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Schützenfest 2011 100.000 Zuschauer bei Schützenausmarsch in Hannover
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20:49 03.07.2011
Von Stefanie Kaune
Blasmusik, Winken und Fahnenschwenken – vier Stunden lang zog sich der zwölf Kilometer lange Zug durch die Stadt. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Die Sorgen vom vergangenen Jahr hätte man am Sonntag wohl gern gehabt. Da erlebte die Stadt eine Hitzeperiode, und die Schützen machten sich Gedanken, ob es nicht zu heiß werden würde bei ihrem Ausmarsch – der dann bei angenehmen 25 Grad durch die Innenstadt zog. Jetzt zeigte das Thermometer während der gut vier Stunden Blasmusik, Winken und Fahnenschwenken in den Straßen zwischen Tramm- und Schützenplatz unerbittlich zwischen zwölf und 14 Grad und damit in etwa die Hälfte der Vorjahreswerte an. Selbst altgediente Schützen konnten sich nicht erinnern, wann es beim Ausmarsch jemals so herbstlich nasskalt gewesen war. Schützenpräsident Paul-Eric Stolle mochte da gar nicht lange nachdenken: „Nie“, sagte er kategorisch. Bei einem Fest, das dieses Jahr zum 482. Mal gefeiert wird, eine gewagte These.

Und der Herbsteinbruch am ersten Juliwochenende verwässerte – auch wenn der gefürchtete Dauerregen ausblieb – den Organisatoren bei der Stadt und bei den Schützen den so sehr ersehnten Start in eine bessere Schützenfest-Zukunft. Nur gut 100.000 Zuschauer zählten Polizei und Veranstalter, halb so viel wie erwartet. Zahlen zu den Besuchern auf dem Platz gibt es erst zur Halbzeit-Bilanz. Vor allem in der ersten Stunde des Ausmarsches zwischen 10 und 11 Uhr waren die Lücken am Straßenrand nicht zu übersehen. Selbst im Jahr 2010, das wegen insgesamt rückläufiger Besucherzahlen zum Krisenjahr erklärt wurde, waren es am Ausmarschsonntag 190 000 Zuschauer gewesen. Ein wenig ungerecht war dieser Auftakt, weil man sich in den vergangenen Monaten im Rathaus einiges überlegt hatte, um das Schützenfest mit neuen Ideen von der Gastronomie über mehr Livemusik bis hin zu Thementagen wieder nach vorn zu bringen.

Doch wer sich von den Zahlen nicht beeindrucken lässt, musste feststellen: Irgendwie hat es besonderen Spaß gemacht unter diesen besonderen Bedingungen. Es war ein wenig wie bei einem verregneten Urlaub, wo sich plötzlich die Touristen einig sind, dass geteiltes Leid halbes Leid ist. Man beglückwünschte sich einfach gegenseitig, dass man durchhielt und dass es beim zeitweiligen Nieselregen blieb. Die 10.000 Teilnehmer aus den Schützenvereinen, Musikkapellen, Tanzensembles, internationalen Folkloregruppen und anderen Institutionen von Hannover 96 bis zu den Lindener Narren strahlten ebenso wie das Publikum. Oberbürgermeister Stephan Weil hatte ja schon bei der Begrüßung von Schützen und Ehrengästen vorm Rathaus ins Mikrofon gerufen: „Unsere geballte gute Laune wird das Wetter in die Schranken weisen.“ Dann ging es los, wie immer mit dem Befehl „Im Doubliertritt, marsch!“.

Und noch etwas hatte Weil zuvor mit Verve verkündet: „Noch nie hatten wir einen so hohen Repräsentanten des Staates beim Ausmarsch – wir begrüßen unseren Vizekanzler, Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.“ Da zeigt sich eben, was alte Verbundenheit mit der Heimat bewirken kann: Rösler ist seit zehn Jahren eifriger Ausmarsch-Teilnehmer und bekennender Schützenfest-Fan – und versucht daher, trotz der Verpflichtungen durch die neuen Ämter dabei zu sein. „Auch vom Wetter lasse ich mich da nicht abschrecken“, meinte er. Ähnlich warmherzig wie den Liberalen Rösler begrüßte Sozialdemokrat Weil dessen CDU-Kabinettskollegin, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Beim Schützenfest spielen Parteigrenzen eben keine Rolle. Die zwei Bundesminister übernahmen schnell die Rolle der Popstars unter den Teilnehmern. „Mensch, da ist ja Herr Rösler!“, „Oh, Frau von der Leyen!“ oder Ähnliches wurde immer wieder im Publikum geraunt.

Neben den Bundesministern liefen ganz vorn im Zug hinter OB und Schützenpräsident auch Bundestagsabgeordnete, Landespolitiker und natürlich jede Menge Ratsleute mit. Wenn die Gruppe mit den Ehrengästen in der Bruchmeisterallee am Schützenplatz nach einer knappen Stunde ankommt, sind die letzten Marschierer am Trammplatz noch nicht einmal gestartet. So ist das eben bei einem insgesamt zwölf Kilometer langen Menschenzug – der dieses Mal übrigens seine angestammte Route leicht veränderte. Wegen der Baustelle am Kröpcke wurde dieses Mal ein Schwenk über die Luisenstraße, den Bahnhofsvorplatz und die Schillerstraße auf dem Weg in die Altstadt gemacht. Und man fragte sich: Warum eigentlich nicht schon längst? Die Strecke ist schöner als durch die Kaufhausschluchten in der Georgstraße, und schließlich ist während der Festwoche vorm Bahnhof eine Miniversion des Schützenfestes aufgebaut – eine passende Kulisse.

Und noch etwas war anders als sonst: Einer der vier Bruchmeister fiel als Standartenträger aus. Daniel Dombrowski, der den dritten Zug anführen sollte, litt unter Magenschmerzen und konnte nur am Ende vor der Tribüne in der Bruchmeisterallee Aufstellung nehmen. Doch auch dieses Problem wurde gelöst – Kollege Timo Meier, Bruchmeister des Jahres 2010, sprang für ihn ein.

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