Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Viele Wege führen zum Erfolg

HAZ-Aktion Viele Wege führen zum Erfolg

Es sind nicht immer die Musterschüler, die im Leben Erfolg haben. Manchmal sind es die Abzweigungen, Umwege und Sackgassen, die einen letztendlich einen Schritt nach vorn bringen können.

Er steckte seinen Kopf in die Suppenschüssel und zog seine kleine Schwester Ida an der Fahnenstange hoch: Michel aus Lönneberga war nicht gerade das, was man einen Musterschüler nennt. Und doch, das ahnte seine Lehrerin bereits, würde aus dem „Lausejungen“ einmal etwas Besonderes werden. Tatsächlich soll Michel als Erwachsener ein hoch angesehener Mann gewesen sein, ein Gemeinderatsvorsitzender sogar.

Man kann daraus lesen, dass es nicht immer die Musterschüler sind, die im Leben Erfolg haben und den geraden Weg zu nehmen nicht für jeden Menschen ein guter Ratschlag ist. Manchmal sind es auch die Abzweigungen, Umwege und Sackgassen, die einen letztendlich einen Schritt nach vorn bringen können.

Auch zählt nicht immer nur das Abitur. Viele Firmen, die sich für die HAZ-Ausbildungsplatz „Zeigt, was ihr könnt“ anmelden, suchen explizit Haupt- oder Realschüler. Für manche ist der Schulabschluss sogar irrelevant: „Wir laden jeden zum Vorstellungsgespräch ein – egal, mit welchem Schulabschluss oder auch mit nicht vorhandenem Abschluss. Denn wir brauchen junge Erwachsene, die sehr gute EDV-Kenntnisse haben und in mindestens einer Softwaresprache fit sind“, sagt Erich Weber von der Firma heinekingmedia aus Landesbergen, die auf der Suche nach künftigen Fachinformatikern für Anwendungsentwicklung war.

Ohne Abitur zum Erfolg? Für viele Eltern ist es undenkbar, ihren Nachwuchs nicht aufs Gymnasium zu schicken. Doch nicht immer führen Elternwünsche zu einer glücklichen Karriere. Der 21-jährige Michael Blanke aus Wülfel zum Beispiel musste sich erst davon freimachen, um seinen Weg zu gehen. „Ich war auf der Waldorfschule, was meine Eltern unbedingt wollten“, sagt der hochgewachsene, junge Mann. Für manche Schüler passt das sehr gut, in Blankes Fall war es nicht zielführend: Er interessierte sich schon immer für Technik. „Ich habe vor vielen Jahren sogar einen Verstärker selbst gebaut, und der funktioniert immer noch“, sagt er und deutet auf ein Regal in seiner Wülfeler Mietwohnung. Sein technisches Interesse auf einer Waldorfschule zu verfolgen, war so schwer wie ein vollgepackter Urlaubskoffer. Das hat Blanke schnell gemerkt. „Ich besuchte also eine Informationsveranstaltung des Fachgymnasiums Technik am Waterlooplatz, und das gefiel mir auf Anhieb“, erzählt der 21-Jährige.

Allerdings benötigte er für die Anmeldung den erweiterten Sekundarabschluss I, der an der Waldorfschule erst am Ende der zwölften Klasse erreicht werden kann. Blanke zögerte nicht lange und brach die Schule in der zehnten Klasse ab. Er wechselte auf eine Realschule und wiederholte dort diese Klassenstufe. Mit dem gewünschten Abschluss in der Tasche meldete er sich am Fachgymnasium an – verließ es jedoch vor dem Abitur. „Ich war mit meinen Ergebnissen nicht zufrieden. Außerdem hatte ich einfach keine Lust mehr auf die Schule“, sagt Blanke selbstbewusst. Immerhin hatte er nach der zwölften Klasse das Fachabitur mit Schwerpunkt Elektrotechnik – und er beschloss, sich mit dieser Qualifikation einen Ausbildungsplatz zu suchen.

Inzwischen hat Blanke einen der begehrten Plätze für ein duales Studium beim hannoverschen Unternehmen enercity erhalten. Als einer der zehn größten deutschen Stromversorger schickt enercity manche Lehrlinge nach dem ersten Ausbildungsjahr in den Studiengang Bachelor of Engineering. Blanke, der sich bei enercity um eine Ausbildungsstelle als Elektroniker für Betriebstechnik beworben hatte, hörte von dieser Möglichkeit. Seine Eigeninitiative und Überzeugungskraft brachte ihn schließlich zum Ziel. „Ich ging immer wieder zu meinem Vorgesetzten und fragte ihn, wann es wieder die Möglichkeit gäbe, in ein duales Studium zu wechseln“, sagt er. Es sei wohl auch diese Beharrlichkeit gewesen, die dazu führte, dass Blanke in seinem Ausbildungsjahrgang als einziger die Chance bekam.

„Für uns bei enercity zählt, was die Bewerber aktuell zu leisten fähig sind“, sagt enercity-Sprecher Carlo Kallen. Daher richte sich die Auswahl für den Bachelorstudiengang maßgeblich nach dem letzten Schulabschluss, dem Bestehen des Eignungstests und dem persönlichen Eindruck im Bewerbungsgespräch. Außerdem müssen die Bewerber ihre Probezeit in der Lehre ordentlich hinter sich gebracht haben, und es wird beobachtet, wie sie sich im ersten Lehrjahr entwickelt haben. Zurzeit absolvieren drei enercity-Mitarbeiter den Studiengang Bachelor of Engineering, der auf sieben Semester angelegt ist, – und das Unternehmen lässt sich die Ausbildung von adäquatem Nachwuchs einiges kosten. So zahlt Michael Blanke seine Studiengebühren nicht selbst – anders als die meisten seiner Kommilitonen an der Fachhochschule Hannover in Ricklingen. Im Semester geht Blanke dort in die Vorlesungen und Seminare, und in den Semesterferien arbeitet er bei enercity. „Ich nehme Lehrgänge wahr, um mich auf meine Prüfungen vorzubereiten und lerne die unterschiedlichen Fachbereiche besser kennen“, sagt er. Viel freie Zeit, die das Studentenleben eigentlich mit sich bringt, kennt er nicht. „Ich kann die üblichen 30 Tage Urlaub in die vorlesungsfreien Tage legen.“

Doch die Mühe lohnt sich: Nach dem Abschluss wird Blanke mindestens drei Jahre lang bei enercity beschäftigt bleiben – so steht es in seinem Vertrag. Die Suche nach einem Arbeitsplatz nach dem Studium bleibt ihm also erspart. Zu all dem gehörte viel Engagement, aber auch eine Portion Glück. „Als ich mich bei enercity um eine Lehre bewarb, suchte das Unternehmen bereits im zweiten Rutsch Auszubildende. Im ersten Durchgang hatte es nicht genügend passende Bewerber gegeben.“

Dass er kein Abitur hat, wird Blanke seiner Meinung nach nie bereuen. Sein Weg sei zwar nicht immer gerade gewesen, aber er habe mithilfe des Fachabiturs auch Zeit gespart. Letztendlich sei er in seiner Altersstufe genausoweit gekommen wie die früheren Freunde auf der Waldorfschule mit Abitur. Für eine erfolgreiche Karriere sei eines viel wichtiger: „Man muss wissen, was man will.“

Auch sozial benachteiligten Jugendlichen gibt der hannoversche Stromversorger eine Chance. In Kooperation mit der Pro Beruf GmbH (www.pro-beruf.de) hat enercity 2008 zusätzlich vier Ausbildungsplätze für Schüler eingerichtet, die aufgrund des Alters, schlechter Noten oder nur ausreichender Deutschkenntnisse ständig auf Ablehnungen stießen. Ziel des Projekts ist es, solche Jugendliche in Betriebe zu integrieren. Es soll dieses Jahr fortgesetzt werden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.enercity.de.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Angebot Teil IX
Das Team von Dr. Heise & Baumann braucht Verstärkung.

Hier sind zehn weitere Firmen aufgelistet, die noch Ausbildungsplätze frei haben. Ohne Voranmeldung können sich Jugendliche in den Betrieben vorstellen. Dafür nehmen sich die Firmen am Montag, 13. Juli, oder am Dienstag, 14. Juli, mindestens zwei Stunden Zeit.

mehr
Mehr aus HAZ-Ausbildungsaktion
Region