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Schützenfest in Hannover ist Höhepunkt für Schießsportler

Grün für Generationen Schützenfest in Hannover ist Höhepunkt für Schießsportler

Am heutigen Freitag beginnt in Hannover das 482. Schützenfest – für Wolfgang Ebeling (75) 
und Sina Blomberg (13) ist das der Höhepunkt des Jahres. Was ist also dran 
am Schießsport? Versuch einer altersübergreifenden Klärung.

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482. Schützenfest in Hannover ist eröffnet

62 Jahre Altersunterschied, eine Leidenschaft: Sina Blomberg und Wolfgang Ebeling sind begeisterte Schützen.

Quelle: Insa Catherine Hagemann

Hannover. Wenn Wolfgang Ebeling an seine Anfangszeit als Schütze denkt, hat er nicht etwa Schießscheiben vor Augen, sondern Chlorgeruch in der Nase. Der 75-Jährige war Wassersportwart in dem Schwimmverein, in dem seine Tochter trainierte, als sein Schwager ihn ansprach, ob er nicht Lust habe, einen Schützenverein mitaufzubauen. „Die haben gedacht, der kennt sich aus mit Vereinsarbeit und Vorstandspflichten“, sagt Ebeling lachend. Der gelernte Kessel- und Behälterbauer ließ sich überzeugen, gründete 1974 den Schützenclub Germania und trägt seitdem die grüne Uniform. Auch wenn die Freundschaft zu Germania nach 15 Jahren Risse bekam – seit nunmehr 37 Jahren ist Ebeling begeisterter Schütze. Auf Germania folgte die Schützengilde Ronnenberg, und seit 2009 ist der Isernhagener Mitglied bei der Bürgerschützengesellschaft des nördlichen Stadtteils Hannover von 1906. „Dort werde ich richtig gefordert“, sagt Ebeling, „aber das ist es auch, was mir gefällt.“

Am Freitag, den 1. Juli, startet in Hannover das 482. Schützenfest. Das solle nach der Krise im vergangenen Jahr wieder ein „Volksfest auf Bundesliganiveau“ werden, wünschte sich Stephan Weil am Dienstag beim traditionellen Termin vor dem Festauftakt auf dem Schützenplatz.

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Der Schießsport ist es auch, für den sich Sina Blomberg begeistert. Die 13-Jährige ist zwar erst seit vier Jahren Schützin, doch wenn sie vom Schießen mit dem Luftgewehr spricht, leuchten ihre Augen. „Ich schieße bereits Freihand, also ohne Auflage“, erzählt die Sophienschülerin stolz, „zum Teil müssen wir eine Stunde oder bei Wettkämpfen sogar fast zwei Stunden auf einem Fleck stehen. Das ist anstrengend, macht aber auch viel Spaß.“ Sinas Vater ist Vorsitzender der Bürgerschützengesellschaft des nördlichen Stadtteils Hannover von 1906. Im Gegensatz zu Ebeling wuchs die Gymnasiastin in die Welt der Schützen automatisch hinein. „Ich fand das immer toll, vor allem das große Schützenfest im Sommer“, schwärmt Sina, „und dann wollte ich eben auch mal schießen und habe mit dem Lichtpunktschießen für die Kleinen begonnen.“

Schützen schätzen Gemeinschaftsgefühl im Verein

Erfolge im Schießsport können sowohl Ebeling als auch Sina vorweisen. Vor allem an die vergangene Saison denken beide gern zurück. Ebeling, der außer am Schießstand viel Zeit in seinem Schrebergarten verbringt, wurde Schützenkönig sowie Vizelandesmeister. Zudem erhielt er die Auszeichnung als 1. Ritter, das ist die Zweitplatzierung nach dem Stadtkönig.

Sina war 2010 Jugendkönigin. Wie es die Tradition verlangt, wurde sie von ihren Schützenkollegen zu Hause im Lehrter Stadtteil Ahlten abgeholt. Stunden hatte die 13-Jährige zuvor an ihrem Schreibtisch verbracht, um eine Rede zu schreiben und auswendig zu lernen, die sie auf der Straße vor ihren Schützenkameraden halten wollte. An Schlaf war vor Aufregung kaum zu denken. Doch das war vielleicht auch gut so. Denn um drei Uhr standen die Schützen vor der Tür und klingelten Familie Blomberg aus dem Bett. „Es war sehr heiß, obwohl es mitten in der Nacht war“, erinnert sich Sina, „Meine Mutter hat zur Erfrischung Wassermelone an alle verteilt.“

Es ist dieses Gemeinschaftsgefühl, das Sina ebenso wie Ebeling an der Schützenkultur schätzt. „Kameradschaft und Geselligkeit sind außer dem Schießsport das Wichtigste für mich“, erzählt Ebeling. Einander vertrauen, helfen, wenn es einem Schützenbruder nicht gut geht, gesundheitlich oder weil er den Job verloren hat, das ist für Ebeling selbstverständlich. „Wenn es drauf ankommt, begleiten wir ältere Schützen auch ins Pflegeheim.“

„Mir geht diese ganze Waffendiskussion auf den Keks“

Auch Sina hat inzwischen gleichaltrige Freunde in ihrer Bürgerschützengesellschaft gefunden. War sie anfangs ziemlich allein, kennt sie inzwischen weitere Teenager, die ihr Hobby teilen. Das Gefühl, dass sie ein altmodisches Freizeitvergnügen betreibt, hat die 13-Jährige, die auch noch Querflöte spielt, aber auch vorher nie gehabt. „Klar fragen mich manche, was ich da eigentlich mache“, sagt Sina, „aber die meisten sind einfach nur neugierig.“ Sina freut das. Sie hat sogar schon einen Geburtstag auf dem Schießstand gefeiert. Dass der Schießsport besondere Verantwortung verlangt, weiß sie. „Man muss halt wissen, dass man mit einer Waffe hantiert“, sagt sie dazu schlicht. Vorfälle, in denen mit Waffen von Sportschützen, Menschen getötet wurden wie bei den Amokläufen von Erfurt oder Winnenden, geben Sina zu denken. „Es ist wichtig, dafür zu sorgen, dass Waffen nicht in falsche Hände geraten.“

„Mir geht diese ganze Waffendiskussion auf den Keks“, macht Ebeling dagegen unmissverständlich klar. „Ich kenne einige, die mit dem Schießsport aufgehört haben, weil sie jetzt sogar die Munition in verschließbaren Kassetten verwahren müssen.“ Er ist spürbar verletzt, dass kriminelle Vorfälle mit Schützen in Verbindung gebracht werden. „Man sollte lieber mal im Internet aufräumen“, sagt er und lenkt das Gespräch auf das Schützenfest. Denn Höhepunkt des Jahres, da sind sich Ebeling und seine junge Schützenschwester einig, ist das Fest, das am Freitag beginnt. „Nach den ganzen Wettkämpfen ist das eine willkommene Pause. Es ist eine Belohnung und eine schöne Gelegenheit, eine richtige Fete zu feiern“, findet Ebeling, der jeden Tag von 19 Uhr an in der Niedersachsenschänke auf dem Festplatz zu finden sein wird.

Sina sind Festzelte egal. Sie liebt Karussells. Achterbahn, Wildwasserbahn – für die 13-Jährige können die Fahrgeschäfte sich nicht schnell genug drehen. „Ich habe keine Angst“, sagt sie und strahlt, „ich werde überall reingehen“.

Julia Pennigsdorf

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Festplatz
Aufbau auf dem Festplatz: Arbeiter Grzegorz Zep schraubt an der Achterbahn „Spinning Coaster“.

Bei einem Oberbürgermeister, der sich der Schützentradition verpflichtet fühlt und zugleich Fußballfan ist, lag der Vergleich nahe: Das Schützenfest in Hannover soll nach der Krise im vergangenen Jahr wieder ein „Volksfest auf Bundesliganiveau“ werden, wünschte sich Stephan Weil am Dienstag beim traditionellen Termin vor dem Festauftakt auf dem Schützenplatz.

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