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„Sogar schon den Notruf gewählt“

Rotphasen an der Wallensteinstraße „Sogar schon den Notruf gewählt“

Das Dauerrot an der Ampelkreuzung von Wallensteinstraße und Pyrmonter Straße treibt Hannovers Autofahrer offenkundig schon seit Jahren abwechselnd in Wut und Resignation – ohne dass sich eine öffentliche Stelle um eine Lösung bemüht hätte.

Er hat die Diskussion angestoßen: Der 22-jährige Julian Schrell beobachtet die langen Rotphasen an der Wallensteinstraße/Ecke Pyrmonter Straße.

Quelle: Marta Krajinović

Hannover.  „Seit 2013 habe ich wiederholt unter der Notrufnummer 110 auf diese – aus meiner Sicht oftmals brenzlige – Situation aufmerksam gemacht, zu der eine defekte Ampelanlage führen kann“, schreibt etwa HAZ-Leser Jens Dragöy: „Sowohl bei der Notrufnummer als auch von der Polizeidienststelle an der Göttinger Chaussee bekam ich auf Nachfrage die Auskunft, dass dafür die Stadt Hannover zuständig ist und die bereits darüber informiert sei, dass die Ampelanlage einen entsprechenden Defekt aufweist.“ Einmal habe ein Polizeiwagen an der Kreuzung gestanden, „der offensichtlich die defekte Ampelschaltung beobachtete, um das Geschehen zu beurteilen“ – geschehen sei aber nichts. Das bestätigt auch HAZ-Leserin Anke Koopmann. „Die längste Rotphase, in der ich an erster Stelle mit dem Auto an der roten Ampel gewartet habe, war sage und schreibe 20 Minuten lang“, schreibt sie: „Ich wurde von hinter mir wartenden wütenden Autofahrern angepöbelt, warum ich denn nicht fahren würde.“ Persönliche Beschwerden im Service-Center der Üstra hätten nicht gefruchtet: Es habe sich einfach niemand zuständig gefühlt. „Dass ich trotz Rotphase fahren darf, war mir bis zu Ihrem Zeitungsartikel vom Dienstag nicht bekannt.“

Auch der 22-jährige Julian Schrell, der die Diskussion über die Kreuzung zu Wochenbeginn ausgelöst hatte, war nach eigenen Angaben fünf Mal vorstellig gewesen, um den Fehler zu melden: zweimal bei der Stadt, einmal bei der Üstra, einmal bei der Polizei. Immerhin: Das städtische Tiefbauamt will ihm einmal auf eine Mail geantwortet haben – allerdings irrtümlich auf eine andere Mailadresse, sodass die Nachricht einen Falschen erreichte.

Viele Leser berichten, dass sie das Dauerrotproblem auch auf der Rechtsabbiegespur von der Wallensteinstraße in die Pyrmonter Straße registriert hätten, andere warten auf der Linksabbiegespur. „Komisch: An der nächsten Kreuzung Wallensteinstraße/Springer Straße habe ich einen entsprechenden Fehler nicht festgestellt“, schreibt HAZ-Leser Robert Pstross: Das lasse darauf schließen, dass es wohl keine Absicht sei – es dürfte sich „wohl doch eher um einen Programmierfehler handeln“. HAZ-Leser Wolfgang Spika hielt fünf Minuten für eine angemessene Wartezeit – „dann bin ich, natürlich ohne Verkehrsgefährdung, abgebogen“. Eine ganz andere Lösung wählt Sicherheitsingenieurin Elisabeth Schrader, die in Oberricklingen wohnt: „Wir versuchen inzwischen, den Bereich möglichst zu umfahren.“ Auch Michael Gerecke versucht, der unsinnige Ampelkreuzung auszuweichen: „Wir biegen immer eine Querstraße vorher in die Dormannstraße ab.“ Ihn treibt die Situation an der Kreuzung Pyrmonter Straße zum Sarkasmus „Es fehlt nur noch, dass dort eine Kamera angebaut wird, damit von den Strafgeldern längst überfällige Reparaturen bezahlt werden können.“

Mehrere Leser benennen auch andere Kreuzungen, an denen sie exakt die gleichen Symptome bemängeln. Den absoluten Spitzenplatz aber hat Jens Dragöy inne, der eigentlich in Barsinghausen wohnt, aber mehrfach pro Woche einen Verwandten nahe der Wallensteinstraße pflegt: Er hat nach eigenen Angaben einmal 30 Minuten an der Dauerrotkreuzung in Oberricklingen gewartet.

Das sagt die Stadt: Nachdem die HAZ das Problem thematisiert hatte, hat die zuständige Bauverwaltung einen Mitarbeiter zu der Kreuzung geschickt, der die Situation 30 Minuten lang begutachtet hat. Die anschließende Antwort der Stadt lautete so, wie auch Bürger sie oft zu hören bekommen: Es wurden keine Probleme festgestellt, alle Autos haben nach angemessener Wartezeit Grün bekommen. Was war passiert? Offenbar ist genau in der halben Stunde, die der Mitarbeiter dort gewartet hat, das Phänomen nicht eingetreten, das die Bürger immer wieder beschreiben: Ein Auto nähert sich der Ampel, der Ampelcomputer registriert das und müsste dem Auto Grünlicht geben, doch Sekunden später kommt eine Stadtbahn und fordert für sich Grün – und dann „vergisst“ der Computer den Autofahrer schlicht. Nachdem die HAZ mit Penetranz weiter gefragt hat, lautete die Antwort gestern: Die Stadt geht davon aus, dass es sich hierbei um einen Fehler in der Steuerungslogik oder im Steuergerät handelt. Die zuständige Signalbaufirma wurde bereits mit der Überprüfung der Steuerungslogik beauftragt.

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