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Die Schule des Lebens

Ausschlafen. Das wäre doch etwas an diesem schulfreien Tag. Nicht für Veljko Tomovic: Um Punkt sieben tritt er seinen Dienst bei der Kieler Bahnhofsmission an. Nur ein Ehrenamt von vielen. „Ich habe Zeit. Die will ich sinnvoll nutzen“, sagt er. Es klingt verblüffend abgeklärt für einen 16-Jährigen.

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Veljko Tomovic arbeitet ehrenamtlich bei der Kieler Bahnhofsmission.

Quelle: dpa

Kiel. Natürlich stolpert die Zunge über den Vornamen. „Mein Vater ist Serbe, meine Mutter Deutsche.“ Das ist ihm wichtig. Die Grenzgänge, die Urlaube in Serbien hätten ihn geprägt. „Der Nationalismus dort stößt mich ab. Aber wie die Menschen, die materiell viel ärmer sind als wir, sich helfen, teilen, Lebensfreude haben, das ist beeindruckend.“ Vielleicht meldet er sich deshalb, als in der 8. Klasse Schüler für Pflegeheimbesuche gesucht werden. Drei Jahre lang geht er mit einem Freund jede Woche zu einer alten Dame. Die Initialzündung. Er habe dabei viel gelernt, über Politik, Geschichte, Werte, Lebenserfahrung. Aber vor allem eins: „Sie sagte oft, sie warte die ganze Woche auf diese Abwechslung. Da ist mir klar geworden, dass ein bisschen von meiner Zeit für andere wirklich etwas bedeuten kann.“

Er ist noch 13, als er bewusst nach weiteren Ehrenämtern sucht – und umgehend sein zweites Schlüsselerlebnis bekommt. Bei der Tafel schickt man ihn aus versicherungsrechtlichen Gründen wieder nach Hause. Er hält das Argument für vorgeschoben, die Entscheidung für verheerend. „Damals wäre mein Engagement fast zu Ende gewesen. Was ist das für ein Signal, wenn man junge Leute, die sich einsetzen wollen, wegschickt?“

Veljko lässt sich nicht abschrecken, findet über das Ehrenamtsbüro andere Orte für sein Engagement. Heute hilft er Kindern beim Lernen, die Nachhilfe nicht bezahlen können. Ist als Jugendbotschafter der Lions aktiv und bei SchülerHelfenLeben, hilft im Weltladen und bei der Bahnhofsmission, engagiert sich in der Schülervertretung auf Schul-, Kreis- und Landesebene, ist bei „Jugend im Landtag“ ebenso dabei wie beim Jugend-Integrationsgipfel der Bundesregierung … Und immer wieder hört er, dass andere Jugendliche auch gern aktiv wären, aber nicht wissen, wie und wo. Also entwickelt er die Internet-Plattform www.engagier-dich-sh.de - ein unkomplizierter Weg zum Ehrenamt. „Als Nächstes will ich noch mehr Organisationen dazu bringen, auch junge Ehrenämtler zu akzeptieren.“

Zurzeit gibt der Sohn eines Facharbeiters zu, läuft das Gymnasium eher nebenher. „Aber ich bin schon ehrgeizig, will ein Super-Abi machen für eine freie Studienwahl.“ Dann blickt er kurz von seinem kleinen Zimmer über den Trabanten-Stadtteil, in dem die Familie lebt. „Doch ganz ohne Ehrenamt, das kann ich mir nicht vorstellen.“ Der Austausch mit anderen, diese Schule des Lebens, würde ihm einfach zu sehr fehlen.

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