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So wohnt Hannover Lister Mischung

Viel Raum für Trends und Trödel – für den fünften Teil der HAZ-Serie "So wohnt Hannover" haben uns Éva Csomós und Simon Florentz aus der List zum Hausbesuch empfangen.

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Éva Csomós, Hund Leo und Simon Florentz: Ihr Wohnung bietet zahlreiche Überraschungen und Entdeckungen.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Diese lange kompakte Kastenform mit den abgerundeten Ecken, dieses helle, etwas abgegriffene braune Leder – das weckt Erinnerungen. Nur an was? Irgendetwas scheint zu fehlen an dem Stück, das bei Éva Csomós und Simon Florentz im Wohnzimmer steht wie ein schwerer Beistelltisch zwischen Ledercouch und Fernseher. „Die Beine haben wir abgemacht“, erläutert Csomós, „das war früher ein Turnpferd.“ Also doch schon mal gesehen – zuletzt beim Geräteturnen in der Schulsporthalle.

Csomós und Florentz haben das Pferd zweckentfremdet, besser: wiederverwertet. Als zweite Sitzgelegenheit am Couch. „Das benutzen wir als Hocker.“ Zwei kleine Tischchen mit weißen Alabasterplatten komplettieren das Ensemble, das zeigt, wie sich Möbel kombinieren lassen. Das ist überhaupt eines der auffälligen Prinzipien im Heim von Csomós und Florentz in einer Seitenstraße im Stadtteil List: Die fünf Zimmer mit Fischgrätparkett im vierten Stock eines Jahrhundertwendebaus sind eingerichtet mit Einzelteilen sehr unterschiedlichen Stils und diverser Herkunft. Lampen, Stühle, Tische kommen vom Trödel, von Scheunenflohmärkten, von Freunden und Verwandten oder vom Sperrmüll. Zusammen ergeben die Stücke, die teilweise 100 Jahre alt sind, jedoch nicht etwa ein Sammelsurium, sondern ein stimmiges Bild: „Wichtig ist, dass irgendetwas den Raum zusammenhält“, erläutert die studierte Designerin.

Im Wohnzimmer ist es die Farbe von dunklem Teakholz: der alte Bauernschrank aus Csomós ungarischer Heimat, für den es sogar ein Museumszertifikat gibt, das Schubladenschränkchen in einer anderen Ecke, das Fell eines argentinischen Rindes am Boden. Dazu kommen spektakuläre Lampen. An der Decke etwa hängt ein wertvolles Stück von Gaetano Sciolari, der mit seinen Entwürfen in den Achtzigern schon die Filmset-Villen von J.R. Ewing und Co. in „Dallas“ ausstattete. „Man sieht, Hollywoodleuchte mit Bauernschrank, das kann funktionieren“, stellt Csomós fest – und hat die Vasensammlung aus weißem Biscuitporzellan noch gar nicht erwähnt.

Sie lieben die 60er Jahre und sammeln Designklassiker: Unsere Serie "So wohnt Hannover" macht Station in der List.

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Es geht noch wilder. Nebenan fügen sich zwei Harry-Bertoia-Drahtsessel vom Sperrmüll mit einer alten norddeutschen Schlachtbank aus Eiche zum Speisezimmer-Ensemble. Dazu ein Bauhaus-Schreibtisch samt Emil-Stejnar-Lampen mit ihrer explodierenden Form. Der große, weiße Ikea-Schrank, der all das beherbergt, was nicht rumliegen soll, fällt da gar nicht auf.

Csomós und Florentz haben ein Auge für den Raum – auch beruflich. Die 43-jährige Designerin gestaltet unter anderem private Wohnungen, Florentz ist Fotograf und Fotodesigner. Beide helfen zudem angehenden Kunststudenten beim Zusammenstellen von Bewerbungsmappen für Hochschulen. Im Internetblog „Emil und die großen Schwestern“ berichtet Csomós aus ihrem Leben, ihrer Arbeit, vom Wohnen, Kochen und Leben. Einen Schwerpunkt bildet auch dort das Wohndesign – mit Einblicken bei anderen Leuten. „Wir wollen zeigen: Wie wohnt man eigentlich?“, sagt Florentz.

Sammler aus Leidenschaft

Die eigenen vier Wände von Florentz und Csomós haben ihren ganz eigenen Charakter: Vor allem Wohn- und Esszimmer tragen den Charme der sechziger Jahre – einer Zeit, die Csomós zu ihrer liebsten Designepoche erklärt: „Die Fünfziger waren zu bieder, die Siebziger hatten zu viel Farbe“, referiert sie. „In den Sechzigern ist Modernität drin, aber auch Schlichtheit.“ Die kunstbeflissene Sammelleidenschaft für Designerstücke macht auch vor naturwissenschaftlichen Objekten nicht Halt.

Im Arbeitszimmer steht ein Apothekerschrank, auf dem Fensterbrett Laborgläser. Und der siebenjährige Sohn Emil hat sich sogar eine Forscherecke eingerichtet: Hinter einem alten Schultisch aus Opas Zeiten hat er Federn, Steine, Muscheln, ein Wespennest, Schmetterlinge und eine haarige präparierte Spinne hinter Glas versammelt. Fast alles im Zimmer des Sohnes stammt vom Flohmarkt, und viele Dinge finden neue Verwendung: Ein Skateboard wird zum Regal, ein altes, großes Schullineal zur Garderobe.

Ist die Wohnung fertig, so wie sie ist? Nein, sagen Csomós und Florentz. Kommt ein neues Stück dazu, kann es durchaus sein, dass ein Raum neu gestaltet werden muss, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Viel Platz für Ideen bietet noch der weitläufige Flur. Bisher ist er geprägt von einer dunklen Bank, das Holz durchgesessen und gebogen, vom Gewicht der jahrzehntelangen Ruhepausen vor einem alten norddeutschen Bauernhaus. Daneben ein Buddha aus Thailand – und irgendwie glaubt man, dass beide Stücke schon immer so zusammen standen.

Von Ralf Heußinger

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