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Boehringer: Streit um ein Tierlabor Handheben für Boehringer
Hannover Themen Boehringer: Streit um ein Tierlabor Handheben für Boehringer
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Von Gunnar Menkens
Moment der Entscheidung: Der Stadtrat stimmte mit großer Mehrheit für die Ansiedlung des Boehringer-Forschungszentrums. Quelle: Michael Thomas

Claudia Schäfers Hoffnung hat sich am Ende doch nicht erfüllt, auch 5500 Unterschriften halfen nichts. Im Namen der Anti-Boehringer-Initiative überreichte die Rechtsanwältin Bürgermeister Bernd Strauch einen Aktenordner, alle Signaturen gegen das Kirchröder Forschungszentrum waren darin abgeheftet. „Damit Sie im Rat entsprechend abstimmen.“ Nun war der freundliche Bürgermeister so nett, Schäfer und Mitstreiterinnen auf Fotografen und den filmenden NDR aufmerksam zu machen, damit sie die Köpfe mehr in die Kameras drehten. Auch den Ordner nahm er mit in den Saal. Aber zwei Stunden nach der Übergabe stimmte die große Mehrheit der Stadtpolitiker wie erwartet ab – für die Ansiedlung des Impfstoffzentrums. „Sie machen das Richtige für die Stadt“, hatte Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) noch kurz vor der Abstimmung gesagt.

Eine Ermunterung brauchten die Politiker allerdings nicht. Alle Fraktionen beschäftigen sich seit bald zwei Jahren mit dem in Kirchrode bekämpften Forschungszentrum. Sie lasen Gutachten, besuchten Informationsabende, hörten Argumente von Konzern und Gegnern. Kaum ein Redner vergaß, sich bei der „Bürgerinitiative gegen Massentierversuche in Wohngebieten“ für kritische Anmerkungen zu bedanken, verfolgten doch rund 60 Mitglieder von der Tribüne aus, wie sich die Volksvertreter zu Boehringer verhielten.

„Vertiefte Abwägungsprozesse“, wie es SPD-Fraktionschefin Christine Kastning formulierte, fielen bei der großen Mehrheit zugunsten des Konzerns aus. „Die Ansiedlung ist eine Investition in die Zukunft der Stadt“, sagte die Sozialdemokratin, sie bringe qualifizierte Arbeitsplätze, ermögliche notwendige Kooperationen mit der Tierärztlichen Hochschule und nütze dem Ziel, „Hannover als moderne und attraktive Großstadt zu profilieren“. Kastnings Rede gab den Tenor an, in Nuancen wiederholten Redner anderer Fraktionen diese Argumente. Wilfried Engelke (FDP) und Michael Dette (Grüne) ergänzten, erfolgreich entwickelte Medikamente nützten schließlich auch Tieren.

In Angelegenheiten der Sicherheit vertraut der Rat auf das Gewerbeaufsichtsamt, das sich wohl in den nächsten Monaten damit befasst, Pläne für das Forschungszentrum zu überprüfen. „Wir können zustimmen, weil die Anlage immer auf dem neuesten Stand der Technik sein muss“, sagte für die CDU der Fraktionsvorsitzende Rainer Lensing. Regine Kramarek, für die Kirchröder Grünen mit einem Sitz im Rat vertreten, bat die Boehringer-Gegner im Grunde darum, das Projekt neu zu bewerten. „Es ist kein Labor, das gefährlicher wäre als schon vorhandene in TiHo und MHH.“

Und so blieb es dabei, dass allein die beiden linken Gruppen und WfH-Ratsherr Jens Böning gegen Boehringer stimmten. Oliver Förste grüßte das „liebe Publikum“ auf der Tribüne und holte sich Applaus für den Satz, dass die Bürger „diese Kadaverfabrik nicht vor ihrer Haustür haben wollen“. Böning grüßte unter den Zuhörern seinen Parteichef Klaus Neudahm, der gleichzeitig die Bürgerinitiative anführt, und erinnerte an die Alternative, den Großteil der Versuchstiere „auf dem Land zu halten, wie es auch die TiHo macht“.

Am Ende lobte der Oberbürgermeister die „ernsthafte und verantwortungsbewusste Debatte“ im Rat. Der Umgang mit Viren sei in Hannover nichts Neues, das Gewerbeaufsichtsamt werde das Forschungszentrum mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit genehmigen. Kritiker der Ansiedlung forderte Weil schließlich auf, „Respekt denjenigen entgegenzubringen, die nach ernsthafter Abwägung dafür stimmen“.

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Gunnar Menkens

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