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Linden, Leine, Limmer

Fahrradtouren

Von Bernd Haase

Die Fahrräder haben die längste Zeit im Keller gestanden – spätestens jetzt sollte man sich wieder in den Sattel schwingen. Für diejenigen, die auf Tour gehen wollen, hat die HAZ einen Vorschlag.
Mit dem Fahrrad unterwegs

In der Region Hannover gibt es viele schöne Radtouren.

© Karin Blüher

Im Jahr 1925 ließ ein Zeitungsredakteur seinen Blick vom Turm des Neuen Rathauses schweifen und notierte Folgendes: „Die Augen richten sich auf den Wald der Schornsteine, der die Stadt im Halbkreis umsäumt. Da sind Ricklingen, Linden und Limmer, deren Hauptgebäude die Fabriken sind. Über den Orten liegt drückend Qualm, Rauch und Ruß. Wenig Grün erfreut das Auge.“ Würde der Mann jetzt wieder auf den Turm fahren, sähe er die Dinge anders. Hannover ist längst keine Industriestadt mehr, nur noch 15 Prozent der Arbeitsplätze entfallen auf diesen Wirtschaftszweig. Wo es einst qualmte, sprießt nun viel Grün. Einige Fabriken gibt es noch, andere sind umgenutzt oder ihre Gelände liegen brach.

Die Region Hannover hat fünf „Routen der Industriekultur“ ausgearbeitet, auf denen sich der Wandel nachvollziehen lässt, der sich über die Jahrzehnte vollzogen hat. Eine davon heißt „Linden, Leine, Limmer“. Der Name ist Programm.

Wir starten an der Leinebrücke der Königsworther Straße, die mit ihren vier großen Kandelabern als die prachtvollste Hannovers gilt. Von dort aus führt uns der Weg am Betriebshof Glocksee der Üstra vorbei zur Ihme, die wir nach 800 Metern erreicht haben. Wir fahren über die Brücke und biegen dann direkt vor den drei warmen Brüdern – so heißen die Schornsteine des Heizkraftwerks Linden im Volksmund – rechts ab zum Flussufer.
Jetzt weist uns der Wasserlauf den Weg. An der Justus-Garten-Brücke fließt die Ihme in die Leine, die früher von hier an schiffbar war und damit über Jahrhunderte Hannovers wichtigste Anbindung an die weite Welt. Gleich dahinter liegt das Faust-Gelände, die erste aufgelassene Fabrik auf unserem Weg. Wo einst Bettfedern gewaschen wurden, hat sich das Kulturzentrum etabliert.

Als wir insgesamt gut drei Kilometer geradelt sind, erreichen wir den Abzweig zum Wasserkraftwerk Herrenhausen. Längst haben wir auch schon den Turm auf dem Gelände der Conti in Limmer erspäht. Die Fabrikfläche, im Jahr 1897 vom Gummi- und Reifenhersteller besiedelt und 102 Jahre später wieder verlassen, wird gerade abgeräumt. Wo der Redakteur einst Qualmwolken steigen sah, entsteht bald das Wohnquartier Wasserstadt Limmer.

An der Schleuse Limmer wechseln wir auf das andere Flussufer und passieren dort das Volksbad. Gut 5,3 Kilometer stehen auf unserem Tacho, als wir die blau gestrichene Kanalbrücke erreichen, die uns links nach Ahlem führt. Von der Brücke aus sehen wir zwei Gitterbrücken der Güterumgehungsbahn. Sie sind 1904 erbaut worden und zwei der wenigen, die noch im Ursprungszustand erhalten geblieben sind.

In Ahlem erreichen wir 600 Meter hinter der Brücke die Wunstorfer Straße. An der Einmündung biegen wir links ab und nach 200 Metern rechts in die Mönckebergallee. Hier liegt der Willy-Spahn-Park, in dem früher Kalk gebrannt und von 1938 an die Obstsäfte der Marke Sprudella hergestellt wurden. Heute steht der Park allen Besuchern offen. Von der Mönckebergallee geht es links zum Ahlemer Turm. In dem einstigen Tanzlokal haben heute buddhistische Mönche ihr Domizil.

Am Waldstück Ahlemer Holz vorbei fahren wir bis zur Petit-Couronne-Straße, in die wir links einbiegen. Wir überqueren die Richard-Leitlof-Straße und erreichen dann die Küstriner Straße, in die wir rechts abbiegen. Über Ohlauer Straße und Reuterwiese erreichen wir die Heisterbergallee. Der Weg führt uns nach links, vorbei an der Gedenkstätte auf dem Gelände der einstigen jüdischen Gartenbauschule, die von den Nazis zur Sammelstelle für Deportationen in die Konzentrationslager gemacht wurde.

Am Ende der Heisterbergallee fahren wir weiter geradeaus durch den Schleusengrund zur Hafenschleuse Limmer, deren geplanter Ausbau für größere Kanalschiffe ein Thema heftiger Debatten ist. Wir folgen hinter der Schleuse den Gleisen der Stadtbahnlinie 10, die uns den Weg bis zur Wunstorfer Straße weisen. Hier biegen wir schräg nach links ab und dann gleich wieder rechts in die Ratswiese. Am Ende dieser kleinen Straße sehen wir Vertrautes – die Leine hat uns wieder. Sie und die Ihme weisen uns den Weg zum Maschsee.

  • Profil: Die geschilderte Tour ist, wenn man sie bis zum Maschsee fährt, etwas mehr als 16 Kilometer lang. Steigungen sind Fehlanzeige, sämtliche Straßen und Wege ausgebaut und gut befahrbar. Bisher sind die fünf „Routen der Industriekultur“ noch nicht speziell ausgeschildert. Wer Weiteres – etwa detaillierte Erläuterungen zu den Stationen – nachlesen will, wird im Internet unter www.industriekultur-hannover.de fündig.
  • Weiteres zum Aufsatteln: Klassiker ist der Grüne Ring, der blau markierte Rad- weg rings um Hannover – auch bei der zehnten Tour gibt es noch Neues zu entdecken. Die Region und ihr Umland lassen sich am Besten mit dem Radwanderführer „Fahr Rad“ erkunden, den die HAZ zusammen mit der Region herausgegeben hat. Allerdings sind im Handel nur noch Restexemplare vorhanden. Unter dem Motto „Hannover erfahren“ hat die Hannover Marketing und Tourismus Gesellschaft ein sechsteiliges Tourenpaket erstellt. Die Faltkarten sind in der Touristinformation am Ernst-August-Platz erhältlich.
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Mit dem Fahrrad lässt sich die Landschaft zwischen Leine und Steinhuder Meer gut entdecken. Folgen Sie den HAZ-Redakteuren Bernd Haase und Thorsten Fuchs auf ihren Touren durch die Region Hannover.

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