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Aktion HannoverHelm
Eine echte Umweltzone

Hannovers Innenstadt blieb am Sonntag autofrei

Von Stefanie Kaune

Eine echte Umweltzone: Zum vierten Mal blieb Hannovers Innenstadt am Sonntag frei vom Kraftverkehr. Stattdessen feierten 120.000 Fußgänger, Radler und Skater – ein Besucherrekord.
Während viele Familien gemächlich mit Fahrrädern durch die Innenstadt rollen, schauen sich Karin  Breuninger und ihr Ehemann Klaus Depping das bunte Treiben im Liegestuhl an.

Während viele Familien gemächlich mit Fahrrädern durch die Innenstadt rollen, schauen sich Karin Breuninger und ihr Ehemann Klaus Depping das bunte Treiben im Liegestuhl an.

© Nico Herzog

Keine Autos, dafür 120.000 Fußgänger, Radfahrer und Skater: Der vierte autofreie Sonntag in der Innenstadt hat am Sonntag einen neuen Rekord bei den Besucherzahlen erzielt. 20.000 Menschen mehr als vergangenes Jahr, als der bis dahin höchste Wert seit dem Auftakt der Veranstaltung im Jahr 2008 verzeichnet wurde, kamen nach Angaben der Polizei und den Veranstaltern von der Stadt Hannover am Sonntag in die weiträumig für den Kraftverkehr gesperrte City. „Wir sind begeistert, dass es nochmals eine Steigerung gab“, freute sich Umweltdezernent Hans Mönninghoff am frühen Abend. „Das zeigt, dass das Konzept nach wie vor ankommt.“

Von 11 bis 18 Uhr war das Stadtzentrum am Sonntag autofreie Zone. 150 Verbände, Vereine und Unternehmen boten ein Programm mit Unterhaltung und Information rund um das Thema umweltgerechte Mobilität. Auch im nächsten Jahr, das hatte Oberbürgermeister Stephan Weil bereits bei der Eröffnung am Vormittag angekündigt, wird es wieder einen autofreien Sonntag geben. An eine Abschaffung eines solchen Aktionstages wie in Hamburg werde nicht gedacht, versicherte Weil. „Solange die Hannoveraner gerne kommen, halten wir an der Veranstaltung fest.“ Mit einem Zuschuss von 70.000 Euro ist die Stadt an der Finanzierung der rund 100.000 Euro teuren Veranstaltung beteiligt, der Rest wird von Sponsoren aufgebracht.

Weil hatte die Veranstaltung zusammen mit Regionspräsident Hauke Jagau und Mönninghoff auf der zentralen Bühne vorm Rathaus eröffnet, deren Programm die HAZ präsentierte. Dort startete am Nachmittag auch eine 30-minütige Fahrradtour, bei der alle Teilnehmer inklusive Stadtbaurat Uwe Bodemann und Polizeipräsident Uwe Binias den neuen „HannoverHelm“ trugen, den die HAZ, die Polizeidirektion sowie Stadt und Region seit Kurzem über 13 Fahrradgeschäfte in der Region anbieten.

Eine echte Umweltzone

So eine Ampel denkt ja nicht mit. Pflichtgemäß springt die Lichtanlage an der Ecke von Karmarsch- und Marktstraße von Gelb auf Rot, so ist sie programmiert. Dabei könnten sie und ihre Kollegen in der Innenstadt eigentlich freimachen an diesem Sonntag: Autos, die vor dem Rotlicht halten müssten, sind in der City gar nicht unterwegs. Stattdessen schlendern Fußgänger über die Kreuzung an der Markthalle, Radfahrer rollen vorbei, Skater flitzen vorüber, und auf einer kleinen Bühne in der Schmiedestraße wird Salsa getanzt.

Denn am Sonntag war Hannover wieder autofrei – jedenfalls in der abgesperrten Aktionsfläche zwischen Leibnizufer, Friedrichswall, Schiffgraben und Goethestraße. Zum vierten Mal wurde der Aktionstag für Klimaschutz und einen bewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen als großes, fröhliches und abwechslungsreiches Fest gefeiert – mit ernstem Hintergrund, aber ohne ideologische Belehrungen. Dass dieses Konzept nach wie vor aufgeht, zeigte der neue Besucherrekord: Rund 120.000 Menschen, 20.000 mehr als im Vorjahr, zählten die Veranstalter von der Stadt in der autofreien Zeit von 11 bis 18 Uhr – eine mit der Polizei abgestimmte Zahl. Auch die Zahl der beteiligten Vereine, Verbände und Firmen war noch einmal gestiegen, von 120 auf 150 Aktive. Deren Angebot reichte von der Fahrradmeile über den Skaterparcours bis hin zu Wohlfühloasen wie dem „Stadtstrand am Straßenrand“ oder dem „Picknick im Park“ der Region in der Georgstraße, wo wieder das Solarfest gefeiert wurde.

Ein Topthema war die Elektromobilität. Sowohl auf der Fahrradmeile wie auch bei der alternativen Automobilausstellung wurden zahlreiche, teils abenteuerlich anmutende Gefährte präsentiert, die mit Strom betrieben werden. „Wir erleben derzeit jährlich eine Steigerung der Nachfrage um 30 bis 40 Prozent“, sagte Lutz Rother vom Unternehmen bike-emotion.

Der autofreie Sonntag erfreut sich gleichfalls eines beständig wachsenden Interesses. Bei der Premiere im Jahr 2008 kamen 75.000 Besucher, seitdem ist deren Zahl kontinuierlich nach oben gegangen. „Die Veranstaltung hat sich von einer Idee zum Kult entwickelt“, befand Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD). Er eröffnete den Tag zusammen mit Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) und dem städtischen Umweltdezernenten Hans Mönninghoff (Grüne) auf der zentralen Bühne am Friedrichswall, deren Programm die HAZ präsentierte. Um 15 Uhr gab Lokalchef Volker Goebel dort den Startschuss für eine Radrundfahrt mit dem neuen „HannoverHelm“, den die HAZ, die Polizeidirektion Hannover sowie Stadt und Region bei ausgewählten Händlern anbieten.

Einen Teil zum Erfolg trug das zu großen Teilen sonnige Wetter bei, die angekündigten Stürme und Gewitter blieben aus. So spielten sich überall Szenen ab, bei denen es Spaß machte, zuzuschauen. Da planschten vergnügt Drei- bis Fünfjährige im aufblasbaren Bassin beim Solarfest vor der Oper. Oder es lief ein kleiner Junge lässig mit dem Skateboard unterm Arm vor seiner Mutter her, die etwas verzweifelt auf einem Mini-Einrad balancierte. Auch lustig anzusehen: Ein Wettbewerb, bei dem je sieben Leute einen Üstra-Bus 30 Meter an einem Seil möglichst flott über den Friedrichswall ziehen mussten. Auch Mönninghoff war mit einem Team dabei. Mit 20,82 Sekunden landete es aber nur auf dem sechsten Platz. Gegen die muskelbepackten Männer vom „Vitalics Sportcenter“ aus Gronau, die mit 16,97 Sekunden siegten, hatten sie keine Chance.

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