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Das große HAZ-Dossier

Das große HAZ-Dossier

Wenn’s mal wieder länger dauert: Manchmal kann es einem vorkommen, als sei Hannover die Hauptstadt der Ampeln – jedenfalls dann, wenn man 35 Minuten lang auf Grün warten muss. In diesem multimedialen Dossier zeigen wir Ihnen Hannovers schlimmste Ampeln – in Berichten, Bildern und Videos.

Ampelschaltungen sind komplizierte Mechanismen. Wie kompliziert, das merkt man vor allem, wenn sie nicht funktionieren. Aber dann merkt man es an einer Stelle, die den modernen Menschen besonders hart trifft: an der (Warte-)Zeit. Nachdem die HAZ kürzlich über das Dauerrot an der Kreuzung Wallensteinstraße/Pyrmonter Straße berichtet hatte, gingen innerhalb von 24 Stunden mehrere Dutzend Hinweise auf weitere Ampeldefekte in der Redaktion ein. Zwei Merkmale stechen dabei hervor:

  • Probleme haben Vorrang: Fast alle Hinweise beziehen sich auf Ampelkreuzungen, an denen Vorrangschaltung für Busse und Bahnen gelten.
  • Kein Adressat für Kritik: Zweiter Hauptaspekt ist die schiere Verzweiflung darüber, dass die Kritik nirgendwo aufgenommen werde.

"Sogar schon den Notruf gewählt"

Das Dauerrot an der Ampelkreuzung von Wallensteinstraße und Pyrmonter Straße treibt Hannovers Autofahrer offenkundig schon seit Jahren abwechselnd in Wut und Resignation – ohne dass sich eine öffentliche Stelle um eine Lösung bemüht hätte. „Seit 2013 habe ich wiederholt unter der Notrufnummer 110 auf diese – aus meiner Sicht oftmals brenzlige – Situation aufmerksam gemacht, zu der eine defekte Ampelanlage führen kann“, schreibt etwa HAZ-Leser Jens Dragöy: „Sowohl bei der Notrufnummer als auch von der Polizeidienststelle an der Göttinger Chaussee bekam ich auf Nachfrage die Auskunft, dass dafür die Stadt Hannover zuständig ist und die bereits darüber informiert sei, dass die Ampelanlage einen entsprechenden Defekt aufweist.“

 

 

Auch der 22-jährige Julian Schrell (im Bild), der die Diskussion über die Kreuzung zu Wochenbeginn ausgelöst hatte, war nach eigenen Angaben fünf Mal vorstellig gewesen, um den Fehler zu melden: zweimal bei der Stadt, einmal bei der Üstra, einmal bei der Polizei. Immerhin: Das städtische Tiefbauamt will ihm einmal auf eine Mail geantwortet haben – allerdings irrtümlich auf eine andere Mailadresse, sodass die Nachricht einen Falschen erreichte.

Viele Leser berichten, dass sie das Dauerrotproblem auch auf der Rechtsabbiegespur von der Wallensteinstraße in die Pyrmonter Straße registriert hätten, andere warten auf der Linksabbiegespur.

Weitere Fälle: Philipsbornstr. / Kopernikusstr.

Carl Robert Brand: „Kommt der Bus 100/200 aus Richtung Jahnplatz, wird die Rechtsabbiegerspur von der Philipsborn- in die Kopernikusstraße mittels grüner Pfeil für den Bus manchmal frei geschaltet. Der Bus hält aber meist noch an den Haltestellen Jahnplatz und Voltastraße. Trotzdem bleiben alle anderen Ampeln rot. Es dauert so manchmal bis zu vier Minuten, bis die Ampel für alle anderen wieder Grün zeigt.“

Das sagt die Stadt: Die Anlage wurde überprüft. Der Maximalwert für diesen Grünen Pfeil beträgt 32 Sekunden, der Mittelwert 17 Sekunden. Und der Grünpfeil blockiere die anderen Richtungen nur zum Teil.

Emmichplatz

Frank Ansorge: „An dieser Kreuzung kommen die Busse verschiedener Linien von drei Seiten und blockieren bis zu 10 Minuten die Fußgängerampel, wenn mal wieder bis zu sechs Busse nacheinander kommen. Alles Meckern bei der Stadt stieß bisher auf taube Ohren. Schön, wenn man als Berufstätiger mal wieder seine Mittagspause an der Ampel verbringen darf. Jeder, der diese Ampel überqueren muss, ärgert sich hierüber. Nichts gegen Vorrangschaltungen von Öffis; aber irgendwann muss auch Schluss sein. Auch Fußgänger haben Rechte.“ Am Emmichplatz, der Kreuzung vor der Musikhochschule (Oststadt), gibt es schon lange Kritik – keinesfalls nur von Fußgängern. Auch Radfahrer und Autofahrer verzweifeln regelmäßig. Die unkomfortable Ampelschaltung am Emmichplatz war sogar schon Schwerpunkt einer Pressekonferenz zur Verkehrspolitik bei der Industrie- und Handelskammer.

In ihrer Stellungnahme räumt die Stadt „Extremwerte“ bei Wartezeiten ein und sagt zu, dass in den nächsten Wochen eine Signalbaufirma beauftragt wird, die Ampelsteuerung zu verbessern. Wörtlich heißt es: „Aufgrund der zahlreichen Eingriffe von Bussen kommt es insbesondere an der Furt für Fußgänger über die Königstraße an der Einmündung zur Eichstraße zu längeren Wartezeiten.“ Dort gebe es eine Vorrangschaltung für vier Buslinien (100/200, 121, 128 und 134) und trotzdem eine verkehrsabhängige Signalsteuerung, sodass „die Warte- und Freigabezeiten für Fußgänger variabel“ seien. Weil aber derzeit Straßenbauarbeiten in der Hindenburgstraße laufen, fahren Busse der Linien 128 und 134 eine Umleitungsstrecke. Dafür wurden die Signalschaltungen verändert. „Die Straßenbaumaßnahme in der Hindenburgstraße wird im Frühjahr 2015 beendet sein.“ Dann werde die Schaltung „hinsichtlich einer Verkürzung der Wartezeiten für Fußgänger optimiert.“

Königsworther Platz

Dirk Bake: „Im Radweg vom Königsworther Platz zur Langen Laube befindet sich eine Induktionsschleife im Boden. Fährt ein Rad darüber, soll am Ampelüberweg Otto-Brenner-Straße automatisch Grün für Radfahrer erzeugt werden. Die Technik ist jetzt schon länger defekt. Der Anteil des Radverkehrs soll ja in Hannover gesteigert werden. Dazu sind Maßnahmen zu begrüßen, die die Attraktivität steigern – auch das zeitnahe Beseitigen von Mängeln.“

Das sagt die Stadt: Nach Überprüfung stellte sich heraus, dass die Schleife ordnungsgemäß funktioniert und die Anforderung frühzeitig ausgelöst wird.

Wunstorfer Str. / Westschnellweg

Werner Gudat: „ Aus Limmer kommend stand ich minutenlang als Linksabbieger vor der roten Ampel. Ich bin dann in einer Grünphase geradeaus gefahren, habe an der nächsten Ampel gewendet um als Rechtsabbieger auf den Westschnellweg zu fahren. Ich konnte dabei feststellen, dass die Fahrzeuge, die hinter mir gewartet haben, nun auch Grün bekommen hatten.“ Dieses Phänomen schildern mehrere Leser. Offenbar bedient das Wegfahren des ersten Fahrzeugs die Induktionsschleife, sodass die Ampel ihren Rhythmus wiederfindet.
Das sagt die Stadt: Zuständig ist die Landesstraßenbaubehörde. Der Hinweis wurde weitergeleitet.

Podbielskistr. / Wittekamp

Dirk Kirchberg: „Eine ähnliche Ampelschaltung wie an der Wallensteinstraße gibt es an der Podbi stadtauswärts in Höhe Wittekamp/Brahmsstraße. Wenn man nach links in den Wittekamp oder per U-Turn auf die Podbi stadteinwärts fahren will, steht man auch schon mal minutenlang.“ Mehrere Leser schildern Ähnliches auch für die Vahrenwalder Straße.

Das sagt die Stadt: Die Überprüfung hat ergeben, dass die dort installierte Kamera zur Anforderung der Grünzeit einwandfrei funktioniert. Die Wartezeit beträgt im Mittel 55 Sekunden. Kommt eine Bahn oder sogar noch eine Gegenbahn, kann es im Einzelfall zu Wartezeiten von bis zu 100 Sekunden kommen.

Bemeroder Str. / Seelhorster Allee

Sabine Roth: „An dieser Kreuzung zeigt die Ampel die gleichen Symptome für Abbieger, wie sie in dem Artikel über die Wallensteinstraße beschrieben sind.“ Die Verkehrssituation ist tatsächlich ähnlich wie in Oberricklingen.

Das sagt die Stadt: Es sind keine Auffälligkeiten feststellbar. Die Wartezeiten für Rechtsabbieger betragen minimal 5 Sekunden, im Mittel 21 Sekunden, sonst bis zu 50 Sekunden und maximal in besonderen Ausnahmefällen (Bahn und Gegenbahn) bis zu 84 Sekunden. Für die Linksabbieger betragen die Wartezeiten minimal 5 Sekunden, im Mittel 17 Sekunden, sonst bis zu 35 Sekunden und maximal 54 Sekunden als Spitzenwert.

Kötnerholzweg / Limmerstr.

Heinz-Wilhelm Janssen: „An der Linksabbiegeampel vom Kötnerholzweg in die Limmerstraße muss man zuweilen doppelt so lange warten wie umgekehrt beim Rechtsabbiegen von der Limmerstraße in den Kötnerholzweg, die oft zwei bis dreimal Grün bekommen, während die anderen noch warten.“

Das sagt die Stadt: In der Grundstellung haben beide Richtungen gleich oft Grün. Kommt jedoch eine Stadtbahn und fordert für sich eine Freigabe des Ampelsignals an, so schaltet sich die Ampel für alle Autos, die die Gleise queren müssen, auf Rot.

Hildesheimer Str. / Riepestr.

Horst Kälble: „Autos und Stadtbahnen erhalten in bestimmten Situationen wechselseitig immer wieder Grün, Fußgänger haben Dauerrot und verpassen ihre Bahn.“

Das sagt die Stadt: Eigentlich dürfte es keine Probleme geben. Die überprüften Wartezeiten betragen zwischen 6 und 90 Sekunden. Wenn aber der Fußgänger den Ampelknopf drückt, während ein Autopulk Grün hat, und dann kommen zwei Mal hintereinander Bahnen, dann verlängern sich die Wartezeiten extrem. Am Donnerstag hat die Stadt die Steuerung nach dem Hinweis von Horst Kälble verändert, die Wartezeit soll jetzt kürzer sein.

Nummer gegen Ampelkummer

In Hannovers Stadtverwaltung gibt es eine zentrale Telefonnummer, unter der Mängel im Verkehr gemeldet werden können. Sie lautet: (05 11) 16 84-11 22. Zusätzlich können Mängel schriftlich gemeldet werden. Dafür haben die Bürgerämter Mängelhinweiskarten vorrätig, die portofrei dort abgegeben werden können. Noch komfortabler sollte es über das Internet gehen. Das Onlineformular können Sie hier erreichen.

Wer mit Bus und Bahn fährt soll schnell durch die Stadt kommen – das ist politischer Wille in Hannover und in den meisten Großstädten. Hannover allerdings hat eine sogenannte Priorisierung, die nochmal eine Spur intensiver wirkt als in vielen anderen Städten. Fragen und Antworten zur Vorrangschaltung für Busse und Bahnen.