Hannover. Ein wenig seltsam nahm er sich schon aus, der Mann mit dem langen, weißen Bart und dem roten Mantel, der da gestern in der HAZ-Redaktion vorsprach. Aber irgendwie wirkte er auch vertrauenswürdig mit seiner tiefen Stimme. Ein Menschenfreund offenbar. Und so gelöst, wie jemand nun einmal ist, der sich nach der Mühsal arbeitsreicher Tage jetzt entspannt zurücklehnen kann, erzählte er, was ihm am Heiligen Abend in Brelingen passiert war.
„Seit zehn Jahren bin ich nun als Weihnachtsmann unterwegs, und ich weiß nicht, wie viele Kinder ich seither beschenkt habe – aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, berichtete der Bärtige, der über sich selbst nichts weiter preisgeben wollte („Berufsethos, Sie verstehen!“).
Auf seinem Zug durch die Wedemark sei er jedenfalls mit Sack und Rute auch beim achtjährigen Julian Draht vorbeigekommen, der eine Carrera-Bahn, einen Krökeltisch und zwei Bücher bekommen sollte. Doch noch bevor er die Geschenke überreichen konnte, hatte Julian ihm seinerseits schon eine selbst gebastelte Tüte entgegengestreckt: „Bitte, für arme Kinder, die nicht so viele Geschenke kriegen wie ich“, sagte der Zweitklässler. Als der Weihnachtsmann die Tüte öffnete, staunte er nicht schlecht: „Darin waren genau 70 Euro und 39 Cent – die gesamten Ersparnisse des Jungen.“ Über Monate hinweg hatte er die Münzen gesammelt, die Großeltern oder Bekannte ihm zusteckten.
Seine Eltern hatte Julian zuvor in seinen Plan eingeweiht: „In seinem Fußballverein und in der Schule haben sie schon andere Aktionen für bedürftige Kinder auf die Beine gestellt“, sagt seine Mutter Jutta Draht. „Dabei ist ihm wohl die Idee gekommen, dem Weihnachtsmann Geld mitzugeben, damit er Geschenke für arme Kinder kaufen kann.“
„Ich war ganz baff“, sagt der Weihnachtsmann. Da er selbst ja von Berufs wegen eher mit Geben als mit Nehmen beschäftigt und es folglich nicht gewohnt ist, selber Geschenke mit raus auf den Schlitten zu nehmen, stellte ihn Julians großzügige Gabe vor gewisse logistische Schwierigkeiten: „Ich bin ja nicht global im Einsatz und komme kaum in arme Länder“, sagt er. Doch gottlob hatte er eine Idee: „Als langjähriger Leser weiß ich, dass die HAZ-Weihnachtshilfe auch Kindern zugutekommt, denen es nicht so gut geht.“ Und so zahlte er das Geld auf das Konto der größten Hilfsaktion Hannovers ein. „Ich glaube, damit habe ich genau das getan, was Julian sich vorgestellt hatte“, sagt er.
Stolz war der Weihnachtsmann an jenem Abend übrigens nicht nur auf Julian, sondern auch ein wenig auf sich selbst. Denn nachdem der Achtjährige ihn so überrascht hatte, bat er selbst spontan um weitere Spenden: „Und prompt hat Julians Vater noch einmal zehn Euro draufgelegt.“
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