Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Hannovers Radwege-Debatte entzweit Rot-Grün

Krach unter Koalitionspartnern Hannovers Radwege-Debatte entzweit Rot-Grün

Wenige Wochen vor der Kommunalwahl droht zwischen den rot-grünen Koalitionspartnern in der Landeshauptstadt ein handfester Krach. Grund ist der Vorschlag des stellvertretenden Grünen-Fraktionschefs, Michael Dette, die Stadt möge die Radwegebenutzungspflicht aufheben und Radfahrern grundsätzlich das Befahren der Straßen freistellen.

Voriger Artikel
575 Bewerber für den Rat der Stadt Hannover
Nächster Artikel
SPD stellt Wahlplakate in Hannover auf

„Einen hohen Sanierungsbedarf“ sieht die CDU bei den Radwegen in Hannover.

Quelle: Daniel Reinhardt

Hannover. Dazu hat sich jetzt der hannoversche SPD-Vorsitzende Alptekin Kirci zu Wort gemeldet. „Wir sind hier deutlich unterschiedlicher Meinung“, sagte er. Die Grünen hätten mit ihrer Forderung ein „Kampffeld eröffnet“. Hannover habe mehr als 500.000 Einwohner, hier müssten die Interessen aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden, meinte der SPD-Vorsitzende.

Dass der Vorschlag der Grünen für alle Verkehrsteilnehmer Nachteile bringe, zeigt sich nach Auffassung Kircis am Engelbosteler Damm. „Dort haben wir seit dem Umbau massive Probleme“, berichtet der SPD-Chef. Denn die Radfahrer, die eigentlich auf der Straße fahren sollten, flüchteten auf den Fußweg, weil sich die Autofahrer nicht an das Tempo 30 hielten. Dadurch komme es zwischen Radfahrern und Fußgängern häufig zu Auseinandersetzungen.

Grünen-Politiker Dette bleibt trotz der deutlichen Worte vom größeren Koalitionspartner bei seinen Vorschlägen. Und in seinen Worten ist Verärgerung über die Haltung der SPD und deren Vorsitzenden zu spüren. „Herr Kirci will schon mit uns nicht über Tempo 30 für Autofahrer reden“, sagte er. Es sei bemerkenswert, dass er jetzt mit dem Fahrradwegethema ähnlich umgehe. „Wenn wir nach der Wahl ein Koalitionspapier machen, werden wir auch darüber reden“, sagte der Grünen-Politiker. Kirci sei noch nicht allzu lange im Amt und müsse noch einiges lernen. Die Radfahrer in Hannover bräuchten einfach mehr Platz, und viele Radwege seien zu eng, sagte Dette.

Nach Auffassung der CDU ist der schlechte Zustand etlicher Radwege das eigentliche Problem. „Es gibt hier einen hohen Sanierungsbedarf“, sagte Jens Seidel, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat. Die Asphaltdecken vieler Radwege seien defekt und müssten dringend repariert werden. Im Haushalt seien dafür aber nur 100.000 Euro eingestellt. „Das reicht vorn und hinten nicht“, meinte Seidel. Vor diesem Hintergrund wundere es ihn allerdings nicht, dass die Grünen nun für die Verlagerung des Radverkehrs auf die Straßen plädierten. Die Partei sollte sich einmal daran erinnern, dass sie es war, die sich vor zehn Jahren vehement für den Ausbau von Radwegen starkgemacht habe, sagte Seidel.

Der Fraktionschef der Linken, Oliver Förste, bezeichnete es als unverständlich, dass die Grünen Radfahrer zu „lebenden Verkehrshindernissen für Autofahrer“ machen wollten. Die beste Lösung sind seiner Ansicht nach gekennzeichnete Radwege auf der Straße. Auch die FDP hält nichts vom Vorschlag der Grünen.

Mathias Klein
 und Volker Goebel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Straßenverkehr

Die Forderung der Grünen, Straßen generell für Radfahrer freizugeben, wird in der Stadt heiß diskutiert. Aus Sicht der Polizei macht eine solche Maßnahme durchaus Sinn, wie deren Verkehrsexperte Gerd Schöler im Interview mit der HAZ erklärte.

mehr
Mehr aus Hannover
  • Der Fall De Haën
    Achtung, radioaktive Belastung!

    Am Lister De-Haën-Platz haben Experten Schwermetalle und eine erhöhte radioaktive Belastung entdeckt. Alles zum Thema. mehr

  • Unsichere Zeiten fürs Ihme-Zentrum

    Der längst überfällige Umbau des Ihme-Zentrums schien gut voranzugehen. Dann gab es Probleme. Alles zum Thema. mehr

  • Großbaustelle Kröpcke-Center

    Das Kröpcke-Center halten viele für Hannovers hässlichsten Betonklotz. Das soll sich ändern: Ein Totalumbau im Herzen der Stadt. mehr

Nachrichten aus der Region