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„Minimum: Zehn Minuten warten“

Interview: Anwalt für Verkehrsrecht „Minimum: Zehn Minuten warten“

Grundsätzlich gilt: Rot bedeutet „Halt“. Aber es gibt Ausnahmen. Etwa, wenn die Ampel defekt ist. Was man als Autofahrer in einem solchen Fall darf, und was man vermeiden sollte, erklärt Jean Gutschalk, Anwalt für Verkehrsrecht in Hannover.

Jean Gutschalk, Anwalt für Verkehrsrecht in Hannover.

Quelle: HAZ

Herr Gutschalk, wenn eine Ampel penetrant rot zeigt und offenkundig nicht funktioniert – darf man dann irgendwann einfach losfahren?

Grundsätzlich gilt: Rot bedeutet „Halt“. Aber es gibt Ausnahmen. Ein Ampeldefekt an einer mehrspurigen Kreuzung sollte eigentlich durch einen Polizeibeamten geregelt werden. Kommt aber kein Polizeibeamter, dann sagt die oberlandesgerichtliche Rechtssprechung: Wem Dauerrot angezeigt ist, der darf mit äußerster Vorsicht die Kreuzung passieren.

Nun weiß man ja zunächst nicht, dass die Ampel defekt ist. Wie lange muss man warten, damit man auf der sicheren Seite ist?

Dafür gibt es keinen gerichtlichen Standardwert. 10 Minuten sollten es mindestens sein. „Auf der sicheren Seite“ sind Sie auch nach 20 Minuten nicht, wenn Sie trotz Rotlicht auf die Kreuzung fahren. Denn die anderen Verkehrsteilnehmer haben ja grün. Wenn die wüssten, dass die Ampel defekt ist, müssten sie Ihnen zwar rechtlich die Zufahrt zur Kreuzung gewähren, was §11 Abs. 3 StVO regelt – aber Sie können ja nicht davon ausgehen, dass die anderen Autofahrer von dem technischen Problem der Ampel wissen.

Was heißt das für mich?

Für Sie gilt das Gebot der größtmöglichen Vorsicht: Ganz langsam in die Kreuzung fahren, mit Blickkontakt, Handzeichen, eventuell Lichthupe mit den anderen Verkehrsteilnehmern verständigen. Und immer dran denken: Sie tragen die Hauptverantwortung, wenn ein Unfall passiert, denn Sie sind bei rot gefahren.

Was kann man sonst tun?

Wer eine Ampel für defekt hält, sollte auf jeden Fall die Polizei informieren. Wenn die zusagt, dass sie kurzfristig vorbeikommt und den Verkehr regelt, dann muss man das abwarten. Und dann gibt es die Alternative: Umdrehen und Umwege fahren. Selbst wenn Sie verkehrswidrig wenden gibt das in der Regel nur ein Bußgeld, wogegen ein Unfall auf einer Kreuzung ein deutlich höheres Gefährdungspotenzial in sich trägt.

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