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Besuch in der Werkstatt

So wohnt Hannover Besuch in der Werkstatt

Für HAZ.de öffnen Hannoveraner ihre Wohnungstüren. Die Atelierwohnung von Ulli Jahnel in der Oststadt war früher eine Druckerwerkstatt. Der zweite Teil unserer Serie "So wohnt Hannover".

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Quelle: Insa Cathérine Hagemann

Hannover. Am Ende der steilen Treppe ist Licht. Dunkel und schon etwas abgetreten sind die Stufen, die in Ulli Jahnels Atelierwohnung hinaufführen. Oben angekommen fällt der Blick auf eine riesige Sofalandschaft und ein paar Skischuhe. „Ich bin gerade erst aus dem Urlaub zurück“, sagt Jahnel halb entschuldigend. In dem großen Raum fallen sie aber gar nicht ins Gewicht.

Das Atelier gehört zu einem Seminarhauskomplex an der Kronenstraße. Ursprünglich ein Kontorhaus, mit einem Nebentrakt, in dem Druckmaschinen repariert wurden. Im Eingangsbereich zu den zwei Gebäuden zeugt der gerahmte Meisterbrief von Buchdrucker Georg Fransson aus dem Jahr 1922 von alten Zeiten. „Das hier muss das alte Werkstattgebäude sein“, vermutet Jahnel über den früheren Zweck seiner Wohnstätte.

Den Latte macchiato am Morgen genießt Ulli Jahnel am liebsten auf dem Küchentresen.

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Ein leichter Industriecharme geht noch heute von ihr aus. Wände aus geweißten Mauersteinen, der Fußboden mit  Beton ausgegossen. „Schön wolkig“ sollte die Optik wirken. Betonüberzogen sind auch der Tresen und die Arbeitsfläche in der offenen Küche. Aus Ikea-Systemteilen und in Eigenbau hat Jahnel etwas Neues geschaffen. Die Arbeitsflächen bestehen aus einer Spanplatte, die der gelernte Tischler mit Beton gespachtelt und immer wieder geschliffen hat. So entsteht der Eindruck, als würde sich ein Tresen aus dem Fußboden abheben. „Ich mag es nicht, wenn die Möbel im Vordergrund stehen“, sagt Jahnel.

Mit einem Glas Latte macchiato sitzt Jahnel morgens oft auf dem Tresen und schaut aus dem Fenster. Auf Gardinen hat er bewusst verzichtet. Der Blick geht auf den grünen Innenhof und einen Bouleplatz. Im Sommer treffen sich dort die Nachbarn bei einem Glas Wein und spielen eine Runde.  Abends spiegelt sich der Fernsehturm mit dem blau-weißen VW-Logo in den Fenstern des Nachbarhauses.

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Vor Jahnel arbeitete ein Künstler in dem Atelier. „Hier am Fenster stand seine Werkbank und auf der anderen Seite standen hohe Leinwände“, erzählt er. Als der 45-Jährige vor vier Jahren eine Wohnung suchte, sollte es vor allem viel Platz darin geben. „Ich mag es nicht, wenn alles so vollgestellt ist“. Auf 120 Quadratmetern hat er sich ganz nach seinem Geschmack eingerichtet. Eine störende Wand riss er kurzerhand heraus – und entdeckte im Gemäuer eine zweite Säule mit schmuckem Kapitell. Viele seiner Einrichtungsgegenstände hat er per Zufall entdeckt. Da versprüht ein Spieletisch aus einer Haushaltsauflösung Siebziger-Jahre-Charme mit Nussbaumfurnier. Der Clou: An den Ecken lassen sich kleine Ablagebrettchen herausziehen. Da sind die Fotografien an der Wand, die Jahnel nicht gekauft, sondern einfach gemietet hat – bei einem holländischen Kunsthändler in der Südstadt. Und da ist der Messinghobel, der einen Stapel Architekturmagazine beschwert – ein Geschenk zur Gesellenprüfung.

Ulli Jahnel, der als Geschäftsführer von planprozess viel mit Innenarchitektur zu tun hat, wählt mit Bedacht aus, was ihm in die Wohnung kommt. Ein Bücherregal sucht man hier vergebens. „Was ich lese, das verschenke ich anschließend an Freunde oder Kollegen“, sagt er. Nur ein paar Lieblingsbildbände, zum Beispiel einen dicken Geo-Band mit Luftaufnahmen der Erde, dürfen bleiben.

Der Teppich unter dem schweren Rosenholzesstisch ist von einer Messe übrig geblieben. Jahnel stattet beruflich Firmenräume nach deren Corporate Identity aus, zum Beispiel für Messen. Da bleibt schon mal etwas über. Wie die mit Beton überzogenen Bambusrohre oder die aus Stahl geschweißten Skulpturen, die inzwischen als Hutablage und Garderobenständer fungieren.

Die Wohnung ist mit ihren Gegenständen gewachsen. Ganz fertig ist sie nach vier Jahren noch nicht. Hinter der sattgelben Rigipswand befindet sich ein Schlafzimmer –  mit einer kleinen Baustelle. Das Highlight soll einmal ein En-suite-Bad werden – mit Eckwanne, Waschtisch und WC. Das alles hinter einer Glasschiebetür und mit großer Fensterfront. „Dann kann man von der Badewanne in den Himmel gucken.“

Von Heidi Senska (Text) und Insa Cathérine Hagemann (Fotos)

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