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Boehringer: Streit um ein Tierlabor Hannover erhält ein weiteres Tierversuchslabor
Hannover Themen Boehringer: Streit um ein Tierlabor Hannover erhält ein weiteres Tierversuchslabor
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21:37 12.12.2010
Von Conrad von Meding
Auf dem Gelände der Tierärztlichen Hochschule in Hannover soll das „Forschungslabor Infektionsmedizin“ gebaut werden. Quelle: Frank Wilde
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Es wird zusammen mit dem „Zentrum für Zoonoseforschung“ nahe dem Pathologie-Institut der TiHo errichtet. Dort wird, wie am nahen Boehringer-Standort, Forschung der Sicherheitsstufe S 2 betrieben. Die Stallungen für die Versuchstiere sollen aber deutlich kleiner werden, weil keine Massentests nötig seien, hieß es am Sonntag.

Im Gespräch ist die neue Forschungseinrichtung schon lange, Wissenschaftsrat und Ministerien haben das Projekt im Grundsatz schon vor knapp zwei Jahren freigegeben. Jetzt allerdings ist die Entscheidung gefallen, die Laboratorien nicht im bestehenden Gebäude der Virus-Isolierstation unterzubringen. Stattdessen soll auf dem TiHo-Gelände zwischen Bünteweg und Süßroder Weg ein Neubau errichtet werden. Mit der Stadtverwaltung soll es in Kürze eine sogenannte Behördenrunde geben – Experten aus allen betroffenen Fachbereichen von Bauplanung über Gewerbeaufsicht bis zum Gesundheitsamt treffen aufeinander und diskutieren, wie das Genehmigungsverfahren ablaufen soll. Wegen der Forschung an genetisch verändertem Material und den neuen Tierschutzbestimmungen sind zahlreiche Ämter zu beteiligen.

TiHo-Präsident Gerhard Greif betonte am Sonntag, dass die Investitionsentscheidung ein Glücksfall für den Wissenschaftsstandort Hannover und eine Bestätigung für die Qualität der TiHo-Forschung sei: „Aus bundesweit etwa 50 Anträgen wird jedes Jahr nur etwa ein Dutzend genehmigt, und in Hannover haben wir gleich für zwei Institute den Zuschlag erhalten.“ Die TiHo betreibe überwiegend Grundlagenforschung, deshalb werde der Tierbestand lange nicht so hoch wie bei Boehringer, wo bis zu 1000 Versuchsschweine in Stallungen gehalten werden dürfen. Beim Pharmaunternehmen Boehringer geht es um die Zulassung von Impfstoffen, daher sind Nachweise mit hohen statistischen Häufigkeiten nötig. Beim neuen TiHo-Institut dagegen werde überwiegend in zellbiologischen Laboratorien gearbeitet, die Versuche an Tieren seien deutlich in der Minderheit. Geforscht werde an Schweinen, Rindern, Schafen und Geflügel, sagt Greif: „Eigentlich an allen Nutztieren.“ Man müsse „die Krankheiten verstehen und überblicken können, um ihnen etwas entgegenzusetzen“. Zudem müsse die Wissenschaft schnell reagieren können, wenn neue Krankheitserreger auftauchten. Bedenken müssten Anwohner wegen der Versuche nicht haben, betont der Hochschulleiter: „S-2-Labors haben wir wirklich etliche in Hannover.“

Das geplante Laborgebäude liegt rund 500 Meter vom Boehringer-Standort entfernt mitten im neuen TiHo-Campus. Zur Wohnbebauung am Greitheweg sind es 300 Meter. Die TiHo, älteste deutsche Ausbildungsstätte für Tiermediziner, verlagert derzeit ihre Institute vom Braunschweiger Platz nach Kirchrode, weil die Flächen am Traditionsstandort Bult begrenzt sind. Erst in diesem Jahr hat sie am Bünteweg die Klinik für Heimtiere, Reptilien, Zier- und Wildvögel sowie die Kliniken für Kleintiere und Pferde eröffnet.

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