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Hannover Wer ist Frank Herbert?
Hannover Wer ist Frank Herbert?
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00:37 31.05.2018
Viele Fotos von Frank Herbert gibt es nicht. Dieses stammt aus dem Jahr 2008. Quelle: Foto: Steiner
Hannover.

Der Name Frank Herbert sagte bisher nur Fachleuten etwas. Der Leiter des Geschäftsbereichs des Oberbürgermeisters im Rathaus von Hannover taucht in der Öffentlichkeit so gut wie nie auf. Wenn er doch präsent ist, „dann ist meistens etwas schiefgelaufen“. So beschreibt der Büroleiter von Oberbürgermeister Stefan Schostok selbst seine eigene Rolle.

Zu sagen, dass derzeit im hannoverschen Rathaus etwas schiefläuft, greift zu kurz. In dem Prunkbau am Maschpark geht seit Monaten schon vieles drunter und drüber, und Frank Herbert ist neben Kulturdezernent Harald Härke und Oberbürgermeister Stefan Schostok eine der Figuren, die mitten im Sturm stehen. Schostok und Härke kennt man in Hannover. Aber wer ist eigentlich Frank Herbert, und wie ist er überhaupt in die Rathausaffäre hineingeraten? Die begann ja ursprünglich einmal damit, dass Härke dabei erwischt wurde, wie er seiner Freundin einen lukrativeren Posten im Kulturbüro im Rathaus verschaffen wollte.

Auch zu seiner Verwicklung in die Affäre kann man wieder Herbert selbst hören, denn am vergangenen Freitag hat sich der 49-Jährige Jurist an die Öffentlichkeit begeben, was ungewöhnlich ist. Da war seine Strafanzeige wegen Geheimnisverrats gegen Harald Härke bekannt geworden. Der Vorwurf: Härke habe Dokumente, die Herberts Gehaltsverhandlungen mit der Stadt betreffen, an politische Akteure in Stadt und Land verteilt mit der Aufforderung, diese politisch auszuschlachten. „Er wollte wohl den Eindruck erwecken: Ich bekomme unrechtmäßiges Geld – und ich will noch mehr unrechtmäßiges Geld.“ Tatsächlich ist ja umstritten, ob Herberts Besoldung, die fast 1100 Euro im Monat über seiner Eingruppierung liegt, beamtenrechtlich sauber ist.

Nun gilt der promovierte Jurist in Rathauskreisen als überaus korrekt, ja manchmal als pedantisch. „Oft hat er irgendwelche Bedenken, wenn es um Projekte geht, die wir voranbringen wollen“, heißt es aus dem Rathaus. Wie genau es Herbert mit Vorschriften nimmt, zeigt eine Begebenheit, die er in einer E-Mail an Härke schildert: Er sei einst eilig in einen Zug gestiegen, ohne zuvor eine Fahrkarte zu lösen. Auf der Reise wurde er nicht kontrolliert, nach dem Aussteigen habe er ein Ticket gekauft und es zerrissen. Die Geschichte hat auch eine strategische Bedeutung, sie soll Positionen verdeutlichen: Hier der untadelige Herbert, dort der durchtriebene Härke.

Aber Herbert ist nicht nur ein fleißiger Beamter. Er ist ehrgeizig, will noch weiter nach oben, bisher immer ohne Erfolg. 2009 kandidierte der Sozialdemokrat für das Bürgermeisteramt in Eschwege (Hessen). Im ersten Wahlgang fehlten nur wenige Stimmen, in der Stichwahl unterlag Herbert. Danach versuchte er, in Hannover Dezernent zu werden, zuletzt 2016, als ein neuer Kämmerer gesucht wurde. Doch es fehlte ihm an Rückhalt in der Ratspolitik. Auch sein Versuch,bei der Stadt Garbsen einen Dezernentenposten zu bekleiden, wird voraussichtlich scheitern. Herberts Selbstbewusstsein bleibt ungebrochen. „Ich bin quasi der Rechtsdezernent der Stadt Hannover“, sagt er.

In der Ratspolitik ist Herbert nicht beliebt. „Er spielt sich auf, als habe er das Sagen im Rathaus“, sagt ein Politiker. Bei Haushaltsberatungen innerhalb des Ampel-Bündnisses habe sich Herbert eingebracht und bereits Vorentscheidungen über Zuschüsse gefällt, heißt es. Jedoch wird ihm zugute gehalten, dass er die Verhandlungen um den Mietvertrag der Stadt fürs Ihme-Zentrum „knallhart“ geführt und dabei viel für die Stadt herausgeholt habe. „Gegenüber der Stadt ist er immer loyal“, heißt es in der Verwaltung.

Von Karl Doeleke und Andreas Schinkel

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