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Hannovers nervigster Stadtteil: Warum ich Linden hasse

Countdown zum Unistart Hannovers nervigster Stadtteil: Warum ich Linden hasse

Von wegen Hannovers coolster Stadtteil! Linden ist zu laut und zu schmutzig - und wird immer schlimmer. In unserer Serie "Countdown zum Uni-Start" erklärt Johanna Kruse, warum unser Autor Manuel Behrens mit seinem Text "Warum ich Linden liebe" unrecht hat - und dieser Stadtteil total überbewertet wird. 

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Quelle: HAZ/M

Eine ungezwungene Partyszene, niedliche Cafés an jeder Ecke, überall Fairtrade-Läden und Heimat vieler Überlebenskünstler – damit wurde mir Linden zu Beginn des Studiums schmackhaft gemacht. „Linden ist so hip und alternativ, einfach perfekt für Studenten“, hieß es. Also entschied ich mich, dorthin zu ziehen und konnte ein 25 Quadratmeter großes WG-Zimmer direkt an der Limmerstraße ergattern. Ein Traum! Da hatte ich mal richtig Glück bei der Wohnungssuche. Dachte ich. Mittlerweile bin ich schlauer. Auch wenn ich dafür bei meinen Kommilitonen verpönt bin: Ich hasse Linden.

Von wegen Hannovers coolster Stadtteil: Eine Gegenrede

Dieser Artikel entstand als Reaktion auf den Text "Hannovers bester Stadtteil: Warum ich Hannover liebe". Sie können den Artikel hier nachlesen.

Ruhe ist für mich ein Fremdwort geworden. Alle zehn Minuten schüttelt mich das monotone Geratter der Bahn fast aus dem Bett. Die Limmerstraße gilt als so legendär, dass sie sogar ein eigenes Wort geprägt hat: Das „Limmern“ ist längst zu einer liebgewonnenen Lebenseinstellung geworden. Nüchtern betrachtet bedeutet das aber nur, dass sich Menschen öffentlich auf der Straße mit Bier betrinken. Ob das einen Stadtteil wirklich attraktiver macht, bezweifle ich.

Die Straße wirkt im Tageslicht längst nicht so verwegen und cool wie bei Nacht. Discounter, Friseure und Ramschläden fallen im Mondschein wahrscheinlich genauso wenig auf wie die amateurhaften Graffitis an den tristen, heruntergekommenen Fassaden. Die Mülleimer quellen über, und am Wochenende sind die Wege nicht selten von Dönerresten, Müll, Pfützen aus Erbrochenem, leeren Bierflaschen und zertretenen Dosen überzogen. Hier zeigt sich die Kehrseite von Lindens verheißungsvollem Ruf: Feiertouristen aus ganz Hannover kommen Nacht für Nacht und strömen in Clubs, um in der hochgelobten Feierszene unbeschwert die Sau rauslassen zu können. Zurück bleiben Müll und Krach. 

Das glorifizierte Lebensgefühl ist in Wahrheit von extremen Gegensätzen geprägt: Hier liegen Biomarkt und Discounter, Edelboutique und Billigshop so dicht beieinander wie wohl nirgendwo sonst in Hannover. Trotz Protesten von Alteingesessenen ist längst auch die Gentrifizierung eingezogen. Teure Markenläden verdrängen die günstigen Alternativen, hippe Studenten-WGs und Besserverdiener die ärmeren Bewohner. Die Linden-Liebhaber sehen nicht, dass sie durch ihren Einfluss den Stadtteil völlig verändern.

Es mag viele charmante Kneipen und Clubs in Linden geben. Doch es dauert nicht lange, dann hat man die alternative Feierszene durch. Bronco’s, Faust, Glocksee, Heinz oder Lux zählen zu den Klassikern, die immer gehen und nur deshalb nicht einstauben, weil neue Alternativen ausbleiben. Frischer Wind täte der Szene, in der sich seit Jahren nichts geändert hat, auch mal gut. Aber keine Chance – ob du willst oder nicht, als Student in Hannover musst du Linden einfach cool finden, sonst bist du es selber nicht.

Ich finde den ganzen Hype um diesen Stadtteil total überbewertet. Eigentlich ist es nur ein Mythos, den höhere Semester als Geheimtipp an Erstis weitergeben. Die würden diesen weisen Ratschlag natürlich niemals hinterfragen. Und so fliegt nie auf, dass Linden eigentlich gar nicht mehr das ist, was es einmal war.

Von Johanna Kruse

Die HAZ-Serie "Countdown zum Uni-Start"

Bis zum Beginn der Uni am 17. Oktober veröffentlichen wir jeden Tag einen Artikel zum Thema Studieren in Hannover. Alle bisherigen Beiträge haben wir hier gesammelt. 

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