Es ist ein munterer kleiner Kindertrupp, der sich nach Schulschluss von der Glockseeschule in Döhren zur Stadtbahnhaltestelle aufmacht. Erstklässlerin Emma hat ihren Kuschellöwen dabei, Eric aus der dritten Klasse schleppt neben seinem Schulranzen auch noch einen Holzklotz mit. Die Glockseeschule mit ihrem alternativen Erziehungskonzept zieht Familien aus ganz Hannover an. Die Eltern sind damit schnell vor die Frage gestellt, ob sie ihre Kinder über Jahre zur Schule chauffieren wollen oder sie in einer Gruppe mit der Stadtbahn fahren lassen.
„Es ist eine ganz schön große Herausforderung für die Kinder“, sagt Stefanie Lüpke, die ihre Tochter Ruby bereits seit der ersten Klasse mit anderen Kindern aus Linden zur Schule schickt. Morgens fahren die Schüler allein. Doch mittags, wenn die Kinder nach dem langen Schultag erschöpft sind, warten bisher noch ein Vater oder eine Mutter an der Haltestelle Peiner Straße, um die Gruppe in der Stadtbahn zu begleiten.
Von der Schule aus flitzen die Kinder mit ihren Kickboards los, oft in Zweiergrüppchen, der Weg bis zur Stadtbahn-Haltestelle Peiner Straße ist weit. Doch vor jeder Straßenüberquerung sammeln sich die Grundschüler und schieben ihre Roller gemeinsam über die Fahrbahn. „Das ist babyeinfach“, meint die achtjährige Ruby, die bereits seit fast zwei Jahren in der Schülergruppe zur Schule fährt. „Jetzt haben wir das im Gefühl und vergessen auch nicht, wo es langgeht.“
Doch um die Haltestelle zu erreichen, müssen die Kinder die große Hildesheimer Straße bis zur Mitte überqueren. „Wir warten an der Ampel, bis alle da sind“, sagt der neunjährige Eric. Auf dem Hochbahnsteig halten sich die Kinder von der Kante fern. „Wir dürfen nur bis zum weißen Strich gehen“, sagt Erstklässlerin Greta. Und dann kommt auch schon eine Stadtbahn in Richtung Innenstadt angefahren. Emma und Greta entern laut kichernd und herumalbernd die Bahn, die Freunde Jannis und Eric finden weiter vorne Sitzplätze und ihre Ruhe. An der riesigen unterirdischen Station Kröpcke steigen die Kinder aus und treffen sich an der Rolltreppe wieder. Sie gehen fröhlich schwatzend zur Linie 9, die sie nach Linden bringen wird. Und viele Passanten sehen ihnen freundlich nach.
Die richtigen Verhaltensregeln zu lernen sei den Kindern nicht schwergefallen, sagt Rubys Mutter. „Viel schwieriger fällt es ihnen, sich auf dem Weg nicht von Kiosken, anderen Leuten und den eigenen Streitigkeiten ablenken zu lassen“, sagt Stefanie Lüpke. Und die Kinder geraten immer wieder in unerwartete Situationen. Im Winter war plötzlich die Haltestelle ein Stück verlegt worden. Die Schüler fanden dennoch den Weg ohne Probleme.
Einmal hat der Anblick eines Betrunkenen die Kinder erschreckt. „Aber andere Erwachsene beobachten dann sehr aufmerksam, ob sie einschreiten sollen“, sagt Lüpke. Im neuen Schuljahr wird die Gruppe wohl auch nachmittags allein fahren. „Wir trauen den Kindern das jetzt zu.“ Doch ob so etwas möglich ist, hänge immer von den einzelnen Kindern ab und davon, wie sie sich in der Fahrgruppe verstehen.
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Kommentare
*** Bahnfahrer – 03.08.10
ich habe mich schon gefragt, wann der erste der Fraktion "uneinsichtiger Schwarzfahrer" hier zu Worte meldet, schliesslich handelt der Artikel ja von der üstraOb die das noch lernen? Flatrate – 02.08.10
Lektion Nr. 2:Bahnfahren kann eine Anzeige kosten, wenn das Kind seinen Fahrschein vergisst/ in den Ferien vergisst zu stempeln, mit dem Fahrrad zur falschen Zeit einsteigt oder nicht aussteigen kann und in der falschen Zone landet.
Dann kann das Kind auch nicht einfach zurückfahren, selbst wenn der Fahrer großzügig ist. Kommt ein Kontrolleur, lernt das Kind das Wesentliche über Bahnfahren.
Ich hätte angst, dass die Kontrolleure mein Kind irgendwo hinausschleppen und es dann verzweifelt in der Stadt umher irrt.
Sicherheitsrisiko Mimi – 02.08.10
Lektion Nummer 1 sollte sein, dass Kickboard zuhause zu lassen. Die Dinger gefährden nicht nur die Schüler, sondern alle Verkehrsteilnehmer inclusive der Fußgänger!