tässchen Kürbis-Chilicreme-Suppe zu viel), aber ansonsten sind die Häppchen gut. Schade ist, dass im schummrigen Licht des altehrwürdigen Fachwerkbaus die Speisen weniger gut ausschauen, als sie könnten. Dumpf, matt. Aber schmecken tut es, das ist die Hauptsache. Die Vorspeise mundet ebenso gut wie die gebratenen, ölgetränkten Pfifferlinge, Champignons und Austernpilze (9 Euro) auf Röstbrot, deren Geschmack von Lauchzwiebeln und Blattsalat mit Vinaigrette aufgehellt wird.

Exquisit ist auch die Tagesempfehlung: Ein festfleischiger Kabeljau von guter Qualität (24,50 Euro) mit grober Senfsoße, knackigem Wirsing-Gemüse und Pellkartoffeln. Gut ist das Kalbschnitzel (19,50 Euro) mit dickerer Panade, der dazu gereichte Mischsalat ist frisch und wird in guter Marinade serviert. Vom „lustvollen Experimentieren“ und der einen oder anderen „kleinen Verrücktheit“, welche die Küche des Kuhlmann’s ausmachen soll (nachzulesen auf dem Internetauftritt des Betriebs), haben wir bisher allerdings kaum etwas bemerkt. Auf manchen Tellern verschmelzen vielleicht einige Einflüsse aus Europa, Asien und dem Orient. Entenbrust mit Wokgemüse, Zitronengrassoße und Kürbisgnocchi beispielsweise. Verrückt, gar experimentell ist das nicht.

Freitags geht es zu Kuhlmann’s

Der mit pikantem Spitzkohl gefüllte Strudel mit Kartoffel-Linsen-Stampf und Kokosnusssoße (im Menü 24,50 Euro) fällt vielleicht etwas aus dem Rahmen. Wobei wir nach zwei Kostproben im Kuhlmann’s festhalten müssen: Die „Interpretation klassischer Rezepte“ genügt uns hier voll und ganz. An den Nebentischen scheint die Sache ebenfalls klar. Es werden Gänsekeulen mit Rotkohl und Klößen kredenzt, wir entdecken Entrecôte mit Kräuterbutter oder Filetgeschnetzeltes in Dijon-Senfsoße. Als wir um acht das Lokal verlassen, sind übrigens alle Plätze besetzt. Es wird getratscht, gelacht, sich zugeprostet. Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung scheint in Bissendorf also niemand zu haben, wo an einem Freitagabend zum Essen hingegangen wird.

Fazit

Solide, klassische Küche in charmantem Fachwerkcharme: Gesamt 7/10 (Küche 7, Service 6, Ambiente 8)

Kontakt

Kuhlmann´s Restaurant, Am Kummerberg 6, 30900 Wedemark - OT Bissendorf

  • Telefon: 05130 58 58 10
  • E-Mail info@restaurant-kuhlmanns.de
  • Öffnungszeiten: Mi bis Sa ab 18:00 Uhr,
  • So von 12:00 bis 14:30 Uhr, ab 18:00 Uhr
  • Barrierefreiheit: nein

Karte: Essen gehen in Hannover

Von Hannes Finkbeiner

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