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Hannover „Männern ist der Bart wieder heilig“
Hannover „Männern ist der Bart wieder heilig“
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00:18 29.09.2018
Rustikal eingerihctet: Barbier Lars Kirchner stutzt den Bart von Kunde Robert Jancick.
Hannover

Es ist buchstäblich ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Dicht an dicht pinseln zehn junge Barbiere Rasierschaum auf bärtige Wangen, tragen Haarpomade auf und hantieren mit Rasiermessern. Unter den Männern, die jüngst im Hamburger Barbierladen Herrengut in Qualifikationsrunden des Wettbewerbs um den Titel des Best Barber 2018 gegeneinander angetreten sind, finden sich auch die zwei Hannoveraner Rico Carruba und Lucy Clasen vom Laden in der Nordstädter Kornstraße, der schlicht The Barbershop heißt. Wie haben sie abgeschnitten? Am morgigen Freitag gibt es die Ergebnisse.

Carruba und Clasen wollen einerseits ins Finale, andererseits ist es auch der Treff mit der Szene wichtig. „Uns ist es wichtig, neue Leute aus der Branche zu treffen. Die Barbier-Community ist sehr freundschaftlich.“

Euphorie in der Szene

Es ist geradezu die Euphorie einer Wiederauferstehung, die die Szene treibt. Die einst weit verbreitete Barbierkunst war hierzulande nahezu ausgestorben. Jetzt kehrt das Handwerk rasant zurück. Hype, Kult, Boom – es ist immer gut, vorsichtig mit diesen Begriffen zu sein. Aber, na ja, kein Hipster ohne Bart – und deshalb brummt das Geschäft. „Barbershops schießen gerade an jeder Ecke aus dem Boden“, erzählt Carruba und erinnert sich, dass es 2010 fast keine Barbierläden in Hannover gab. Heute kann sich der Inhaber von The Barbershop in der Nordstadt vor Kundschaft kaum retten. „Zwischen 50 und 70 Männern stutzen wir täglich die Bärte und Kopfhaare.“

Als Carruba 2015 erstmals offiziell als Barbier firmierte, reichte zunächst ein einziger Barbierstuhl, um die Kunden zu bedienen. The Barbershop war da nicht mehr als ein Hinterzimmer im Friseursalon seiner Lebensgefährtin. Dort erlernte der studierte Wirtschaftspsychologe sein Handwerk. „Mein Studium war ziemlich interessant, von meinem Wissen konnte ich viel für den Laden nutzen. Meine Leidenschaft ist aber das Barbierhandwerk“, erzählt er. Schnell gewann der 34-Jährige einen festen Kundenstamm. Damit der Platz reicht, zog The Barbershop zweimal um. In der Kornstraße stehen nun fünf Barbierstühle umgeben von einem rustikalen Interieur. An den verkleideten Holzwänden hängt ein Basketballkorb, auf den Barbiertischen dienen Jim-Beam-Flaschen als Wassersprüher, daneben reihen sich Pomadedosen und Bartshampoo.

Gute Geschäfte

„Wenn vor acht Jahren jemand ein Bartshampoo auf den Markt gebracht hätte: Ich hätte ihn ausgelacht“, sagt Micha Birkhofer, der vom Stuttgarter Vorort Waiblingen aus die Rückkehr des Bartkults in Deutschland wie ein Motor antreibt. Heute weiß der 42-Jährige es besser. Der Initiator des International Barber Awards hat den Wiederaufstieg des Barbierhandwerks von Anfang an miterlebt und behauptet inzwischen: „Heute ist vor allem den jungen Männern ihr Bart wieder heilig.“ Schon immer hatte Birkhofer eine Leidenschaft für Barbierläden, im Urlaub stand der Besuch eines Barbiers oft auf dem Programm. Seine Passion machte er 2003 zum Geschäft, und inzwischen verkauft er übers soziale Medien Rasier­accessoires. Bärte und Internethandel – irgendwie geht das besonders gut zusammen. Aus dem Nischengeschäft hat sich inzwischen der ein Handel mit einem beachtlichen Sortiment entwickelt. Seit 2013 firmiert Birkhofer unter dem Namen 1o1 Barbers und hat im Portfolio neben Knowhow, Werkzeugen und Bartpflegemitteln auch den seit 2017 von ihm auch international veranstalteten Barber Award. Neben den Hannoveranern Carruba und Clasen beteiligen sich rund 370 weitere Bewerber unter anderem in Hamburg, Oslo und London.

„Ich kann die Entscheidung am Freitag kaum abwarten. Aber selbst, wenn es nicht fürs Finale reicht, war es eine einzigartige Erfahrung“, resümiert Carruba.

Von Jacqueline Hadasch

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