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Der unermüdliche Feuerwehrmann


Feuerwehrmann Daniel Hartlieb leitete auf Rügen die Suche nach der von Kreidemassen verschütteten Katharina. Es war ein Kampf gegen Kälte, Sturm und Erschöpfung.
Feuerwehrmann Daniel Hartlieb leitete auf Rügen die Suche nach der von Kreidemassen verschütteten Katharina.

Feuerwehrmann Daniel Hartlieb leitete auf Rügen die Suche nach der von Kreidemassen verschütteten Katharina.

© Alexander Müller

Rostock. Wenn Daniel Hartlieb in die Nähe von Kap Arkona kommt, kommen auch die Bilder wieder: Ein Jahr ist es her, dass die zehnjährige Katharina bei einem Strandspaziergang auf Rügen vor den Augen ihrer Mutter unter Geröllmassen begraben wurde. Hartlieb war es, der die 400 Helfer koordinierte, die verzweifelt nach dem Mädchen suchten. Es war ein Kampf gegen Kälte, Sturm und Erschöpfung. Feuerwehrmann Hartlieb und seine Helfer verloren ihn: Erst einen Monat nach dem Unglück wurde die Leiche der Zehnjährigen an Land gespült.

Der Tag, der Hartliebs Leben für immer verändern sollte, war der 26. Dezember 2011. Der Feuerwehrmann genoss mit seiner Familie den Feiertag, als die Weihnachtsstimmung abrupt verflog: An Rügens nördlichster Spitze war ein 70 Meter hoher Hang ins Rutschen geraten, eine Urlauberin aus Brandenburg und ihre beiden Mädchen waren von Geröll und Kreideschlamm verschüttet worden. Die Mutter und die 15-jährige Tochter konnten die Retter schnell aus dem Kreideschlamm befreien. Von der zehnjährigen Katharina aber fehlte jede Spur.

Eine für die Insel Rügen beispiellose Suchaktion begann. „Es war mein schwierigster Einsatz“, sagt Hartlieb, der hauptamtlich im Ordnungsamt des Ostseebades Binz arbeitet.

„Im ersten Moment funktioniert man nur.“ Das kennt Hartlieb von vielen Einsätzen. Er ist seit 18 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr und inzwischen Kreiswehrführer für die ganze Ostseeinsel. Doch wenn die Kameraden zu Bränden oder Unfällen ausrücken, sind sie nach ein paar Stunden zurück. Die Suche nach Katharina dauerte zwei Wochen.

Daniel Hartlieb koordinierte 400 Rettungskräfte, die mit Schaufeln und schwerer Technik, mit Wärmebildkameras, Schlauchbooten und Spürhunden nach dem Kind suchten. Bei Kälte, Sturm und Hochwasser. Hüfttief standen die Helfer in Fluten und Schlamm. „Wir wollten Katharina unbedingt finden“, sagt der 34-Jährige. „Auch als immer wahrscheinlicher wurde, dass sie kaum noch leben konnte.“ Wie seine Männer bekam der Einsatzleiter kaum Schlaf, arbeitete bis zur Erschöpfung. Weil sich immer wieder Kreide, Mergel und Geröll vom Kliff lösten, musste Hartlieb die Suche mehrfach unterbrechen um die Helfer nicht zu gefährden. „Die schwerste Entscheidung war die am 8. Januar“, sagt er heute. An diesem Tag wurde die Suche eingestellt.

Zusammen mit Polizeiseelsorger Andreas Schorlemmer brachte er der Mutter die traurige Nachricht ins Krankenhaus. „Ich wollte ihr persönlich sagen, dass wir wirklich alles Menschenmögliche versucht hatten.“ Tage später kam er für die Trauerfeier für die vermisste Katharina zurück ans Kap. Genau wie am 31. Januar, als das Meer 36 Tage nach dem Unglück die Leiche des Mädchens freigab. Als Katharina in Brandenburg beigesetzt wurde, war Hartlieb auch wieder vor Ort.

Der tagelange Kampf gegen die Naturgewalten, Erschöpfung, Enttäuschung, Verzweiflung und Trauer - all das hat Hartlieb geprägt. „Bis heute bedrückt ihn, „dass wir Katharina der Mama nicht lebendig übergeben konnten“. Seit dem Sommer hat er selbst einen Sohn. „Wenn unser Kleiner uns morgens anlacht, etwas Schöneres gibt es nicht“, sagt der junge Vater. „Aber wie schnell kann alles vorbei sein!“

Daniel Hartlieb hat das tragische Ereignis verarbeitet, wie er sagt. Vergessen wird er die dramatischen Tage nie.

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