Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Schlechte Mathe-Leistungen wegen „Turbo-Abi“?

Schulstudie Schlechte Mathe-Leistungen wegen „Turbo-Abi“?

Die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit von neun auf acht Jahre wirkt sich negativ auf die Leistungen der Schüler im Fach Mathematik aus – und auf ihre Bereitschaft, später Mathematik oder Naturwissenschaften zu studieren. Das hat eine Untersuchung des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW) ergeben.

Voriger Artikel
Lernen wir zu lang – oder zu schnell?
Nächster Artikel
Wer will denn nur die Überflieger?

Die Verkürzung der Schulzeit wirkt sich negativ auf die Mathematik-Leistungen der Schüler aus, das ergab eine Studie.

Quelle: dpa

Hannover. Das NIW hatte 724 Schüler von zwölf Schulen in Magdeburg und Halberstadt befragt, die vor fünf Jahren je zur Hälfte das Abitur nach Klasse 13 und nach Klasse 12 abgelegt hatten. Sachsen-Anhalt war 2007 zum zwölf Schuljahre dauernden G-8-Abitur zurückgekehrt, in Niedersachsen wurde die Schulzeit 2011 verkürzt. Untersuchungen gibt es hier bislang noch nicht.

Das partei- und verbandspolitisch unabhängige NIW wird vom Wirtschaftswissenschaftler Prof. Stephan Thomsen geleitet. Die 724 Schüler wurden eingehend schriftlich befragt – es wurden sowohl die Noten verglichen als auch die weiteren Bildungswege nach dem Abitur festgehalten. Besonders im Fach Mathematik sind die Zeugniszensuren im Durchschnitt beim G-8-Abitur schlechter, bei den Männern um elf, bei den Frauen um acht Prozent. Im Fach Deutsch und auch bei den Fremsprachen gibt es keine messbaren Unterschiede. Das NIW folgert daraus, dass im Fach Mathematik bei den Schülern „die Leistungsgrenze offenbar erreicht“ wurde.

Außerdem hat die Untersuchung gezeigt, dass die Zahl der Studienanfängerinnen beim G-8-Abitur um zehn Prozent kleiner ist als in der Gruppe des G-9-Abiturs. Bei den Männern waren keine erheblichen Unterschiede festzustellen.

Wesentlich ist gerade bei den Männern aber der Unterschied bei der Wahl des Studienfachs: Bei den Geistes-, Sozial-, Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften gibt es zwar keine Unterschiede zwischen der Gruppe der G-8- und der G-9-Absolventen. Anders ist dies bei Mathematik und Naturwissenschaften. Junge Männer, die nach acht Jahren Gymnasialzeit das Abitur ablegen, haben demnach im Vergleich zur G-9-Gruppe eine um 15 Prozent verminderte Wahrscheinlichkeit, Mathematik und Naturwissenschaften zu studieren. Belege dafür, dass der Stress bei G 8 die Persönlichkeit der Schüler verändert, fand das NIW indes nicht.

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) nannte die NIW-Studie „interessant“, bezweifelte aber die Übertragbarkeit auf Niedersachsen. Hierzulande seien die Inhalte des Mathe-Unterrichts „deutlich konzentriert“, also verringert worden. Eine „Rolle rückwärts“ zu G 9 lehnt Althusmann ab. Vielmehr müsse an den Rahmenbedingungen gearbeitet werden.

Ina Korter (Grüne) nannte es „besorgniserregend“, dass sich vor allem Schüler in Mathe verschlechterten, die vorher noch gut waren. Das „Turbo-Abi“ sei ein Fehler, nötig sei eine Wahlmöglichkeit zwischen G 8 und G 9.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Abi nach zwölf Jahren

„Keine Freizeit, viel Stress und lange Nächte am Schreibtisch“ – für Duc Nguyen ist das Abitur nach zwölf Jahren in Niedersachsen alles andere als ein Erfolg.

mehr
Mehr aus HAZ-Themenwoche Schule