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Familien stehen im Fokus von Hannovers Politik

Kommunalwahl Familien stehen im Fokus von Hannovers Politik

Familien stehen im Fokus von Hannovers Politik: Am 11. September ist Kommunalwahl – dann entscheiden die Wähler auch darüber, wie es mit der Kinderbetreuung weitergeht.

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Spielplätze sind in Hannover nicht überall so modern ausgestattet wie dieses Vorzeigeexemplar am Bothfelder Anger. Die Kommunalpolitiker in den Räten entscheiden, wie viel Geld in welchen Stadtteil fließt – und wie es dort verwendet wird.

Quelle: Florian Wallenwein

Hannover. Familienpolitik gehört längst nicht mehr zum „Gedöns“, wie noch Gerhard Schröder zu seiner Zeit als Ministerpräsident meinte. Themen wie etwa die Forderung nach ausreichender Kinderbetreuung, bezahlbarem Wohnraum für Familien und attraktiven Freizeitangeboten für Kinder stehen ganz oben auf der politischen Agenda der Parteien, auch in dem jetzt anlaufenden Kommunalwahlkampf.

SPD und CDU überbieten sich geradezu in der Zahl der Krippen- und Kindergartenplätze, die es noch zu schaffen gilt, um der steigenden Nachfrage Herr zu werden. 17.000 Kinder unter sechs Jahren leben derzeit in Hannover, das sind 1300 mehr als noch vor vier Jahren. Für die Stadt ist das eine erfreuliche Entwicklung, wie Oberbürgermeister Stephan Weil nicht müde wird zu betonen, aber auch eine Herausforderung. Schon jetzt fließen 118 Millionen Euro aus der klammen Stadtkasse in die Kinderbetreuung, und die Kosten werden steigen. Denn bereits in zwei Jahren wird der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz wirksam. Das bedeutet, dass jedem, der eine Betreuungsmöglichkeit für sein Kind im Alter von ein bis drei Jahren sucht, auch ein freier Platz angeboten werden muss. Die Stadt steht in der Pflicht: Bis 2013 will sie 1800 zusätzliche Krippenplätze schaffen. Ob das ausreicht, um den Rechtsanspruch einzulösen, wagen selbst Experten nicht zu prognostizieren – besonders in einer Großstadtregion, in der vielfach beide Elternteile berufstätig sind. Fest steht, dass die Wartelisten für Krippengruppen seit Jahren lang sind, sodass Eltern ihre Kinder oft an mehreren Einrichtungen gleichzeitig anmelden.

Um die Anmeldungen für einen Kita- oder Krippenplatz besser koordinieren zu können, hat die FDP kürzlich eine zentrale Anmelde- und Vergabestelle bei der Stadtverwaltung ins Gespräch gebracht. Inzwischen können auch die anderen Parteien dem Vorschlag etwas abgewinnen. Nach der Sommerpause soll es eine Expertenanhörung zu dem Thema geben. Träger von Kindertagesstätten fordern schon lange, die Anmeldungen zentral zu organisieren.
Familienpolitik erschöpft sich aber nicht in der Frage der Kinderbetreuung. Immer mehr Familien wollen wieder im Stadtgebiet wohnen, oder genauer gesagt: Der Trend, nach der Familiengründung ins Umland zu ziehen, wird allmählich gestoppt. Auch dies ist eine erfreuliche Entwicklung, aber wiederum eine neue Herausforderung. So registriert etwa der Spar- und Bauverein eine wachsende Nachfrage nach geräumigen, familiengerechten Mietwohnungen. Zwar entstehen im Stadtgebiet immer mehr Reihenhäuser, etwa in der List und in der Nordstadt, aber das Interesse ist so groß, dass diese Häuser meist schnell verkauft sind.

Die Familienfreundlichkeit einer Stadt bemisst sich auch daran, wie viele Orte sie für Eltern und ihre Kinder schafft. Seien es Cafés, in denen Kinder ausdrücklich willkommen sind, oder Theater und Kinos mit einem auf Familien abgestimmten Programm oder ganz einfach attraktive Spielplätze. 388 gibt es von ihnen im Stadtgebiet, hinzu kommen neun Spielparks und 152 Bolzplätze. Das hört sich viel an – aber nicht jede Spielfläche in den Stadtteilen lädt zum Verweilen ein. Manchmal sind die Geräte veraltet, die Sandkästen verschmutzt, die Wiesen mit Scherben übersät. Gerade in sozialen Brennpunkten, so monieren die Grünen, müsse noch mehr auf die Attraktivität von Spielplätzen geachtet werden. In Stadtteilen mit sozial starken Milieus kümmern sich Eltern oft selbst um ihre Spielplätze und weisen die Stadt auf Defizite hin.

Bei der Kommunalwahl am 11. September wird sich entscheiden, welche familienpolitischen Schwerpunkte in der kommenden Ratsperiode gesetzt werden. In der Frage der Kinderbetreuung sind sich die Parteien allerdings weitgehend einig: je größer das Angebot an Betreuungsplätzen, desto besser.

HAZ lädt ein zur Diskussion

Die heiße Phase des Kommunalwahlkampfs hat begonnen. Die Parteien stellen Forderungen auf, kritisieren den politischen Gegner und zeigen, was sie anders oder besser machen wollen. Die HAZ gibt ihren Lesern Gelegenheit, die Positionen der Kommunalpolitiker auf Herz und Nieren zu prüfen. Bei insgesamt drei HAZ-Podiumsdiskussionen werden Vertreter aller Fraktionen Rede und Antwort stehen. Für die erste Veranstaltung sind heute Anmeldungen möglich.

Los geht es am kommenden Montag, 22. August, mit dem Thema „Familien“. Wie steht es eigentlich mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Hannover, was kann die Stadtpolitik verbessern? Diese und ähnliche Fragen sollen ab 18 Uhr in den Räumen des Pressehauses, August-Madsack-Straße 1, erörtert werden. Aber Familienpolitik erschöpft sich nicht in der Frage der Kinderbetreuung. Wie familienfreundlich ist Hannover wirklich? Gibt es genügend bezahlbaren Wohnraum für Familien? Christine Kastning (SPD), Oliver Kiamann (CDU), Maaret Westphely (Grüne), Jens Meyburg (FDP) und André Zingler (Linke) werden sich den Fragen aus dem Publikum stellen. Moderiert wird die rund zweistündige Diskussion von HAZ-Redakteur Andreas Schinkel.

Die kommenden HAZ-Podiumsdiskussionen drehen sich um die Jugend- und Seniorenpolitik. Zu beiden Veranstaltungen wird die HAZ rechtzeitig einladen.

Der Eintritt zu allen Podiumsdiskussionen ist frei. Weil die Teilnehmerzahl aber auf 150 Zuschauer begrenzt ist, bitten wir dringend um Anmeldung unter der Rufnummer 0180-1234656. Ein Anruf kostet 3,9 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise können abweichen. Unsere Mitarbeiter nehmen Ihre Anmeldung für die Diskussion zum Thema „Familien“ heute zwischen 6 und 20 Uhr auf.

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