Seit Juli muss nun Horst Karrasch als Nachfolger die Scherben zusammenfegen. „Es ist ein mühevoller Weg“, sagt der 57-jährige Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, der zuvor die Arbeitsagentur in Nienburg geleitet hatte.
Heidorn, der aus der Regionsverwaltung gekommen war, hatte mit Kritik an der Personalausstattung der für die Hartz-IV-Empfänger zuständigen Jobcenter die Arbeitsagentur verärgert. Andererseits stand aber neben der Region auch der Personalrat, der die 1300 Mitarbeiter vertritt, hinter dem früheren Chef und bedauerte ausdrücklich dessen Abschied. Sein eigenes derzeitiges Verhältnis zum Personalrat beschreibt Karrasch als professionell. Um Vertrauen aufzubauen und seine Mitarbeiter kennenzulernen, tingelt er derzeit durch sämtliche 16 Dienststellen des Jobcenters in der Region. Dort spürt er eine „Mischung aus Skepsis und Neugier“, wie er sagt.
Mit dem regionalen Jobcenter, dem zweitgrößten seiner Art in Deutschland, betritt Karrasch kein absolutes Neuland, er saß lange Zeit in dessen Aufsichtsgremium. Deshalb kennt er auch Stärken und Schwächen der Einrichtung, die für etwa 130.000 Menschen zuständig ist und etwa 100 Millionen Euro pro Jahr an Fördergeld zur Verfügung hat. „Die Beratungsangebote etwa für Schuldner oder Suchtkranke und die Qualifizierungsmöglichkeiten sind von hoher Qualität. Wir müssen die Leute aber stärker heranführen an den Arbeitsmarkt“, erklärt er. Im Klartext heißt das, dass zu wenig Männer und Frauen im Anschluss an Maßnahmen einen regulären Job finden. Ein Gutachten der Berater von Roland Berger hat ergeben, dass die Organisationsstruktur im Jobcenter verbesserungsbedürftig sei. Als Folge sehen die Hilfsempfänger in Hannover ihren Betreuer, Fallmanager genannt, seltener als in anderen Jobcentern. „Das muss sich ändern, wenn wir die Vermittlungsquote in den Arbeitsmarkt erhöhen wollen“, sagt Karrasch.
Sein Wechsel auf dem Chefsessel fällt in die Zeit der Wirtschafts- und Finanzkrise. Hochrechnungen haben ergeben, dass dadurch im Raum Hannover die Zahl der Langzeitarbeitslosen bis Jahresende um 6000 anwachsen könnte. „Die Probleme sind für uns noch beherrschbar. Sie schlagen zunächst auf dem ersten Arbeitsmarkt durch“, erklärt Karrasch. Dafür ist die Arbeitsagentur zuständig.
Größere Sorgen bereitet dem Geschäftsführer die nach wie vor unklare Rechtslage der Jobcenter, über deren Organisationsform nach dem Jahr 2010 sich die Politiker in Berlin nicht einigen konnten. „Das muss zügig nach der Bundestagswahl geschehen, damit unser Personal weiß, woran es ist“, fordert Karrasch. Außerdem sei es schwierig, Mietverträge für dringend benötigten Büroraum abzuschließen, solange Unsicherheit herrsche. Geht es nach ihm, kann das derzeitige Miteinander zwischen Kommunen und Arbeitsagentur beibehalten werden. Dass sich beide in Hannover künftig vertragen, daran hegt er keinen Zweifel.
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