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„Ich bin kein Kaffeeklatsch-Häkel-Typ“


Renate Paul aus Hoya setzte sich für eine abgeschobene vietnamesische Familie ein – und erreichte deren Rückkehr.
Foto: Renate Paul ist kein kein Kaffeeklatsch-Häkel-Typ.

Renate Paul ist kein kein Kaffeeklatsch-Häkel-Typ.

© Philipp von Ditfurth

Hoya. Eine ausgeprägte soziale Ader hatte Renate Paul schon immer. Sie arbeitet im Kirchenvorstand, leitet ehrenamtlich die Diakonie und die Sozialstation in Hoya. Seit kurzem engagiert sich die 61-Jährige auch in der Jugendarbeit, ein vollkommen neues Feld für sie, wie sie selbst sagt. Aber Paul liebt die Herausforderung, rumsitzen ist nicht ihr Ding. Sie sei kein „Kaffeeklatsch-Häkel-Typ“. „Ich muss einen Sinn in dem sehen, was ich tue“, sagt die gebürtige Ostfriesin.

Den sieht Paul in ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Zudem arbeitete die 61-Jährige bis vor einem Jahr als Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Hoya. „Ich war die Anlaufstelle und hatte für jeden ein Ohr“, sagt Paul. Das Leben habe es stets gut mit ihr gemeint, deshalb sehe sie es als ihre Pflicht an, Menschen zu helfen, denen es nicht so gut geht.

Wenig verwunderlich erscheint da Pauls hingebungsvoller Einsatz im Abschiebedrama um die Hoyaer Familie Nguyen. Diese war im November 2011 nach 19 Jahren in Deutschland nach Vietnam abgeschoben worden. Nur die damals 20-jährige Tochter hatte bleiben dürfen. Die Vorgehensweise der Behörden hatte in Niedersachsen breite Empörung hervorgerufen, weil die Familie in Hoya gut integriert war. Dank des Einsatzes zahlreicher Unterstützer aus dem gesamten Ort, konnten Vater, Mutter sowie deren ein und neun Jahre alten Kinder nach vier Monaten nach Deutschland zurückkehren.

Bei Paul liefen während dieser Zeit die organisatorischen Fäden zusammen. Sie führte Telefonate, schrieb Briefe und E-Mails, vereinbarte Treffen mit Behörden. Eine schwere Zeit, in der sie viele Rückschläge in Kauf nehmen musste. Doch Paul ließ sich nicht unterkriegen. Sie packt gerne an, wenn es kniffelig wird. „In einer solchen Situation entwickelt man Biss, Hartnäckigkeit und Ehrgeiz“, sagt die 61-Jährige. Jeden zweiten Tag rief sie in Vietnam an und gab den Nguyens Anweisungen, um an Visa und Pässe zu gelangen. „Wir haben uns oft gestritten, weil sie zu bescheiden waren“, erinnert sich die zweifache Mutter. Deshalb habe sie dem Ehepaar immer wieder energisch ins Gewissen geredet. Mit „Gefühlsduselei“ kann die 61-Jährige nicht viel anfangen, sie wollte ihre Freunde vielmehr stärken und aus ihrer Lethargie herausholen.

Das Erlebte hat Paul und die Nguyens zusammengeschweißt. Die Freundschaft, die bereits vor der Abschiebung bestand, ist heute umso enger. Aus vormals eher verhaltenen, höflichen Begegnungen, sind herzliche, fast familiäre Treffen geworden. „Wir sehen uns alle zwei Wochen und natürlich zu Geburtstagen“, sagt die Kirchenvorsteherin. Dann gebe es immer leckeres vietnamesisches Essen in rauen Mengen. Vater Tuong koche leidenschaftlich gern und viel. So viel, dass Paul oft mit tütenweise Frühlingsrollen bepackt nach Hause geht.

„Sie wollen mir immer noch zeigen, wie dankbar sie sind, aber für mich brauchen das nicht“, sagt Paul. Den Vorschlag, ihren Garten zu pflegen, habe sie dankend abgelehnt. Allerdings sei es schon ein wenig schwer, den Asiaten deutlich zu machen, dass es keinerlei Taten zur Wiedergutmachung bedarf. „Wegen der anderen Mentalität“, vermutet Paul. Gern habe sie aber zugestimmt, als Tuong Nguyen anbot, für Kinder aus Weißrussland, die zu Besuch in der Kirchengemeinde waren, zu kochen.

Eines steht für Paul fest: Trotz der vielen Höhen und Tiefen, die sie durchmachen musste, um der Familie zu helfen, hat sie bis heute nichts bereut. „Ich würde das alles genauso wieder tun“, sagt die Hoyaerin. 

 von Sarah Dettmer

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