Debatte um Aufbau des alten Brückenhauses: Von „tolle Idee“ bis „mal abwarten, ob etwas draus wird“ gingen die Reaktionen am Sonnabendmorgen während des Flohmarkts am Hohen Ufer. Die meisten fanden die Idee charmant, selbst die Bedienung am Bratwurststand, der dort während des Flohmarkts residiert, konnte sich mit der Okkupation des Standorts abfinden: „Dann rücken unsere Wagen eben etwas näher zusammen.“
Oberbürgermeister Stephan Weil lobte ausdrücklich, dass für das Projekt nach Angaben der Initiatoren sowohl eine Finanzierung ohne Steuergeld als auch eine Nutzung existiert: „Das ist ja leider nicht die Regel.“ Insgesamt finde er die Idee zwar „eine interessante Sache“, die aber „im Lichte der Ergebnisse des Projekts City 2020“ zu prüfen sei. Der Planerwettbewerb hatte Modernisierungsvorschläge für den Bereich Leibnizufer/Hohes Ufer gebracht. „Besonders den erstplatzierten Entwurf finde ich sehr gut“, betont Weil: „Wir müssen sehen, ob die Brückenhausidee damit in Einklang zu bringen ist.“
Im Altstadt-Verein freut sich der neue Vorsitzende Alexander Bobzien über die Idee. „Die Altstadt ist das Herz der Stadt, Bauwerke mit Verbindung zur Vergangenheit sind als Bereicherung sehr willkommen.“ Auch die geplante Nutzung als Künstlerhaus – die Initiatoren haben einen Künstlerverein aus Worpswede als langfristigen Mieter – passe gut in die Altstadt. Altstadtwirt Rainer Aulich hingegen, der im Fluss die Sommergastronomie „Leine Suite“ betreibt, sagt: „So ein kleines Haus halte ich eher für eine Karikatur als für eine Bereicherung.“ Er findet das Projekt überflüssig.
In der rot-grünen Ratsmehrheit wird das Thema unterschiedlich bewertet. Der baupolitische Sprecher der Grünen, Michael Dette, hält den Vorschlag für „interessant und historisch eine spannende Sache“, warnt aber vor zu schnellen Festlegungen: „Es ist nur ein relativ kleines Gebäude, wir müssen abwägen, ob wir dafür so eine wertvolle Fläche ausgeben wollen.“ SPD-Ratsherr Thomas Hermann lehnt die Rekonstruktion ab: „Wir haben aus dem Wettbewerb einen Superentwurf für das Hohe Ufer, da bringt uns eine Idee für einen Wiederaufbau nicht voran, sondern wirft uns zurück.“ Auch Bauhistoriker Sid Auffarth ist eher zurückhaltend. „Die Idee ist ganz witzig, begeistert bin ich aber nicht.“ Er hätte das Haus eher modern wie das Frankfurter Zollhaus am Main aufgebaut, zweifelt aber wegen der geringen Größe grundsätzlich am Nutzen des Projekts.
Das über mehrere Generationen von Scherenschleifern genutzte kleine Fachwerkhaus hatte fast 150 Jahre bis zum Kriegsende am Ufer gestanden, wo früher eine Brücke zur Leineinsel führte. Der Verein Hannoversche Stadtbaukultur will es ohne Steuergeld originalgetreu aufbauen und der Stadt das Grundstück abkaufen.
Conrad von Meding
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