Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Hannover Was passiert, wenn der Strom länger ausfällt?
Hannover Was passiert, wenn der Strom länger ausfällt?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 28.10.2018
otaler Stromausfall in Hannover 2011, Kollenrodtstraße, ein Rettungwagen taucht die dunkle Straße in blaues Licht Quelle: Daniel Reinhardt
Hannover

Plötzlich war es dunkel. Tausende Haushalte im Süden der Region waren Mitte Oktober ohne Strom. Kühlschränke und Straßenbeleuchtung gingen aus, die S-Bahn stand still, Handys funktionierten nicht, weil die Sendemasten das Funken einstellten. Und nicht nur HAZ-Leser Joachim Klang in Springe fragte sich: Was passiert eigentlich, wenn jetzt jemand einen Herzinfarkt hat oder es einen schweren Unfall gibt? Wie holt man Hilfe?

Der Stromausfall war nur von kurzer Dauer. Ein Rübenroder hatte einen wichtigen Versorgungsmast umgemäht, Versorger Avacon konnte nach knapp einer halben Stunde Umleitungen freischalten. Doch Katastrophenstäbe in ganz Deutschland bereiten sich auf ein viel weitreichenderes Szenario vor: Was passiert eigentlich, wenn die Energieversorgung für mehrere Tage lahm liegt?

Experten denken Szenarien durch

Blackout nennen die Fachleute diesen Fall. Experten stellen nicht infrage, ob solch ein Blackout passieren wird. „Die Frage ist nur: wo und in welchem Ausmaß“, sagt Ron Wibbelink vom Stromnetzbetreiber Tennet. Und Mirko Temmler, Referatsleiter für Katastrophenschutz im Niedersächsischen Innenministerium, sagt nüchtern: „Wenn es zu Stromausfällen kommt, ist die Dauer des Ausfalls entscheidend. Je länger er dauert, desto größer werden die Probleme, sowohl für die Bevölkerung, als auch für Energieversorger, Staat und Verwaltung sowie auch bei alle anderen Versorgungsleistungen.“ Doch Professor Rüdiger Kutzner, der an der Hochschule Hannover die Fehleranfälligkeit elektrischer Netze analysiert, sieht keinen Grund zur Panik: Bevor es zu einem Blackout kommen kann, „muss es eine sehr große Störung geben“, sagte er im Interview mit der HAZ. Ausschließen könne man das nie, „aber es gibt eine Reihe von Maßnahmen, um genau das zu verhindern.“

Zwei Zahlen zeigen, warum diese Schutzmaßnahmen notwendig sind: Bei einem zehntägigen Stromausfall bräuchten allein die Hannoveraner rund zehneinhalb Millionen Liter Trinkwasser und knapp zwei Millionen Kilogramm Getreideprodukte. Würden aber Hacker die Stromnetze überregional sabotieren, dann stünden die Trinkwasserpumpen still und niemand könnte mehr Getreide transportieren. Denn auch Tankstellen funktionieren nicht ohne Strom, und die verfügbaren Reserven an Sprit würden gebraucht, um Notstromaggregate etwa in Kliniken zu betreiben oder Feuerwehrautos einsatzbereit zu halten.

Bürger können sich vorbereiten

Hunger? Trinkwassermangel? Versorgungsengpässe? Das sind wir seit Jahrzehnten nicht mehr gewohnt in Mitteleuropa. In den sozialen Medien wurde 2016 über die Ratschläge des Bundesinnenministeriums gewitzelt, sich Vorräte anzulegen. Die Episode zeigt aber, dass Experten solche Szenarien tatsächlich durchdenken. Eine weitere Frage ist: Wie lange bliebe die soziale Ordnung aufrecht, wenn der Strom für längere Zeit ausbleibt? Beim jüngsten größeren Stromausfall in Hannover im Jahr 2011 jedenfalls wurde im Roderbruch der erste Supermarkt nicht erst nach vier Tagen aufgebrochen, sondern innerhalb von Stunden.

Über all das reden die Experten ungern. „Man muss auch mal Vertrauen in die Vorbereitungen haben“, sagt Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange. Die Bevölkerung könne „davon ausgehen, dass wir im Falle eines längeren Stromausfalls gut vorbereitet sind“. Wie viel Wasser und Kraftstoff die Stadt tatsächlich für den Notfall lagert, wollte die Feuerwehr nicht mitteilen. „Das wäre Panikmache. Es käme immer die Frage, warum da nicht noch mehr Benzin ist“, sagt Lange. Man habe sich aber nach dem größeren Stromausfall von 2011 „intensive Gedanken gemacht“. Die Einsatzplanung für den Fall eines längeren Stromausfalls sei überarbeitet worden. Der Schwerpunkt liege auf der Absicherung kritischer Infrastrukturen, also zum Beispiel der Versorgung von Krankenhäusern, der Bereitstellung von Lebensmitteln und Wasser oder von Kraftstoff.

Wieder Licht nach 15 Minuten

2015 hat es in der Ukraine einen flächendeckenden Stromausfall gegeben, verursacht durch gezielte Netzsabotage. Beim Cybersicherheitstag in dieser Woche im hannoverschen Kongresszentrum sagte Tennet-Securitychef Wibbelink deshalb auch: „Ein Blackout durch einen Hackerangriff ist längst keine Fiktion mehr.“ Das wüssten auch die Verantwortlichen und würden sich wappnen, meint Prof. Kutzner:

HAZ-Leser Joachim Klang brauchte sich in den 15 Minuten des Stromausfalls zum Glück keine Sorgen zu machen. „Ich habe mich in die Küche getastet und Kerzen geholt“, erzählt er. „Das war dann sogar richtig gemütlich.“

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Professor Rüdiger Kutzner, der die Anfälligkeit von elektrischen Netzen und Systemen erforscht.

Was jeder bei einem Notfall im Haus haben sollte, lesen Sie hier.

Von Lisa Neugebauer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wie groß ist die Gefahr eines großflächigen Stromausfalls? Professor Rüdiger Kutzner von der Hochschule Hannover erforscht die Anfälligkeit von elektrischen Netzen und Systemen.

25.10.2018

Ab dritten November sind Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer im GOP zu sehen.

18.10.2018

Mit Per Mertesacker als Stargast in Lederhose und Karohemd hat am Freitag die Hannover Wiesn eröffnet. Für den Weltmeister war es eine Premiere.

15.10.2018