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Boehringer: Streit um ein Tierlabor Keine Angst vor Epidemien
Hannover Themen Boehringer: Streit um ein Tierlabor Keine Angst vor Epidemien
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15:12 23.07.2009
Von Rüdiger Meise

Wie bedrohlich doch Kreise aussehen können. Das dreieckige, gelbe Warnsymbol für „Biological Hazard“ (Biologische Gefährdung) ist in den Laboren des pathologischen Instituts der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) allgegenwärtig. Bevor Juniorprofessor Andreas Beineke, 36, das Labor betritt, muss er an der Tür mit dem Symbol einen Sicherheitscode eingeben. Dann gelangt er in den Vorraum, wo Tanks mit flüssigem Stickstoff stehen und Nährstofflösungen gelagert werden. An einer Garderobe hängen Arbeitskittel. Nur damit darf er das Labor betreten. „Der Kittel schützt nicht mich vor den Experimenten, sondern die Experimente vor Verunreinigungen durch mich“, sagt er.

In den Laboren experimentieren seine Mitarbeiter mit dem Hundestaupevirus. Regelmäßig dezimieren Staupeepidemien die Seehundkolonien der Nordsee. Anhand des verwandten Hundestaupevirus betreiben Beineke und seine Mitarbeiter Grundlagenforschung. Wenn das Virus einen Weg aus dem Labor finden würde, wäre dennoch keine Staupeepidemie unter Hannovers Hunden zu befürchten. „Der Erreger kann an der Luft nicht überleben“, sagt Beineke. „Deshalb brauchen wir nur Labors der Stufe zwei und nicht der Stufe drei.“

Das Tierimpfstoffzentrum, das der Pharmakonzern Boehringer gleich neben der TiHo plant, braucht Labore der Stufe drei. Wichtigster Unterschied: Das Labor ist hermetisch abgeriegelt und wird unter Unterdruck gehalten, damit kein Erreger entweichen kann. Die Medizinische Hochschule beispielsweise verfügt bereits über zwei sogenannte S-3-Labore und 29 S-2-Labore, sagt MHH-Sprecher Stefan Zorn.

An einer Werkbank im Labor des Instituts für Pathologie spritzt Beinekes Mitarbeiterin Danuta Waschke eine Flüssigkeit mit Staupeerregern in Reagenzgläser. Ihre Hände stecken in blauen Gummihandschuhen, sie sieht sie durch eine Glasscheibe. Die Luft im Inneren der Werkbank wird nach oben abgesaugt. „Wir testen hier, bis zu welchem Verdünnungsgrad das Virus noch in der Lage ist, Zellen zu befallen“, erklärt Waschke.

Werden Zellen mit Staupe infiziert, lässt sich das unter dem Elektronenmikroskop leicht erkennen: Die Zellen leuchten grünlich. „Der Erreger ist genetisch so verändert, dass er grün fluoresziert“, erklärt Beineke. So etwas erleichtere die Forschung beträchtlich, sagt der jugendlich wirkende Forscher. Um solche Effekte entwickeln und nutzen zu können, sei die TiHo auf die Kooperation mit anderen Instituten angewiesen. „Für uns allein wäre das viel zu teuer gewesen.“ Unter anderem deshalb freuen sich die Forscher so, dass Boehringer bewusst direkt neben der TiHo bauen will.

Konkrete gemeinsame Projekte seien zwar noch nicht geplant, sagt er. „Aber ein enger Kontakt wäre bei der täglichen Arbeit optimal“, erklärt Beineke. „Schon die Entfernung zwischen unseren Kliniken am Bischofsholder Damm und den Laboren hier am Bünteweg empfinde ich als wirklich störend.“ Auch die Studenten der TiHo würden sich über die geplante Ansiedlung freuen: Sie erhoffen sich von Boehringer Berufsperspektiven, sagt er.

Ängste, dass es in Hannover durch ein Virus, der aus einem Boehringer-Labor austritt, zu einer Epidemie kommen könnte, hat Beineke nicht. Ein solcher Zwischenfall hatte im vergangenen Jahr in Südengland die Maul- und Klauenseuche ausgelöst. „Wenn man die Vorschriften einhält, passiert so etwas einfach nicht“, sagt der Biologe. Dass sein Schäferhund Yuma an der Hundestaupe erkranken könnte, weil er selbst den Erreger übertragen könnte, macht ihm keine Sorgen, sagt er. „Meine Frau ist Tierärztin. Die trägt mit Sicherheit mehr Keime mit sich herum als ich.“

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