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Ausbau der Linie 10 wird Hannovers Gesicht verändern

Stadtbahn bis zur Königstraße Ausbau der Linie 10 wird Hannovers Gesicht verändern

Der Ausbau der Stadtbahnlinie 10 wird Hannovers Innenstadt stärker verändern, als bisher angenommen. Das wurde am Donnerstag deutlich, als die Verkehrsplaner der Region ihren Planungsvorschlag für die künftige Streckenführung der Linie 10 vorstellten.

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Der Raschplatz ist besonders von den Veränderungen betroffen: Die Hochstraße soll für die D-Linie abgerissen werden.

Quelle: TransTecBau

Hannover. Auf der Berliner Allee soll es keine Hochstraße mehr geben, der Raschplatz neu gestaltet werden, und die Kurt-Schumacher-Straße zwischen Herschelstraße und Ernst-August-Platz soll zur „deregulierten Zone“ erklärt werden. Das bedeutet, dass sich Bahnen, Busse, Autos, Radfahrer und Fußgänger dort einen gemeinsamen Fahrbereich teilen. Zudem will man alle City-Straßen aufwerten, auf denen die Linie 10 rollt. Bäume werden an den Seiten von Goethestraße, Berliner Allee und Kurt-Schumacher-Straße gepflanzt, die Gehwege verbreitert und Radspuren angelegt. „Die Planung ist ein Gesamtkonzept, aus dem sich einzelne Maßnahmen nicht herauslösen lassen“, sagt der Verkehrsdezernent der Region, Ulf-Birger Franz (SPD). Zunächst werden die Pläne den politischen Gremien vorgelegt, die Region rechnet aber damit, 2014 oder 2015 mit den Bauarbeiten zu beginnen.

Die Kosten beziffert Franz auf knapp 63 Millionen Euro, gerechnet für den Citybereich von der Glocksee bis zum Platz der Kaufleute, auf dem die Linie enden soll. Einbezogen in die Kalkulation sind dabei der Rückbau der Linie 17 bis zum Aegi, die Straßenverschönerungen und der Abriss der Raschplatzhochstraße, der allein mit 14 Millionen Euro zu Buche schlägt. Damit liegt die Endsumme noch weit unterhalb der Kosten für den Bau des lange diskutierten Tunnels, der 130 Millionen Euro verschlungen und die Linie 10 unterirdisch bis zum Hauptbahnhof geführt hätte. Einen weiteren Vorteil gegenüber einer Tunnellösung sieht Verkehrsdezernent Franz in der Erweiterung der Strecke. Wenn die Linie 10 auf der Berliner Allee bis zum Platz der Kaufleute fährt, bekommen Königstraße und Teile der Oststadt einen Stadtbahnanschluss. „Das bringt uns 4800 zusätzliche Fahrgäste pro Tag“, meint Franz.

Stadt und Region Hannover haben ihre mit Spannung erwarteten Pläne für die Linie 10 präsentiert.

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Dennoch ist unklar, wer die 63 Millionen Euro für den Ausbau bezahlt. Die Region will jetzt mit der Landesnahverkehrsgesellschaft über Fördergeld verhandeln. „Die Region, aber auch die Stadt werden ihren Teil dazu beitragen“, sagt Franz. Die Planungen hält er für „realisierbar“, ganz gleich, ob die Fördermillionen des Landes nun etwas höher oder niedriger ausfielen. Absehbar ist bereits, dass die Bauarbeiten auf der Kurt-Schumacher-Straße ohne Landeshilfe ausgeführt werden müssen.

Dort soll die Linie 10 über kein eigenes Gleisbett verfügen, das Land aber hilft nur, wenn Stadtbahnen separate Straßenbereiche bekommen, sich damit das Tempo der Züge erhöht, die Fahrzeit verringert und der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel attraktiver wird. Immerhin soll die Linie 10 auf der Braunstraße im eigenen Gleisbett rollen, ebenso auf der Goethestraße, nicht aber in Richtung stadteinwärts. Danach fährt sie ohnehin mitten auf der Straße über das Steintor, durch die Kurt-Schumacher-Straße und die Unterführung neben dem Hauptbahnhof. Erst auf der Berliner Allee kann der Zug wieder richtig Tempo aufnehmen, da er sich auf dem Grünstreifen in der Mitte der Straße bewegt.

Die Begeisterung von Üstra-Chef André Neiß hält sich denn auch in Grenzen. Er habe sich eine nahezu durchgängige separate Schienenführung für die Linie 10 gewünscht, sagt er. „Die Kurt-Schumacher-Straße ist ein Unfallschwerpunkt. Durch einen eigenen Gleiskörper hätte man die Situation entschärfen können“, sagt Neiß. Für ihn sei der Planungsvorschlag daher ein Kompromiss.

Als Kompromiss dürfte auch die geplante Haltestelle „Hauptbahnhof“ anzusehen sein, die sich künftig auf der Kurt-Schumacher-Straße neben der Ernst-August-Galerie befindet. 240 Meter müssen Fahrgäste dann bis zum Haupteingang des Bahnhofs laufen, 120 Meter mehr als bisher.

„Das gilt aber nur für ein Drittel unserer Fahrgäste der Linie 10, die am Hauptbahnhof aussteigen“, sagt Stefan Harcke, Chef der infra, die für Bahnsteige zuständig ist. Eine Untersuchung habe ergeben, dass zwei Drittel entweder in der City einkaufen wollen oder in die U-Bahn wechseln. „Letzteres können sie künftig bequem am Raschplatz“, sagt Harcke. Dort soll die neue Haltestelle nahe dem Aufzug zu den unterirdischen Stationen gebaut werden.

Taxifahrer fürchten Überlastung

Hannovers Taxifahrer halten von den neuen Planungen wenig. Insbesondere der Abriss der Raschplatzhochstraße ist ihnen ein Dorn im Auge. „Die Straße ist notwendig für einen flüssigen Innenstadtverkehr“, sagt Peter Größer, Vorsitzender des hannoverschen Taxifahrervereins. Aber auch mit der künftigen Verkehrsführung rund um den Halteplatz vor dem Hauptbahnhof, auf dem sich mehrere Taxistände befinden, hat Größer Probleme. „Auf der Schillerstraße wird es dann regelmäßig zu Staus kommen“, prophezeit er.

Tatsächlich sieht der Entwurf von Stadt und Region vor, die Zu- und Abfahrt des Parkplatzes vor dem Bahnhof über die Schillerstraße zu regeln. Aus der Kurt-Schumacher-Straße wird es nicht mehr möglich sein, die Kreuzung vor der Ernst-August-Galerie zu überqueren, um dann auf den Parkplatz zu kurven. Auch Autofahrer, die aus der Unterführung neben dem Hauptbahnhof kommen, dürfen nicht auf den Stellplatz abbiegen. „Wir wollen die Kreuzung vom Durchgangsverkehr entlasten“, sagt Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz. Ob die Schillerstraße ausgebaut werden müsse, darüber werde noch gesprochen. Grundsätzlich aber bleibe der Parkplatz Autofahrern zugänglich.

Hannovers Taxifahrer hatten wiederholt kritisiert, dass der Parkplatz vor allem an Wochenenden überlastet sei. Sie schlugen vor, die Stellfläche vom Individualverkehr freizuhalten und nur noch für Taxis zu reservieren.

City-Gemeinschaft will sich Verkehr genau ansehen

Martin Prenzler ist zufrieden. Zumindest vorerst. Der Geschäftsführer der City-Gemeinschaft ist erfreut, dass die Region bei ihrer Planung die Bedenken der Kaufleute beachtet hat. Unter anderem ging es dabei darum, dass die Parkhäuser rund um die Kurt-Schumacher-Straße weiter gut zu erreichen sind. Außerdem lasse die jetzt vorgestellte Trassenführung die geringsten Probleme erwarten, sagt er.

Allerdings gibt es bei der Bewertung der City-Gemeinschaft einen großen Unsicherheitsfaktor: „Wir haben an einigen Stellen große Bedenken, ob die Verkehrsplanungen funktionieren“, sagt Prenzler. Die City-Gemeinschaft werde sich die im Regionshaus vorgestellte Verkehrssimulation ganz genau ansehen. Unter anderem bemängelt Prenzler als realitätsfern, dass in der vorgestellten Version nie linksabbiegende Autos warten müssen, bis Radfahrer und Fußgänger Straßen überquert haben. Außerdem seien in den dargestellten Filmen deutlich weniger Autos unterwegs, als für bestimmte Straßen zu erwarten sind.   

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Pläne für Stadtbahnlinie 10
Eine Fotosimulation zeigt, wie die neue Bushaltestelle am Steintor aussehen soll.

Stadt und Region Hannover haben am Donnerstag ihre mit Spannung erwarteten Pläne für die Linie 10 vorgestellt. Die Raschplatz-Hochstraße soll abgerissen werden, dafür werden Straßen entlang der Strecke verschönert. Knapp 63 Millionen Euro soll das Projekt kosten.

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