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D-Linie: Stadtbahnbau verändert das Steintor

Kritik an der Region D-Linie: Stadtbahnbau verändert das Steintor

Der Ausbau der Stadtbahnstrecke D wird das Gesicht der Innenstadt verändern. Bisher richtete sich die Aufmerksamkeit von Kommunalpolitikern und City-Händlern vor allem auf die Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße/Ernst-August-Platz. Dort sollen die Züge der Linie 10 nicht mehr bis zum Aegidientorplatz fahren, sondern in die Unterführung neben dem Hauptbahnhof abbiegen und bis zum Raschplatz rollen.

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Der Ausbau der D-Linie wird das Gesicht der Innenstadt verändern.

Quelle: Natalie Becker

Hannover. Aber auch der Bereich Steintor wird nach den Umbauten für die D-Linie nicht wiederzuerkennen sein. Das wurde gestern bei der Sondersitzung von städtischem Bauausschuss und Bezirksrat Mitte im Rathaus deutlich.

Nachdem der Verkehrsausschuss der Region am Dienstag über die aktuellen Pläne der Region diskutiert hatte, waren nun die Stadtpolitiker an der Reihe. Doch ebenso wie im Regionshaus meldeten auch im Rathaus die Oppositionsparteien Beratungsbedarf an und vertagten die Entscheidung. Das hielt die Kommunalpolitiker aber nicht davon ab, sich noch einmal heftig um das Für und Wider der neuen Linie 10 zu streiten.

Regionsdezernent Ulf-Birger Franz (SPD) verteidigte seinen Plan, die Linie 10 oberirdisch bis zum Raschplatz zu führen und in der City mehrere Hochbahnsteige entlang der Strecke zu bauen. Mindestens 40 Millionen Euro verschlingt das Vorhaben. Rückenwind bekam Franz von Stadtbaurat Uwe Bodemann, der sich von dem Ausbau zugleich eine Verschönerung der City verspricht. So sollen in der Goethestraße zu beiden Seiten Bäume gepflanzt werden, sodass der Charakter einer Allee entsteht. „Es wäre dumm, bei einem Stadtbahnausbau nicht die Chance für eine qualitative Verbesserung der Straßen zu ergreifen“, warnt Bodemann.

Im Bereich Steintor wird die alte Haltestelle an der Einmündung zur Kurt-Schumacher-Straße entfallen. Die markante, gelb-schwarze Mendini-Station soll dann nur noch Bussen als Haltepunkt dienen. Stattdessen will die Region einen Hochbahnsteig in die Münzstraße bauen, exakt zwischen der Einmündung Lange Laube und Scholvinstraße. Der Kraftfahrzeugverkehr soll dann allein über die Scholvinstraße Richtung Marstall geleitet werden, Steintorstraße und Schmiedestraße will man für den Durchgangsverkehr sperren und in Fußgängerzonen verwandeln. Um den Umstieg von der neuen Haltestelle Münzstraße in die U-Bahnstation Steintor auch Behinderten zu ermöglichen, sollen dort Aufzüge gebaut werden. „Nicht direkt am Hochbahnsteig, aber in der Nähe der Haltestelle“, sagt Verkehrsdezernent Franz.    

Der Umbauplan für das Steintor stieß bei CDU und FDP auf heftige Kritik. „Die Verkehrsführung durch eine Bordellstraße wie die Scholvinstraße ist ein schlechter Witz“, meinte CDU-Bezirksratsherr Joachim Albrecht. Ein Manko der Planung sei auch, dass die Station Clevertor entfalle.

Denn nach dem Umzug der VHS ans Hohe Ufer müssten Kursteilnehmer abends durchs Rotlichtviertel gehen, um zur nächsten Bahnstation an der Münzstraße zu gelangen. „Das ist alles noch nicht beschlussreif“, sagte Albrecht.

Kritik gab es auch für die Verkehrsführung am Ende der Kurt-Schumacher-Straße. Autofahrer dürfen künftig nicht mehr links in die Unterführung neben dem Hauptbahnhof abbiegen, sondern werden über die Schillerstraße zu den Parkhäusern in Mehl- und Andreae­straße geführt. „Hier muss die Planung noch optimiert werden“, forderte SPD-Baupolitiker Thomas Hermann.

Zumindest in einem Punkt waren sich die Politiker gestern einig: Der Durchgangsverkehr müsse möglichst aus der Innenstadt herausgehalten werden.  

Kritik an Daten der Region

Die Spitze gegen seinen Parteifreund in der Regionsverwaltung konnte sich SPD-Baupolitiker Thomas Hermann gestern im Bauausschuss nicht verkneifen: In Sachen „Transparenz“ ließen die Planungen der Region zu wünschen übrig, meinte Hermann an die Adresse von Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz.

Tatsächlich musste Franz sein Zahlenmaterial zur neuen D-Linie mehrere Male korrigieren. Erst kürzlich stellte sich heraus, dass die Züge auf der Linie 10 nun doch nicht im Fünfminutentakt rollen sollen, wie zuerst angekündigt. Vielmehr hält Franz jetzt überraschenderweise an dem bisherigen 7,5-Minuten-Takt der Bahnen fest. Ein gravierender Unterschied, denn dadurch stimmen auch die Zuwächse an Fahrgästen nicht mehr, die Franz zuvor bei einer höheren Frequenz berechnet hatte. 1600 zusätzliche Kunden, so hatte er prophezeit, würden in die Linie 10 steigen, jetzt seien es eben „ein paar weniger“. Doch gestern im Bauausschuss sprach Dezernent Franz erneut von 1600 neuen Fahrgästen und erntete Kopfschütteln. „Herr Franz ändert stündlich seine Zahlen“, meinte FDP-Mann Wilfried Engelke.

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