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Schützenfest 2011 Klassische Attraktionen auf dem Schützenfest
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20:37 07.07.2011
Ein Spiel mit Seele: Das Entenangeln hat sich den nostalgischen Charme bewahrt. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Die Zungenspitze zwischen die Lippen gepresst, lässt Nele ihre kleine Angel über dem Wasserbassin kreisen. Sie ist hochkonzentriert, sie muss 15 Plastikenten angeln. Gar nicht so leicht für eine Vierjährige, doch am Ende schafft sie es mit Omas Hilfe. Stolz nimmt Nele von Sascha Schaak als Preis ein Kinderschminkset entgegen. Der 26-Jährige betreibt das Entenangeln zusammen mit seinem Bruder bereits in dritter Generation – und gehört mit seinem Stand zur Gruppe all der Schausteller, bei denen es nicht um beeindruckende technische Karusselldaten, um Höhe, Tempo und Magenkitzel geht. Statt dessen hat er Ruhe und Tradition im Angebot. Die Kollegen vom Dosenwerfen, Fädenziehen, Hau den Lukas oder dem Mäusezirkus lassen grüßen.

„Wir sind mit Leib und Seele Entenangler“, sagt Schaak, der als kleiner Junge selbst gern die Plastiktiere aus dem Becken gefischt hat. Er finde es schön, wie die Kinder sich freuen, wenn die Enten schließlich an den Magnetangeln baumeln – kleine Glücksmomente, beschert auf die einfache Art. Schaak sieht sich auch noch in einigen Jahren mit seinen Enten auf dem Schützenfest, auch wenn der Trend zu den großen Fahrgeschäften geht. „Es ist ein Spiel ohne Nieten, und das kommt gut an.“ Und es ist ein Spiel ohne Lärm und Hektik.

An anderer Stelle auf dem Festplatz macht die Nostalgie indessen laut auf sich aufmerksam: „Na los, Junge. Nu’ hau mal zu, dass die Fetzen fliegen“, dröhnt Werner Steinröders Stimme. Schwungvoll holt der 17-jährige Nils aus und lässt den schweren Hammer auf den Holzblock fallen. Das Metallstück an der Messlatte schnellt ein paar Meter nach oben, an der Liste mehr oder weniger witziger Titel entlang, die den Hammerschläger erwarten. „Na, immerhin hast du’s zum ,Salonlöwen‘ gebracht“, brummt Steinröder. Seit 35 Jahren betreibt der 67-Jährige auf dem Schützenfest einen Hau-den-Lukas – eine Leidenschaft, die er nach 20 Berufsjahren als Diplomingenieur zum Hauptberuf gemacht hat. „Meine Eltern waren auch schon Schausteller“, erzählt Steinröder. Um Geld für ihr Studium zu verdienen, bauten sein Bruder und er sich selbst einen Lukas. „Den allerersten haben sie uns damals gleich am ersten Abend zerhauen“, erzählt der Schausteller und lacht. Mittlerweile hat er drei unterschiedliche Modelle – für Kinder, für Frauen und für Männer. Obwohl die Zahl der Festbesucher, die gern mal den Hammer schwingen, seit einigen Jahren stagniert, glaubt Steinröder, dass es den Lukas immer geben wird. „Der gehört zum Schützenfest wie die Bratwurst und das Bier.“

Tanja Tscharntke und ihr Sohn Tim sind bei ihrem Gang über das Schützenfest auf den Mäusezirkus gestoßen – eine Art Institution auf den Volksfestplätzen aus Zeiten, in denen es all die gewaltigen Überschlagkarussells und Achterbahnen noch nicht gab. Aufgeregt presst Tim die Hände gegen die Plexiglasscheibe des Terrariums. „Guck mal Mama, ganz viele Mäuse“, sagt er. Fasziniert starrt der Fünfjährige auf ein Nest im Streu. Drei weiße Mäuse liegen darin, um sie herum wuseln zehn kleine Mäusekinder. „Die haben ja sogar noch Babys“, ruft Tims Mutter und zeigt ins Gewimmel: Tief im Streu vergraben liegt ein Dutzend winziger Jungtiere.

Eine quietschbunte Fassade schmückt den Schaustellerwagen, die Stimme eines Conferenciers wirbt per Bandansage für den Besuch im „Mäuseschloss“. Es gehört Kevin Rusch, der seit zwölf Jahren Mäuse auf Volksfesten zeigt. Erst vor Kurzem hat der 21-Jährige den Betrieb von seinen Eltern übernommen. Einen Helfer hat er nicht, er kümmert sich allein um die Tiere, die in vier Terrarien leben. „Andere Mäusezirkusse sind viel kleiner und haben nur weiße Mäuse. Das war mir zu langweilig“, sagt er. Doch allzu viele Besucher hat der Leipziger nicht mehr. „Das Interesse hat eindeutig abgenommen“, bedauert er. Rusch glaubt dennoch nicht, dass der Mäusezirkus ausstirbt. „Das ist wie Pferderennen, etwas Einzigartiges.“

Isabel Christian

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