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Polonaise zwischen Pappvasen

So wohnt Hannover Polonaise zwischen Pappvasen

Für HAZ.de öffnen Hannoveraner ihre Wohnungstüren. Die Wohnung von Berit Lüdecke und Heiko Büttner in der Oststadt ist eine weiße Wucht – kombiniert mit skandinavischem Minimalismus. Klingt widersprüchlich? Sehen Sie selbst!  Der siebte Teil unserer Serie „So wohnt Hannover“.

Minimalismus mit Augenzwinkern: Berit Lüdecke und Heiko Büttner zeigen ihre Altbauwohnung in der Oststadt.

Quelle: Thomas

Hannover. Das Licht fällt gleißend hell in die Wohnung und trifft dort auf weiße Wände, die bis zum Himmel zu reichen scheinen. Das Bogenfenster im Esszimmer und imposante Stuckdecken komplettieren das Bild: Der 140-Quadratmeter-Altbau mit den 3,80 Meter hohen Räumen hätte auch eine majestätische Residenz werden können – doch die Designer Berit Lüdecke und Heiko Büttner hatten andere Pläne.

„Schein-Einrichten, also dieses Repräsentative mit Kristallkronleuchtern und effektvoller Beleuchtung, ist gar nicht meins“, sagt die 37-Jährige. Sie hält sich lieber an den skandinavischen Stil: Weiße Möbel, helles Holz und alles möglichst minimalistisch. Aber Moment: Eine Schaufensterpuppe im Badeanzug? Ein Stuhl in Zahnform? Ein Kühlschrank, der CDs beherbergt? Die Dreizimmerwohnung am Weißekreuzplatz ist auch etwas für den zweiten Blick. „Ikea lässt sich nicht vermeiden. Aber wir haben eine besondere Mischung aus Alt und Neu, aus selbst gemacht und zusammengesucht“, sagt Lüdecke.

Skandinavien trifft Augenzwinkern: Berit Lüdecke und Heiko Büttner stellen ihre Wohnung in der Oststadt vor.

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Die Wohnung fand das Paar ganz klassisch über eine Zeitungsannonce. „Wir wollten eine große Wohnung mit Charme – und die haben meistens ältere Leute, die Zeitung lesen“, erklärt Heiko Büttner. So zogen sie vor fünf Jahren in den Altbau, der um 1900 erbaut wurde. Vom Flur aus gelangt man in das weitläufige Esszimmer und zum Balkon - und danach immer von einem Zimmer ins andere. „Wir nennen es unsere Polonaise-Wohnung. Man kann einmal komplett rundrum laufen“, sagt Büttner. Das verwirrt beim ersten Begehen gründlich. Wer ins Bad geht, muss gleich zwei Türen schließen. Und von der Küche führt ein schmaler Flur zum Eingangsflur. „Ja, manchmal verlieren selbst wir uns hier ein wenig“, meint Lüdecke lachend. 

Orientierung bieten allerlei ungewöhnliche Einrichtungsgegenstände. Das Paar kombiniert und sortiert laufend neue Utensilien  –und testet sie. Denn Lüdecke ist Architektin und gründete vor vier Jahren mit einer Geschäftspartnerin „Snug“, eine Designfirma für Wohnaccessoires. Die sehen so aus wie die Stücke, die Lüdecke auch für ihre Wohnung mag: Funktional, aber ein Stück weitergedacht. So finden sich faltbare Papiervasen, aufhängbare Brotbrettchen oder Küchenschwämme in Wolkenform. Diese Dinge verwischen die Grenze von Hobby und Beruf. Lüdecke fällt das Abschalten manchmal schwer. „Auf eine gewisse Art ist man schon versaut, wenn man beruflich designt. Aber zum Glück bin ich Zuhause nicht so pingelig.“

So gibt es im Schlafzimmer tatsächlich eine Gerümpelecke mit Ausrangiertem. In der dunklen Ecke stapeln sich unliebsam gewordene Lampen, Decken und anderes Beiwerk. Fotografiert sehen will Lüdecke diese Ecke nicht – das wäre dann wohl doch gegen den Designerstolz. Immerhin wird die Ecke schnell leer. Das Paar mistet regelmäßig aus und stellt die Kisten dann an den Weißekreuzplatz. „Die Leute kommen wie die Heuschrecken. Wir stehen dann oben, schauen zu und freuen uns“, sagt Lüdecke und ist ein bisschen stolz.

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An Ideen für Ersatz mangelt es nicht, bei zwei Designern für drei Räume. Im Gegenteil: „Ja, wir streiten auch. Der Einzug war schwierig, weil jeder seine Lieblingsstücke verteidigt hat“, räumt sie ein. Ihr Favorit ist ein Schaukelstuhl, den sie in letzter Minute vor der Sperrmüllabfuhr gerettet hat. Und das ist nicht ihr einziger Fund: Der Schreibtisch im Wohnzimmer, der Stuhl in Zahnform, der Beistelltisch mit Malerklecksen und vieles mehr sind Funde von der Straße. „Wenn ich Sperrmüll sehe, suche ich ihn immer ab – und Heiko schämt sich dann manchmal“, sagt Lüdecke lachend. „Teuer sind hier nur die weißen Panton-Stühle im Esszimmer und das Regal im Wohnzimmer“, sagt Lüdecke. „Wirklich was zu holen gibt es bei uns nicht. Meine Oma würde sagen: Bei euch steht nur wertloses Gelump“, sagt sie lachend.

Das gilt besonders seit der Geburt von Sohn Luk. Denn seitdem kämpft auch die junge Familie mit verstreuten Bauklötzen und schmutzigen Möbeln – ob Designerpaar oder nicht.

Von Sabrina Mazzola (Text) und Michael Thomas (Fotos)

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