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Hannover Gedenkstunde für erfrorenen Obdachlosen
Hannover Gedenkstunde für erfrorenen Obdachlosen
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15:25 31.01.2019
Trauer und Mahnung: Auf dem Kröpcke wird an den verstorbenen Obdachlosen erinnert. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Gut eine Woche nach dem Tod eines 54-jährigen Obdachlosen versammelten sich Bekannte des Verstorbenen zum Gedenken am Kröpcke. Mit Plakaten und Blumen schmückten sie die Uhr auf dem belebten Platz. Mit der Aktion wollten sie Aufmerksamkeit auf die Situation der Obdachlosen in Hannover lenken.

„Es ist schade, dass so etwas erst passieren muss und nicht schon vorher gehandelt wird“, sagte Jennifer Heilmann, die die Gedenkaktion organisiert hat. Sie lebte selbst sechs Jahre auf der Straße und kannte den Verstorbenen. Die Nachricht von seinem Tod habe sie sehr erschüttert. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es mir in kalten Winternächten ging“, sagte die 29-Jährige. „Beim Einschlafen habe ich gedacht: hoffentlich lebe ich morgen noch.“

Jennifer Heilmann hat auch sechs Jahre auf der Straße gelebt. Quelle: Nancy Heusel

Die kleine Aktion sollte Passanten auf den Tod des 54-Jährigen aufmerksam machen und zum Helfen animieren. „Schaut nicht weg“, „112 anrufen und ihr rettet Leben“ oder „Muss das sein?“ stand auf den Plakaten, die Heilmann mitgebracht hatte. Viele Menschen würden einfach wegsehen und sich um die Gesundheit der Obdachlosen nicht kümmern, sagte Heilmann. „Manchmal reicht es einfach zu fragen, ob es einem gut geht.“

Etwa 20 Bekannte des Opfers waren gekommen, auch zwei Ehrenamtliche von der Obdachlosenhilfe. Sie kannten das Opfer. Sein Tod habe sie tief erschüttert. „Ich verstehe nicht, warum Kirchen oder öffentliche Gebäude ihre Türen erst öffnen, wenn etwas passiert ist“, sagte Rebecca Flügel. Die Marktkirche hatte knapp eine Woche nach dem Tod des Obdachlosen auf die Minustemperaturen reagiert und Schlafplätze angeboten. Mehr als 60 Obdachlose hatten das Angebot wahrgenommen.

Karina Makrygiannis und Rebecca Flügel engagieren sich bei der Obdachlosenhilfe. Quelle: Nancy Heusel

„Das Problem ist, dass in den Obdachlosenunterkünften keine Tiere mit hinein können“, sagte Flügel. Darum würden viele Wohnungslose auch bei eisigen Temperaturen draußen schlafen. „Da muss die Stadt endlich ein Angebot schaffen“, forderte die Ehrenamtliche. Insgesamt würden etwa 150 Menschen in Hannover jede Nacht auf der Straße schlafen. Es sei furchtbar, dass man heute einen von ihnen betrauern müsse.

Von Lisa Neugebauer

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