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D-Linie: Üstra spricht sich plötzlich für Tunnellösung aus
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Aufteilung ab Goetheplatz D-Linie: Üstra spricht sich plötzlich für Tunnellösung aus

Im noch immer nicht gelösten Konflikt um den Ausbau der D-Linie hat die Üstra Position bezogen. In einem eigenen Gutachten macht sich das Unternehmen nach Informationen der HAZ für den sogenannten Scheelhaase-Vorschlag stark - und wirft damit alle bisherigen Pläne um.

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Der Streit um den Ausbau der D-Linie geht weiter, nun hat sich auch die Üstra eingeschaltet.

Quelle: Ditfurth (Symbolfoto)

Hannover. Im Konflikt um den Ausbau der Stadtbahnlinien 10 und 17, der sogenannten D-Linie, tritt die Üstra jetzt auf die Bremse. Das Unternehmen plädiert dafür, die Finger von einer Ausweitung der Strecke bis zum Raschplatz oder gar bis zum Platz der Kaufleute zu lassen, wie es die Regionsverwaltung ursprünglich vorsah. Das geht nach Informationen der HAZ aus einem Gutachten hervor, das der Üstra-Aufsichtsrat morgen behandeln wird. Stattdessen macht sich die Üstra für die sogenannte Scheelhaase-Lösung stark, erdacht von dem ehemaligen U-Bahn-Bauamtsleiter Klaus Scheelhaase. Demnach sollen die Züge ab Goetheplatz abwechselnd in zwei verschiedene Richtungen fahren. Die eine Hälfte biegt auf die Tunnelstrecke Richtung Waterloo ab und fährt bis zum Hauptbahnhof, die andere Hälfte rollt oberirdisch weiter durch die City bis zum Aegidientorplatz. Die Grünen in Stadt und Region kritisieren den Vorstoß der Üstra schon jetzt massiv. Das Unternehmen torpediere die rot-grüne Verkehrspolitik, heißt es.

In ihrem Gutachten überprüft die Üstra, ob der Scheelhaase-Vorschlag umsetzbar ist. So war bisher nicht klar, ob die Kapazitäten des Tunnels Richtung Waterloo ausreichen, um weitere Züge aufzunehmen. Denn auf der Strecke verkehren bereits die Linien 3,7 und 9. Die Üstra-Gutachter geben hierfür jetzt grünes Licht. Die Scheelhaase-Lösung sei sowohl „kundenfreundlich“ als auch „kostengünstig“, heißt es. Die Züge der Linie 10 sollten nach Einschätzung der Üstra zudem in einem höheren Takt fahren. Das verursacht nach Berechnungen des Unternehmens zwar zusätzliche Kosten von rund 790.000 Euro im Jahr, man gewinne aber auch 2000 Fahrgäste hinzu. Unterm Strich belaufe sich der zusätzliche Aufwand für die Scheelhaase-Lösung auf 290.000 Euro.

Die Grünen in Stadt und Region geißeln den Vorstoß der Üstra und sehen die eigenen Interessen gefährdet. „Das ist ein unfreundlicher Akt der Üstra“, sagt der Verkehrsexperte der Grünen Ratsfraktion, Michael Dette. Das Unternehmen setze offenbar alles daran, die rot-grüne Zusammenarbeit zu untergraben. Auch seine Kollegin in der Region, Grünen Verkehrsexpertin Meike Schümer, kann nur den Kopf schütteln. „Der Üstra-Vorstand mischt sich in die Politik ein“, sagt sie.

Ursprünglich hatte die Regionsversammlung mehrheitlich einem Ausbaukonzept für die D-Linie zugestimmt, das eine Streckenverlängerung bis zum Platz der Kaufleute vorsah. 63 Millionen Euro sollte das Projekt kosten. Die Züge sollten von der Kurt-Schumacher-Straße durch die Unterführung neben dem Hauptbahnhof bis zum Raschplatz und weiter entlang der Berliner Allee rollen. Doch dazu hätte die Raschplatz-Hochstraße abgerissen werden müssen, was allein 15 Millionen Euro verschlungen hätte. Bereits Ende des Jahres war absehbar, dass ein solcher Abriss nicht aus der Landeskasse mit Zuschüssen bedacht worden wäre. Ohne Fördermittel aber ist der Ausbau zum Scheitern verurteilt.

Das hat inzwischen auch Rot-Grün in der Region erkannt. Dort favorisiert man jetzt eine abgespeckte Streckenführung nur bis zum Raschplatz. Doch dabei bleibt ein wesentliches Verkehrsproblem ungelöst. Die Bahnen müssten weiterhin den neuralgischen Kreuzungspunkt vor der Ernst-August-Galerie passieren. Die Kreuzung ist aber schon jetzt überaus stark frequentiert. Nach einer Zählung der Üstra haben an einem Adventssonnabend 9000 Fußgänger pro Stunde die Straßen überquert.

Die Stadt Hannover hält sich in dem Konflikt zurück. Drei Kriterien seien aber entscheidend, sagt ein Sprecher, um ein wie auch immer geartetes D-Linien-Konzept zu beurteilen: Die Umsteigemöglichkeiten müssen gut sein, die Haltestellen barrierefrei und die Pläne „städtebaulich verträglich“ sein.  

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