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Hannover „Wir müssen uns über das Thema Blackout Gedanken machen.“
Hannover „Wir müssen uns über das Thema Blackout Gedanken machen.“
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06:00 25.10.2018
Prof. Dr. Rüdiger Kutzner Quelle: Rene Ledrado, Hannover
Hannover

Wie groß ist die Gefahr eines Blackouts? Professor Rüdiger Kutzner von der Fakultät Elektro- und Informationstechnik an der Hochschule Hannover simuliert mit einem Kollegen seit einigen Jahren in Echtzeit das elektrische Netz und analysieren Fehler beim Energiefluss. Er erklärt, wie ein Blackout entsteht und mit welchen Mitteln versucht wird, diesen zu verhindern.

Mitte Oktober wurde bei Pattensen ein wichtiger Versorgungsmasten umgemäht, wodurch tausende Menschen im Süden der Region etwa eine halbe Stunde keinen Strom hatten. War das ein Blackout?

Nein. Unter einem Blackout versteht man einen großflächigen Stromausfall, der länger anhält als ein paar Minuten. In Deutschland haben wir laut Statistik etwa 15 Minuten pro Jahr keinen Strom. Das ist extrem wenig. In der Regel ist das ein lokales Ereignis. Ein Blackout wäre dann ein größeres Ereignis, was wir glücklicherweise in Deutschland schon lange nicht mehr erlebt haben.

Gab es denn schon einmal einen Blackout in Deutschland?

Das letzte Ereignis, das man als eine größere Störung bezeichnen könnte, war 2006. Das europäische Verbundnetz zerfiel in drei Teile und viele Haushalte in Europa konnten zeitweise nicht mit Strom versorgt werden.

Teile von Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Österreich, Spanien waren teilweise bis zu zwei Stunden ohne Strom. Wie kann es zu so einem Blackout kommen?

Da kann es die verschiedensten Ursachen geben. Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere elektrische Energie ein hochkomplexes System ist, das von vielen Komponenten abhängt. Bevor es dazu kommen kann, muss es eine sehr große Störung geben. In diesem Falle kam es durch eine Leitungsabschaltung zu einer Überlastung anderer Leitungen und dann zu einer kaskadenförmigen Situation, durch die sich immer mehr Netze abschalteten.

Kann das öfter passieren?

Ausschließen kann man das nie. Aber es gibt eine Reihe von Maßnahmen, um genau das zu verhindern. Unsere Energieversorger nutzen beispielsweise das sogenannte n-1-Prinzip. Dahinter verbirgt sich der sehr beruhigende Hintergrund, dass es völlig egal ist, welches Betriebsmittel ausfällt, denn den Ausfall eines Betriebsmittels können wir in jeder Situation abfangen. Typischerweise merkt der Verbraucher dann gar nichts von einer Störung.

Und wenn mehrere Betriebsmittel ausfallen?

Dann gibt es ein sogenanntes 5-Stufenplan. Damit wird sichergestellt, was man machen kann, um Schlimmeres zu verhindern. Dann werden zum Beispiel Lasten abgestellt, die momentan nicht unbedingt benötigt werden, um den Verbrauch zu reduzieren. Das kann dann soweit gehen, dass gezielt größere Lasten, sprich Verbraucher, abgeschaltet werden, um den Zusammenbruch des Netzes zu verhindern. Das sind sehr wirksame Maßnahmen, um einen solchen überregionalen Ausfall zu vermeiden.

Also lassen sich alle Blackouts vermeiden?

Sie können natürlich spekulieren: Was passiert, wenn jemand mutwillig versucht, Schaden anzurichten? Dann lässt sich auch ein Blackout natürlich nicht ausschließen. Durch die Digitalisierung und Vernetzung der Systeme ergeben sich neue Möglichkeiten, von außen anzugreifen. Aber prinzipiell wissen das natürlich auch alle Beteiligten und man kann davon ausgehen, dass da entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es aber nie und kann es auch nicht geben. Darum ist es gut, sich über diese Themen Gedanken zu machen.

Von Lisa Neugebauer

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