Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Prozess

Boehringer-Gegner stören Gerichtsverhandlung in Hannover


50 Gegner des Tierimpfstoffzentrums von Boehringer haben am Dienstagmorgen eine Gerichtsverhandlung gegen sechs Männer beim Amtsgericht Hannover durch Rangeleien mit Sicherheitskräften gestört.
© Michael Thomas

Protestrufe, Applaus und unflätige Manieren im Gerichtssaal: Rund 50 Tierschutzaktivisten haben gestern alles darangesetzt, den ersten Prozess gegen die Besetzer des Boehringer-Geländes vor dem hannoverschen Amtsgericht zu stören. Die Polizei nahm fünf Personen vorläufig fest. Zwei Zuschauer, die sich ihrem Ausschluss widersetzten, wurden von Sicherheitskräften gewaltsam aus dem Saal gebracht. Wegen zahlreicher Befangenheitsanträge, die die Angeklagten gegen den Einzelrichter Detlef Süßenbach stellten, brach dieser die Verhandlung ab – noch bevor die Anklage verlesen werden konnte. Die sechs Tierschützer, von denen gestern fünf zur Verhandlung erschienen waren, müssen sich wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung verantworten. Sie sollen zu jener Gruppe gehören, die im August 2009 das Gelände des Pharmakonzerns Boehringer-Ingelheim in Kirchrode wochenlang besetzt hatten. Das Unternehmen, das dort ein Tierversuchslabor errichten will, zeigte insgesamt 16 Aktivisten an. Diese erhielten zunächst Strafbefehle über jeweils 20 Tagessätze à 15 Euro, sie legten aber Einspruch ein, sodass das Amtsgericht verpflichtet ist, öffentlich zu verhandeln.

Zahlreiche Justizbeamte und Polizisten sicherten am Dienstag den Prozessauftakt. Allein die Durchsuchung der Zuschauer nahm gut eineinhalb Stunden in Anspruch. Auf dem Flur kam es zu verbalen Attacken und Rangeleien zwischen den Beamten und Tierschützern, die sich der Kontrolle widersetzten oder keinen der 30 Plätze im Saal ergattert hatten. Im Gerichtssaal unterbrachen die zum Teil barfuß erschienenen Angeklagten und deren Fürsprecher die Ausführungen des Amtsrichters immer wieder durch Zwischenrufe. Nach mehreren Verwarnungen („Nehmen Sie Ihre Füße vom Tisch!“) griff Süßenbach härter durch: Gegen einen Angeklagten, der seine Mütze nicht abnehmen wollte, verhängte er ein Ordnungsgeld von 150 Euro auf. Ein Zuschauer muss wegen Pöbeleien 90 Euro zahlen. Bei den zum Teil in geschliffenem Juristendeutsch verfassten Anträgen der Angeklagten, die sich auf das Grundgesetz und die Europäische Menschenrechtskonvention stützten, musste selbst der Richter staunen. Inhaltlich beschränkten sie sich – neben Generalschelte für die Strafjustiz – allerdings auf Forderungen, Getränke und Chips oder das Tragen von Kopfbedeckungen zuzulassen. Süßenbach wies die Anträge mit stoischer Ruhe zurück – und erhielt daraufhin eine Reihe von Befangenheitsanträgen. Die Kirchröderin Ines Junck, die ihrerseits gegen Boehringers Pläne klagt, zeigte sich enttäuscht vom Verlauf der Verhandlung: „Schade, die Tierschützer haben so viel Potenzial und gute Argumente. Aber durch ihre Provokationen lassen sie alles verpuffen.“ Der Prozess soll am 20. Mai fortgesetzt werden.

Über den Antrag von Boehringer für den Bau des 40 Millionen-Euro-Projekts soll „in Kürze“ entschieden werden, wie Stadtsprecher Dennis Dix gestern sagte. Dieser Bauantrag fließe dann in das gentechnische Genehmigungsverfahren beim Gewerbeaufsichtsamt ein.

Sonja Fröhlich und Mathias Klein

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
  • @Meine Solidarität Keintieresser Sockenschuß – 05.05.10
    Noch alles klar im Großhirn?
  • @Keintieresser Keinohrhasen – 05.05.10
    Wären wir Keintieresser geblieben, stünde uns nur das Kleinhirn zur Verfügung. Nun sind die Keintieresser zu Großhirnmutanten gereift, weil der Mensch zum Fleischfresser wurde. Nun müpfen die Kleintieresser auf. Nehmt Maom!
  • @ Kleintieresser Dr.med.vet.Schulze – 05.05.10
    Das sind sie wieder, die Menschen mit einem nicht geringen Selbsthass und Selbstzweifeln, die sie durch ihr Verständnis von Tierliebe zu kompensieren trachten. Leider mißachten sie dabei die Errungenschaften des Rechtsstaates und meinen, dass Gesetze für sie nicht gelten, haben sie sich doch höheren Zielen verschrieben denen einjeder Gutmensch zustimmen müßte.
    Ich achte ihre Meinung, die sie jederzeit und überall äußern dürfen um Mitstreiter für ihr Anliegen zu finden, das Recht ist jedoch tabu, auch für diese selbsternannten sogenannten Tierschützer.
    Wer sich so aufführt, wird mit seinem Anliegen nicht ernstgenommen und ist das Ziel auch noch so her...
    Also, Geldstrafen werden zu zahlen sein.
  • Meine Solidarität Keintieresser – 05.05.10
    Meinen Glückwunsch an die Aktivis_innen! Aber gerne bei der nächsten Verhandlung mehr Inhalt gegen Boehringer, damit auch das Versuchslabor weg kommt.
    Lasst euch nicht unter bekommen und/oder von den blöden Trollen in diesem Blog ärgern.
  • kommentar irgendwer – 05.05.10
    was habt ihr mit meinem kommentart gemacht?
  • respekt genosse – 05.05.10
    respekt kann ich nur den bullen zeugen. die haben sich echt nicht provozieren lassen. hätte auch anders ausgehen können. der schwarzkittel war ein blasser typ. schade, dass die weiber so albern waren.
  • boehringerprozess irgendwer – 05.05.10
    mich würde mal interessieren, wer für die reinigung und desinfektion der räume und des eingangsbereiches des amtsgerichjtes aufkommen muß.
    wer's nicht gesehen hat, wird's nicht glauben.
    anfangs konnte man von einem gewissen maß an sozialer intelligenz ausgehen, als die besetzer auf einen gefährlichen umstand hinweisen wollten. leider war von anfang an sehr viel dreck dabei. sowohl in den polemischen anwürfen der besetzer, als auch in ihrem asozialen gehabe.
    fazit. schwacher richter, niveauloses gesindel und keine zielführenden argumente.
  • Guter Job Schweinejustiz – 05.05.10
    Mitten im Zeitsprung eine Ode an längst vergangenes. Respekt!
  • @ judikative pippi langstrumpf – 04.05.10
    Da muss ich Ihnen leider widersprechen. Natürlich ist es angebracht, die Arbeit der Presse kritisch zu hinterfragen. Sinn und Zweck von Gerichtsreportagen ist zwar die Wiedergabe von Gerichtsprozessen, Urteilen usw., die wertneutral scheinen. Doch spätestens in der Wiedergabe durch die Presse kommt hier eine subjektive Komponente ins Spiel, die hin und wieder auch ins Tendenziöse abgleiten kann. Und an dieser Stelle sollte jede_r Bürger_in auch das Recht wahrnehmen, auch über die Berichterstattung nachzudenken.
  • @ Ich komme auch von der Arbeit hsot – 04.05.10
    Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen: www.haz.de/nutzungsbedingungen.
  • Bärendienst, ach auch ein Tier Denk mal – 04.05.10
    Also so geht Tierschutz: Hausfriedesnbruch, Sachbeschädigung, unflätige Manieren, Attacken und Rangeleien usw.
    Ich frage mich, was die Tiere dazu sagen würden?
  • Berichterstattung Boehringer Ich will doch nur spielen – 04.05.10
    Hinweis an die HAZ: Macht Euch doch nicht das Leben so schwer. Sprecht nicht von Männern und Frauen - sagt einfach Personen. Das wird allen männlichen und weiblichen Krawallos gerecht.
  • Boehringer Ich komme auch von der Arbeit – 04.05.10
    @schade ... hsot
    Nun geh' mal ins Bett oder haste Stoff genommen?
  • schade ... hsot – 04.05.10
    ich mußte arbeiten, bin verwandt mit theodor körner (machte schwarz-rot-gold bekannt im kampf gegen napoleon) und wäre gerne auch da gewesen. jeder der aufsteht gegen die lächerliche "herrschaft" ist sympatieträger von mir und an die stammtischbrüder hier unter den haz-kommentatoren geht nur mein kopfschütteln. denn die da sind auf dem richtigen weg und sie werden gewinnen...
  • ... Todtraurig – 04.05.10
    (Diese Rangelei hat die Polizei verursacht, nicht mal auf Toilette gehen durfte man!) Und dann habt ihr euch in die Hose gemacht?
  • @.... Wephan Steil Judikative – 04.05.10
    Die Aufregung einiger Kommentatoren über die HAZ-Berichterstattung ist völlig unverständlich und auch eher nebensächlich. Entscheidend ist einzig und allein, wie die Rechtsprechung mit der Anklage umgeht. So ist das noch immer in einem Rechtsstaat.
  • .... Wephan Steil – 04.05.10
    Am Dienstagmorgen startete beim Amtsgericht Hannover der Prozess gegen sechs Männer, die im Zusammenhang mit der Besetzung des Boehringer-Geländes im vergangenen Jahr angeklagt sind.(Wegen Hausfriedensbruch) Etwa 50 Angehörige des linken Spektrums versammelten sich zunächst vor dem Gebäude und wollten die öffentliche Verhandlung verfolgen. Da im Gerichtssaal lediglich Plätze für 30 Zuschauer vorhanden waren, hielt der Rest der Gruppe sich auf dem Flur auf. Dort kam es nach Prozessbeginn zu Tumulten.(Was ist denn bitte unter Tumulten zu verstehen?)

    Die Verhandlung wurde daraufhin unterbrochen und die Störer aufgefordert, das Gebäude zu verlassen.(Die Verhandlung ist nicht wegen der angeblichen Tumulte unterbrochen worden, sondern weil die Beklagten eine Unterbrechung gefordert hatten, um einen Antrag erstellen zu können, diesem Antrag gab der Richter statt) Dabei kam es zu Rangeleien mit Sicherheitskräften von Justiz und Polizei, verletzt wurde niemand.(Diese Rangelei hat die Polizei verursacht, nicht mal auf Toilette gehen durfte man!)

    Die Beamten stellten die Identität von fünf Personen fest, fünf weitere erhielten Platzverweise. Die Polizisten nahmen zwei Männer in Gewahrsam. Anschließend wurde die Verhandlung fortgesetzt, weitere Zwischenfälle gab es nicht.

    Auf dem Boehringer-Gelände im Stadtteil Kirchrode soll ein Tierimpfstoffzentrum entstehen.

    Liebe HAZ, berichtet doch einmal wahrheitsgemäß und an die Kommentatoren, nicht dabei gewesen aber hier den Mund ganz weit aufreißen.
  • @2. Nicht nur Männer sind angeklagt! Krümelkacker – 04.05.10
    Na gut, dann waren ein paar Männer auch Frauen. Wenn dann damit dem Recht genüge getan ist.


  • ekelig ekel – 04.05.10
    Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen unter: www.haz.de/nutzungsbedingungen
  • Hartz 4 lässt grüßen h-mensch – 04.05.10
    Nicht tun, aber alles haben wollen.
    Typisch für unsere Linken...

    Wenigstens wurden einige Personalien aufgenommen... so lässt sich für spätere Fälle schneller ermitteln...

  • .... tut nix zur sache – 04.05.10
    es gibt halt auch leute die nicht nur leben um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben... und damit das leben lebenswert bleibt muss man halt den menschen die für boehringer, justiz und sonstige scheiße arbeiten in die suppe spucken

    und ja es ist wichtig die haz zu korrigieren, so oft wie in den medien fakten nichtmal richtig wiedergegeben werden. wie soll man die nachrichten eigentlich noch ernstnehmen?

    solidarische grüße an die böhringer-besetzerInnen
  • Lindener andre – 04.05.10
    Was machen die Rechten am Dienstagvormittag? Bierflaschen zählen?
  • Linke Lindener – 04.05.10
    Was machen die eigentlich beruflich, das die mal so eben am Dienstag Vormittag eine Gerichtsverhandlung besuchen können??

    Gruss

    Lindener
  • @Falsche Berichterstattung Hannoveraner ??? – 04.05.10
    Was war da jetzt so wichtig?
  • Falsche Berichterstattung Hannoveraner – 04.05.10
    1. Die Verhandlung sollte um 8.45 Uhr beginnen, sie startete aber viel später, erst dort kam es zu Rangeleien und vieles mehr und

    2. Nicht nur Männer sind angeklagt!

Rund um Hannover

Anzeige

Großbaustelle Kröpcke-Center

Das Kröpcke-Center halten viele für Hannovers hässlichsten Betonklotz. Das soll sich ändern: Die Düsseldorfer Grundstücksgesellschaft Centrum startet einen Totalumbau im Herzen der Stadt.

Unsichere Zeiten fürs Ihme-Zentrum

ihme-zentrum

Der überfällige Umbau des Ihme-Zentrums schien voranzugehen. Doch dann bekam der Investor Probleme. Der Betonkoloss droht zur Bauruine zu werden.

Der Fall De Haën

Der Altlasten-Fall im hannoverschen Stadtteil List sorgt jetzt für Streit um die Sanierung.

Anzeige


Top