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Hannovers bester Stadtteil: Warum ich Linden liebe

Countdown zum Unistart Hannovers bester Stadtteil: Warum ich Linden liebe

Für viele ist Linden nur ein Ort zum Feiern oder um über die Limmerstraße zu flanieren. Doch hinter der Kulisse gibt es noch viel mehr zu entdecken. In unserer Serie "Countdown zum Uni-Start" erklärt Manuel Behrens, warum Linden der aufregendste Stadtteil Hannovers ist - und worauf Neuankömmlinge achten sollten.

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Quelle: HAZ/M

Mindestens einmal pro Woche fährt ein Punker mit buntgefärbten Haaren an der Bankfiliale gegenüber meiner Wohnung vor. Wobei: Er fährt nicht vor, sondern mit seinem Fahrrad meist direkt in die Filiale hinein. Dann zieht er sich Kontoauszüge, zündet sich draußen eine Kippe an und studiert – seinen Kopf im Takt zum knüppelnden Punkrock nickend, der aus der Anlage auf seinem Bike scheppert – sein Erspartes. Ein grandioses Schauspiel, über das ich mich jedes Mal sehr freue, wenn ich es vom Balkon aus beobachte.

Als ich vor sieben Jahren vom Dorf nach Linden-Mitte gezogen bin, hätte ich gesagt: „So sieht ein typischer Lindener aus!“ Nach zwei Umzügen innerhalb Lindens, einem Nebenjob beim Pizzabringdienst, der mich in viele Wohnungen im Viertel geführt hat, und eben sieben Jahren weiß ich, dass das nicht so ganz stimmt. Linden ist längst mehr als Chaostage und Bank-Punks. Für die Prise Anarchie, die es besonders macht, sorgen viele seiner Bewohner.

Wenn ich das Bekannten von außerhalb zeigen möchte, werden deshalb keine mondänen Altbauten begafft, sondern es gibt Studien am lebenden Objekt. Flasche Herri (nie mehr als einen Euro am Kiosk ausgeben!) in die Hand, los geht’s!

Schnell fällt den Besuchern auf: Modetechnisch ist es ein sinnloses Unterfangen, hier auffallen zu wollen. Wo Hipster mit Bart und Beanie neben Hippie-Lebenskünstlern, Lehrern in Jack-Wolfskin-Funktionsjacken und stilsicheren Mode-Trendsetterinnen leben, ist es fast egal, was man trägt. Um schief angeguckt zu werden, muss man sich in Linden mehr einfallen lassen als einen extraordinären Klamottengeschmack.

Dennoch haben Lindener ein gutes Gespür dafür, wer dazugehört und wer nicht: Partytouristen, die zum Limmern nach Linden-Nord strömen, sind nicht nur bei genervten Anwohnern unbeliebt. Wer permanent gröhlt, Flaschen zerschmeißt und auf dem Heimweg mit besoffenem Kopf Fahrräder und Motorroller umtritt, darf gerne zu Hause bleiben. Ein Ureinwohner, der häufig an einem Supermarkt in Höhe des Kötnerholzwegs steht, begrüßt Partytouristen, indem er ihnen entgegenschreit: „Geh doch in die Nordstadt! Oder inne List!“ Ja, Lindener sind bunt und tolerant. Außer man pinkelt ihnen ans Bein.

Linden ist für viele meist nur die Club-Szene, die leicht abgerockte, aber sehr charmante Limmerstraße und der schnieke Lindener Markt. Oft vergessen wird der Süden. Warum eigentlich? Früher galt der Stadtteil als gefährlich. In den fünf Jahren, in denen ich dort gewohnt habe, hatte ich nie Ärger. Na gut, im Winter 2011 wäre ich in der Charlottenstraße fast von einem Eiszapfen erschlagen worden. Auch im Süden gibt es eine Menge zu entdecken: Die Kioske, spanischen Restaurants sind schon lange da. Und inzwischen entwickelt sich auch die  Deisterstraße mit Bars, Trash- und Designerläden zu einem passablen Kiez. 

Je länger man durch Linden streift, desto mehr kann man beobachten. Klar, Linden ist nicht Berlin-Friedrichshain, Kopenhagen-Christiania oder Amsterdam. Aber es ist der aufregendste Stadtteil, den das beschauliche Hannover hat. Das liegt nicht an schicken Gebäuden oder tollen Geschäften. Sondern an den bunten Hunden, die es dort gibt. Und hoffentlich noch lange geben wird.

Von Manuel Behrens

Die HAZ-Serie "Countdown zum Uni-Start"

Bis zum Beginn der Uni am 17. Oktober veröffentlichen wir jeden Tag einen Artikel zum Thema Studieren in Hannover.  Alle bisherigen Beiträge haben wir hier gesammelt. 

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