Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Gelungene Integration mit Sport

Lehrte Gelungene Integration mit Sport

Gemeinsam jubeln, gemeinsam feiern - 2006 war die Welt zu Gast bei Freunden. Doch was ist davon in Deutschland zehn Jahre nach der Fußball-Weltmeisterschaft geblieben? Ein tolerantes und multikulturelles Image sollte geschaffen werden. Und nun?

Voriger Artikel
Ehrenvorsitz für Helmreich
Nächster Artikel
Strand, Spaß und etwas Sonne

Keine Berührungsängste: Groß und Klein, Schwarz und Weiß trainieren beim Mu-Do-Kwan Lehrte gemeinsam.

Quelle: A

Lehrte. Zehn Jahre danach sieht sich die Europäische Union mit einer Flüchtlingskrise konfrontiert, deren Lösung ihr nicht recht gelingen mag. 2015 kamen mehr als doppelt so viele schutzsuchende Menschen nach Deutschland als im Vorjahr und bereits bis Ende März 2016 gab es laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mehr Asylanträge als im gesamten Jahr 2013. Und in Europa scheinen die Staaten überfordert, schließen ihre Grenzen und geraten in Streit miteinander. In Deutschland gewinnen antieuropäische und fremdenkritische Parteien sowie Organisationen an Stimmen und Zuspruch.

Doch erweisen sich Weltoffenheit, Toleranz und Integration wirklich als so schwierig und kompliziert? Ist es so unmöglich, Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen, eine Chance zu geben, sich in einem völlig fremden Land gut einzuleben? Eigentlich nicht. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Stadt Lehrte. Neben der Aktion „Lehrte Hilft“ vom DRK, dem SV Yurdumspor Lehrte und dem Mandela-Team Lehrte gehört auch der Taekwondo-Verein TDC Mu-Do-Kwan Lehrte zu einem wichtigen Träger der Integrationsbewegung. Bei dem Verein handelt es sich um den ältesten Taekwondo-Verein der Stadt.

Als einer der wenigen Sportvereine und als erster Taekwondo-Verein in Lehrte überhaupt setzt sich der Mu-Do-Kwan intensiv für ein Gelingen der Integration ein. Damit nimmt der Verein eine Vorreiterrolle ein. Seit einem halben Jahr trainieren Flüchtlinge und langjährige Mitglieder zusammen. Eine extra Gruppe gibt es weder für Flüchtlinge noch für Frauen. Und das aus einem ganz bestimmten Grund: „Integration durch Sport gelingt am besten durch das gemeinsame Training und den Austausch miteinander. Wir haben bewusst auf getrennte Gruppen verzichtet“, so Vorstandsmitglied und Trainer Jan Hinzmann. Zudem hat das gemeinsame Training einen weiteren positiven Nebeneffekt: Da das Training ausschließlich auf Deutsch stattfindet, kann die Sprache nebenbei leicht gelernt werden. Dies wiederum erleichtert das Einleben im neuen Land und der neuen Stadt, denn Sprache ist der Schlüssel zur Integration.

Immer freitags trainieren alle Erwachsenen und Jugendlichen ab 11 Jahren in der Sporthalle Lehrte-Süd zusammen. „Inzwischen kommen sogar Flüchtlinge aus Braunschweig nach Lehrte, da der Mu-Do-Kwan der einzige Verein in der Umgebung mit integrativem Training ist“, ergänzt Jugend- und Erwachsenentrainerin Lea Vergin. Angefangen hat das Integrationstraining mit einem Besuch bei der Aktion „Lehrte Hilft“ vom DRK Ortsverband. Im „Montagscafé“ treffen sich Flüchtlinge und Mitarbeiter des DRK, um gemeinsam zu lernen, sich auszutauschen und zu unterstützen. Der Mu-Do-Kwan stellte damals sein neues Projekt vor und lud zu einem Tag der offenen Tür ein. Anfang November trainierten erstmals über 30 Flüchtlinge und Taekwondoka zusammen. Seitdem findet dieses Training dauerhaft statt. Zwei der neuen Mitglieder, Nasir Balkhy (2. Dan) und Hedayatullah Bashiri (1.Dan), unterstützen inzwischen den Mu-Do-Kwan auch als Co-Trainer.

Durch sein Engagement für Flüchtlinge und seinen Einsatz für Weltoffenheit nimmt der Mu-Do-Kwan auch als Gastreferent beim Integrationsforum des Regionssportbunds teil. Zudem kommen bereits Anfragen anderer Vereine, die ebenfalls ein Integrationstraining aufbauen wollen, nach Unterstützung und Beratung. Unter dem Motto „Kampfsport verbindet - Mit Taekwondo in ein neues Leben“ nimmt der Mu-Do-Kwan zudem an der Aktion „Sterne des Sports“ teil.

Das Beispiel des TDC Mu-Do-Kwan Lehrte zeigt, dass die Integration von Flüchtlingen nicht nur gelingen kann, sondern auch Spaß macht. Der Austausch untereinander lässt alle Mitglieder, alte wie neue, Neues lernen, fördert Toleranz und setzt ein Zeichen für Weltoffenheit. Gemeinsam und zusammen - und die Welt ist wieder zu Gast bei Freunden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lehrte