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Womit die Parteien auf Plakaten punkten wollen

Kommunalwahl Womit die Parteien auf Plakaten punkten wollen

Der Wahlkampf ist an vielen Straßen Hannovers sichtbar. Doch welche Slogans bleiben im Gedächtnis haften, welche Motive gehören zu den sprichwörtlichen Hinguckern? Zwei Profis haben die Wahlplakate im Auftrag der HAZ bewertet.

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Hannover
Plakate
Speziallisten Stein und Eicke bewerten die Plakate
(Foto/Rainer Surrey)

Hannover. Bisher fällt auf, dass die Sachthemen überwiegen und nur wenige Kandidatenköpfe zu sehen sind. Aber welche von den Slogans bleiben im Gedächtnis haften, welche Motive gehören zu den sprichwörtlichen Hinguckern? Die HAZ hat zwei Profis um eine Bewertung gebeten, zum einen Christina Eike, wissenschaftliche Hilfskraft an der Fachhochschule, Bereich visuelle Kommunikation, zum anderen Andreas Stein, Geschäftsführer der renommierten Agentur Steindesign.

Jede Plakatserie will eine bestimmte Wirkung erzielen, eine Botschaft übermitteln. So setzt die SPD auf eine Art Wohlfühlkampagne. „Wir wollen mit unseren Motiven zeigen, dass die Menschen gern in Hannover leben und darauf hinweisen, was Rot-Grün alles geleistet hat“, sagt der Chef des SPD-Stadtverbands, Alptekin Kirci. Exemplarisch stehe für diesen Anspruch das Bild von Oberbürgermeister Stephan Weil, der auf einer sonnigen Wiese mit einer Mutter und ihrem Kind ins Gespräch vertieft scheint. Die CDU erhebt dagegen den Zeigefinger und mahnt auf ihren Plakaten zur „Verantwortung“. „Nicht nur die Politiker, alle Bürger sollen sich für Sauberkeit, Sicherheit und eine bessere Zukunft einsetzen“, sagt CDU-Mann Wilfried Lorenz, der an der Plakatserie mitgearbeitet hat.

Die Grünen zielen darauf ab, bundespolitische Themen „auf die kommunale Ebene herunterzubrechen“, wie Wahlkampfkoordinator Jan Haude sagt. So wurden mehrere Plakate zur Energiewende entwickelt, etwa ein Bild, das Arbeiter auf einem Solardach zeigt, oder Windräder, die vor strahlend blauem Himmel rotieren.

Die FDP scheint sich hingegen mit dem durchgehenden Slogan „Stark vor Ort“ von der bundespolitischen Ebene absetzen zu wollen. „Die Kernbotschaft lautet ganz klar: Wir brauchen in Hannover eine solide Finanzpolitik“, sagt Wilfried Engelke, stellvertretender Vorsitzender des FDP-Stadtverbands. Als einer der wenigen Politiker wirbt er auf Großplakaten mit seinem Konterfei. Die Linken verzichten auf Bilder. „Bei uns steht der Widerstand gegen Privatisierungen im Mittelpunkt“, sagt Kreisverbandschefin Maren Kaminski.

Die Analysen im Einzelnen:

SPD

Von den SPD-Plakaten zeigen sich Andreas Stein und Christina Eike gleich angetan, nicht wegen der politischen Botschaften, sondern aufgrund der Gestaltung. „Das wirkt sehr modern und sehr dynamisch“, sagt Grafikdesignprofi Stein. Wie sich die hellen Kästen rund um die Schriftzüge überlappen und dennoch so transparent sind, dass die Fotomotive durchscheinen, das sei schon handwerklich sehr gut gearbeitet. Oben links in der Ecke besitze jedes Plakat mit dem roten Wahlhinweis einen sogenannten Störer, der das gesamte Bild auflockert. Mit dem Slogan und dem Parteilogo am unteren Plakat-rand habe man dann einen runden Abschluss gefunden. „Bilder und Text passen sehr gut zusammen und transportieren viel Gefühl“, sagt Eike. Auch die Schrift sei gut ausgewählt und leicht lesbar. „Sie gefällt mir besser als die Großbuchstaben auf den Plakaten der Grünen“, sagt die angehende Grafikdesignerin. Einzig die Texte, so moniert Stein, könnten mehr Pfiff vertragen. Die Botschaften seien zwar verständlich, aber sehr plakativ.

CDU

Das könnte besser sein, meinen Christina Eike und Andreas Stein zu den Entwürfen der CDU. Das Motiv der tauziehenden Regionspolitiker strahle kaum Dynamik aus, sagt Eike, und stehe damit im Widerspruch zum Slogan „Zugkraft für die Region“. „Zudem ist der blaue Streifen, mit dem der Schriftzug unterlegt ist, eigenartig verwaschen. Das zeugt nicht von Standhaftigkeit, die ja ebenfalls zum Ausdruck gebracht werden soll“, sagt die angehende Grafikdesignerin. Andreas Stein empfindet das Plakat als überaus „bieder“. „Das passt eher zu einer Jugendherberge“, sagt er. Etwas besser beurteilen beide die neuen Motive der CDU für das Stadtgebiet. Aber auch hier bemängeln sie, dass die Botschaft nicht sogleich klar wird. „Über den Zusammenhang von Umwelt und Straße muss ich erst nachdenken“, sagt Stein. Das dauere aber zu lange, ein Plakat sollte in einem Augenblick erfasst werden können. „Sonst könnte ich ja gleich eine Broschüre herausgeben“, sagt er.

Grüne

Viel Lob erntet die Plakatkampagne der Grünen. „Die ganze Reihe ist hervorragend durchgestaltet“, urteilt Profidesigner Andreas Stein. Die Plakate seien alle ähnlich aufgebaut, mit einem deutlich sichtbaren Schriftzug im oberen Bereich, dem Grünen-Logo und dem Slogan darunter. Nur das Symbolbild ändere sich je nach Thema, das angesprochen wird. Die Plakatkampagne hat somit einen hohen Wiedererkennungswert“, sagt Stein. Auch die Botschaften erschlössen sich dem Betrachter auf Anhieb. „Besonders gefallen mir die Wortspiele. Sie sind nicht zu verkopft, dennoch lässt sich eine Weile darüber nachdenken“, sagt Studentin Christina Eike. Auch die frischen, freundlichen Farben sprächen den Betrachter sofort an. „Da haben die Grünen aber auch Glück, dass sie die Grünen sind“, meint Stein augenzwinkernd. Ihm gefällt auch der Slogan „Wir machen das klar“, der sowohl frech als auch bodenständig wirke und verschiedene Zielgruppen ansprechen könnte. Einzig an der Schrift haben die beiden Designer etwas auszusetzen. „Dass alles nur in Großbuchstaben geschrieben ist, erschwert den Lesefluss“, sagt Stein.

Ansonsten aber sei die Kampagne handwerklich gut gemacht und in sich stimmig. „Mir sind die Plakate im Stadtbild schon zuvor positiv aufgefallen“, sagt der Grafikdesigner.

FDP

Die FDP hat einen großen Vorteil, meint Grafikdesigner Andreas Stein. Die Farben der Partei seien derart einprägsam, dass ihre Plakate immer wiedererkannt werden. Zudem vermittele das Motiv mit dem Sparschwein eine klare, einprägsame Botschaft, die auf einen Blick zu erfassen ist. „Auch die Gestaltung ist gelungen, alles wirkt sehr ausgewogen“, sagt Christina Eike von der Fachhochschule. Sympathischer findet sie aber das Kandidatenplakat von Wilfried Engelke. „Mit einem freundlichen Gesicht wird eine emotionale Verbindung aufgebaut“, urteilt sie. Zudem spreche der sogenannte QR-Code links unten auf dem Engelke-Bild eine jüngere Zielgruppe an. Lässt man sein Smartphone den Zeichensalat einscannen, wird sogleich eine Verbindung zu Engelkes Website im Internet hergestellt. „Der Mann geht mit der Zeit“, sagt Stein anerkennend. Die Botschaft dieses Plakats aber sei äußerst gering, kritisiert er. Sie lautet nur: Hier bin ich, wählt mich. Es werde kein Sachthema angesprochen, nichts, wofür der Kandidat stehen könnte.

Die Linke

Beim Anblick der Plakate der Linken legen Andreas Stein und Christina Eike die Stirn in Falten. „Da steht zu viel Text, die Bilder fehlen und damit auch die emotionale Ebene“, sagt die Designstudentin. Zwar habe man mit Rot und Gelb zwei auffällige Farben gewählt, sodass die Plakate kurzzeitig die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Aber die Botschaft des Plakats erschließe sich nicht. „Wenn das Motiv ein paar Meter hoch an einem Laternenmast hängt, kann ich das Kleingedruckte kaum noch lesen“, sagt Grafikdesigner Stein. Im Vorbeifahren mit Fahrrad oder Auto sei der Sinn erst recht nicht entzifferbar. „Hier war offenbar kein Profi am Werk“, sagt Stein. Und wenn doch, dann müsse er noch einmal darüber nachdenken, ob er den richtigen Beruf gewählt habe. Der Zusammenhang zwischen den tanzenden Symbolen für Weiblichkeit am unteren Bildrand und der fett gedruckten Zeile bleibe höchst unklar. „Das Ganze ist kryptisch und verkopft“, urteilt Stein. Tatsächlich kommen auch die restlichen Plakatmotive der Linken ohne Bilder aus und setzen ganz auf eine großformatige Schrift mit einem klein gedruckten Anhang. Für Eike und Stein ist die Kampagne damit „durchgefallen“, wie sie sagen.

WfH

Andreas Stein kommt ins Grübeln, während er das WfH-Plakat betrachtet. „Die Botschaft bleibt unverständlich“, sagt er schließlich. Denn sie impliziert, dass Politiker unanständig sind, aber da die WfH Teil des politischen Betriebs ist, klagt sie sich letztlich selbst an. „Zudem sind die Farben allzu blass geraten“, sagt der Grafikdesigner. Studentin Christina Eike findet den Text zumindest lesefreundlich, das Bild jedoch ziehe die Aufmerksamkeit keineswegs auf sich. „Ein Allerweltsmotiv ohne Spannung, ohne besondere Aussagekraft“, meint sie.

Piratenpartei

Die Piratenpartei hat offenbar gleich drei Plakatkampagnen gestartet, meinen Christina Eike und Andreas Stein. Eine für Filmfans, wie das Foto oben zeigt, eine für Computerfreaks, auf dem der Slogan „Politik 2.0“ zu lesen ist, und eine für Familien, auf dem ein Kind zu sehen ist, das mit Kreide eine Schultafel bemalt. Darunter der Spruch: „Der falsche Ort zum Sparen“. Nur dieses Motiv findet die Zustimmung der Profis. „Das Bild mit dem Segelschiff wird nicht als Wahlwerbung identifiziert und ist deshalb denkbar ungeeignet“, sagt Designstudentin Eike.

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